2004-229 (1)


1. Ausgangslage

Der Landrat hat im Jahre 1998 einem Verpflichtungskredit von 2,4 Mio. Franken für eine neue Software für die Personal- und Lohnadministration zugestimmt.
In den Jahren 2000 und 2001 genehmigte er einen Zusatzkredit von 0,7 Mio. Franken und nahm eine weitere Kreditüberschreitung von 0,6 Mio. Franken zur Kenntnis.
Mit der Vorlage zur Beantwortung der Motion "Wie steht es mit der EDV im Kanton wirklich", wurde dem Landrat die Abrechnung über 3,9 Mio. Franken unterbreitet. Der Kreditrahmen wurde dabei um Fr. 200'000.-- überschritten.
Die Personal- und Lohnadministrationssoftware ist seit 2002 in Betrieb. Das System deckt, mit Ausnahme der Spitäler und der Psychiatrischen Dienste, die gesamte Verwaltung inklusive der Lehrpersonen ab. Es werden rund 100'000 Verträge bearbeitet.
Das System bildet zudem die Grundlage für das im Aufbau begriffene Personalcontrolling.
Die Subko "Espresso" der landrätlichen "PUK Informatik" hat bei ihrer Untersuchung das gesamte Projekt im Detail geprüft.
Die Regierung nennt als Hauptgründe für die Kostenüberschreitung die knapp bemessene Kreditlimite, die fehlende Reserve und den heiklen Projektablauf.




2. Kommissionsberatung


Die Finanzkommission behandelte die Vorlage am 5. Januar 2005 in Anwesenheit von Yvonne Reichlin, Finanzverwalterin, Mike Bammatter, Generalsekretär FKD und Roland Winkler, Leiter Finanzkontrolle.
Eintreten auf die Vorlage war in der Finanzkommission unbestritten. Anlass zur Diskussion und zu Kritik gab weniger der Zusatzkredit sondern das Produkt.




3. Beratung im Einzelnen


3.1 Die Beurteilung des Systems
In der Vorlage aus dem Jahr 1998 wurde auf eine Reserve verzichtet.
Im Jahr 2000 warf die Finanzkommission die Frage auf, ob das Projekt abgebrochen werden sollte.
Im "PUK Informatik-Bericht" vom 15. Juni 2004 wurde in Frage gestellt, ob "Espresso" den Anforderungen an ein zeitgemässes Personalinformationssystem gerecht wird, da erhebliche Mängel in der Projektorganisation und der Implementierung festgestellt wurden. Inzwischen sind laufend Verbesserungen vorgenommen und Massnahmen eingeleitet worden. Die Neuprogrammierung der Pensionskassen-Daten wurde auf Anfang dieses Jahres umgesetzt.


3.2 Die Abgrenzung von Projekt- und Betriebskosten
Mit dem Verpflichtungskredit wurden nur die externen Kosten beantragt. Grundsätzlich sollen Projektkosten nicht über die laufende Rechnung verbucht werden, was aufgrund von Ueberschneidungen von Betriebs- und Projektkosten jedoch nicht in jedem Fall zu vermeiden ist.
Zwischenzeitlich hat die FKD eine Praxisänderung vorgenommen indem nach den neusten Grundsätzen sämtliche anfallenden Kosten bis zur Projektabnahme unter den Projektkosten abgerechnet werden.


3.3 Die Ablösung des Systems
Die Planungsarbeiten für eine Ablösung des Systems wurden bereits in die Wege geleitet. Dabei wird im Verbund mit anderen Kantonen über eine einheitliche Lösung bei den Standardanwendungen nachgedacht. In der Kommission wird der Wunsch bekräftigt, auch die Spitäler in die neue Software miteinzubeziehen.
Voraussichtlich wird im Jahr 2008 ein Release- oder Systemwechsel vorgenommen. Dem Landrat soll ca. Ende 2005 eine entsprechende Vorlage unterbreitet werden.


3.4 Die Schlussbeurteilung
Die Finanzkommission stimmt der Abrechnung zwar einstimmig, aber nur "zähneknirschend" und mit dem Trost, dass "Espresso" im Vergleich zu anderen Kantonen noch relativ günstig ausgefallen ist, zu.




4. Antrag


Die Finanzkommission beantragt dem Landrat mit 13:0 Stimmen, die Abrechnung für die Software für die Personal- und Lohnadministration (Projekt Espresso) zu genehmigen.


Binningen, den 20. Januar 2004


Im Namen der Finanzkommission
Der Präsident: Marc Joset



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