2005-35 (1)


1. Ausgangslage

Am 13. Dezember 2001 hat Landrat Ruedi Brassel, SP-Fraktion, das im Titel erwähnte Postulat eingereicht. Im Postulat wird die Regierung um Prüfung und Bericht gebeten, an der Universität Basel ein «Interdisziplinäres Zentrum für Konflikt- und Kooperationsforschung» anzuregen und sich für eine Anschubfinanzierung im Rahmen von Fr. 500'000.- einzusetzen. Das Postulat wurde vom Landrat überwiesen.


In seiner Argumentation weist das Postulat auf die vielfältigen globalen Konflikte hin, die in den letzten Jahren vielschichtiger und komplizierter geworden sind. Angesichts der Zunahme von Konfliktlagen steigt auch der Bedarf an gesichertem Wissen über Konfliktursachen, Konfliktdynamiken und wirksame Ansätze der Konfliktbewältigung sowie über Kooperationsstrategien. An der Universität Basel hat sich eine hochkarätige Initiativgruppe von Interessierten aus verschiedensten Disziplinen gebildet, die ein Programm für «Konfliktstudien und Konfliktbewältigung» aufbauen und in einem interdisziplinären Zentrum für Konflikt- und Kooperationsforschung mit internationaler Ausstrahlung umsetzen will. Mit dem vorhandenen disziplinären Know-how biete die Universität Basel dafür ausgezeichnete Voraussetzungen.




2. Zielsetzung des Postulates


Zielsetzung ist die Institutionalisierung eines Zentrums für interdisziplinäre Konflikt- und Kooperationsforschung an der Uni Basel unter Bündelung von bereits vorhandenen Ressourcen. Das Zentrum könnte ein weiterer Schwerpunkt der universitären Lehre mit hohem Zukunftspotenzial werden.




3. Kommissionsberatung


3.1. Organisation der Beratung


Die Vorlage wurde von der Erziehungs- und Kulturkommission an der Sitzung vom 14. April 2005 beraten. An der Sitzung waren Regierungsrat Urs Wüthrich, Generalsekretär Martin Leuenberger, Landrat Ruedi Brassel und Anja Huovinen, Stabsstelle Hochschulen, für die Erläuterung der Argumentation und des Sachverhaltes sowie zur Beantwortung von Fragen anwesend.




3.2. Beratung im Einzelnen


Landrat Ruedi Brassel legte dar, dass nicht zusätzlich eine 'Riesenkiste' in die Uni Basel hineingeschoben werden soll. Es gehe darum, bereits vorhandene Kompetenzen aus verschiedenen Bereichen der Universität in einem Zentrum zu bündeln. Eine Kompetenzzusammenführung in Basel wäre nicht nur attraktiv, sondern würde auch auf die weitere Umgebung und Wissenschaftsgemeinschaft ausstrahlen. In der Regierungsbotschaft wird auf andere entsprechende Bestrebungen, z.B. die Konfliktforschungsstellen in Zürich, Bern und Genf verwiesen. Diesen fehle aber gerade der Bezug zur Alltagswelt weitgehend, den der Postulant in den Bereichen Familienaspekte, Sozialkonflikte, Kooperation bei der Mediation und deren Forschung sieht. Hier bestünde eine grosse Chance für die Universität Basel. Es sei daher nicht einzusehen, warum das ehemals vom Landrat unterstütze Postulat abgeschrieben werden soll.


Die SP-Fraktion spricht sich gegen Abschreibung aus. Einerseits bestehe ein Missverhältnis zwischen Konflikten und Konfliktforschung, anderseits stelle man fest, dass bei den Forschungsprojekten an den in Frage kommenden Fakultäten der Uni - Jurisprudenz, Soziologie, Psychologie - die Konfliktforschung nicht sehr hoch angesiedelt sei. Die anderen Fraktionen ziehen in Erwägung, dass in Bern, Zürich und Genf gleichwertige universitäre Angebote bereits existieren und deshalb ein weiteres Kompetenzzentrum in Basel nicht prioritär sei. Dies auch unter Berücksichtigung der eingeleiteten Straffung der Lehrangebote durch den Universitätsrat. Es wird die Frage gestellt, ob ein solches Zentrum unbedingt auf universitärer Stufe angesiedelt werden soll. Vorstellbar wäre etwa auch eine Integration in die künftige FHNW. Im Weiteren wird darauf hingewiesen, dass ein gleich lautender Anzug von Ueli Mäder im Basler Grossen Rat überwiesen und am 7. März 2005 abgeschrieben worden ist.


://: Die Kommission stimmt mit 9 : 3 Stimmen bei einer Enthaltung dem Antrag der Regierung auf Abschreibung des Postulates 2001/300 zu.




4. Antrag


Die EKK beantragt dem Landrat, der Vorlage 2005/035 vom 1. Februar 2005 zuzustimmen und damit das Postulat 2001/300 vom 13. Dezember 2001 abzuschreiben.


Füllinsdorf, 30. April 2005


Im Namen der Erziehungs- und Kulturkommission
Der Präsident: Karl Willimann



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