2005-152 (1)


1. Übersicht

Das Waldschaden-Untersuchungsprogramm ist ein gemeinsames Projekt unseres Kantons mit den Kantonen Aargau, Basel-Stadt, Bern, Solothurn, Zug und Zürich sowie des BUWAL. Die Kosten werden von den beteiligten Kantonen und vom Bund getragen. Nun geht es darum, die 5. Etappe für weitere vier Jahre (2004 - 2008) zu finanzieren. Die Kosten betragen, über vier Jahre verteilt, noch knapp 500'000 Franken, da das Programm dank einer neuen Struktur und dank gezielten Reduktionsmassnahmen im Vergleich zur 4. Etappe um 40'000 Franken pro Jahr günstiger geworden ist.


Das Waldschaden-Untersuchungsprogramm ist ein Monitoring-System, mit dem der Zustand des Waldes beobachtet und beurteilt werden kann. Aufgrund der Daten können Wirkungszusammenhänge (etwa zum Nährstoffkreislauf) untersucht werden.


Das Institut für Pflanzenbiologie (IAP) in Schönenbuch, das die Untersuchungen seit 20 Jahren durchführt, hat folgende Aufgaben:




2. Vorlage


Veränderungen im Wald sind oft langfristige, schleichende Vorgänge, die sich kaum erkennbar abspielen. Die 20-jährigen Untersuchungen zeigen aber tiefgreifende Veränderungen auf; die meisten davon spielen sich unter dem Boden ab:


Im Baselbiet gibt es viele kalkreiche Böden, die zu einer Pufferung des Säureeintrags führen, was ein grosser Vorteil ist. Aber beispielsweise stehen in Brislach viele Bäume wegen der viel zu hohen Aluminiumkonzentration in einer toxischen Lösung. Dort läuft teilweise Nitrat aus den Böden ins Grundwasser.


Insgesamt reagieren die Bäume heute empfindlicher auf äussere Veränderungen als früher, z.B. auf Trockenheit oder Schädlingsbefall wie Läuse.


Der Zustand des Waldes gibt Anlass zur Sorge. Nur 10% des Waldes geht es wirklich gut; der Zustand der übrigen 90% ist eher schlecht. 50% der Schweizer Wälder sind gefährdet.


Das BUWAL macht in seinem Waldbericht (2005) zum Zustand des Waldes folgende Aussagen:


Das Waldschaden-Untersuchungsprogramm ist ausgesprochen praxisnah und hat sich in den letzten Jahren dadurch ausgezeichnet, dass es immer wieder den veränderten Umständen angepasst wurde. Das IAP berät die Förster bei Problemen, etwa bei auftretenden Krankheiten, und bei der Baumartenwahl. Je empfindlicher der Boden ist, desto sorgfältiger müssen die Förster bei der Auswahl der Baumarten vorgehen.


Auf einige Untersuchungsflächen kann heute verzichtet werden, weil dazu genügend Ergebnisse von anderen, vergleichbaren Standorten in der Schweiz vorliegen. Weiterhin soll es 95 Dauerbeobachtungsflächen geben, wovon 24 im Kanton Basel-Landschaft liegen.


Das Waldschaden-Untersuchungsprogramm ist gemäss Kantonsforstingenieur Ueli Meier sehr erfolgreich, was die Organisation und auch die Ergebnisse betrifft. Es kommt mit einem geringen Verwaltungsaufwand aus: die beteiligten Kantonsvertreter treffen sich nur gerade zweimal jährlich. Auch sind immer neue Kantone hinzu gekommen - 2005 war es der Kanton Thurgau -, was die Datengrundlage vergrössert und zu noch besseren Untersuchungsergebnissen führt.




3. Kommissionsberatung


Die Umweltschutz- und Energiekommission hat an ihren Sitzungen vom 19. September, 24. Oktober und 21. November 2005 die Vorlage intensiv beraten. Sie wurde dabei von folgenden Personen unterstützt:


Regierungsrat Erich Straumann, Vorsteher VSD; Ueli Meier, Kantonsforstingenieur beider Basel; Prof. Walter Flückiger und Dr. Sabine Braun, IAP, Schönenbuch; Dr. Peter Blaser und Dr. Norbert Kräuchi, Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, WSL, Birmensdorf (Mitautoren Waldbericht BUWAL), sowie Landrat Daniel Wenk, Förster.


Die Umweltschutz- und Energiekommission hat die Waldschadenuntersuchungen bewusst vertieft und detailliert behandelt, wobei sie jedoch an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit kam. Die Intensität der Beratungen war wesentlich für die Entscheidungsfindung.


Die Kommission hinterfragte die Waldschadenuntersuchungen grundsätzlich. Im Vordergrund stand die Frage, ob aus den laufenden Untersuchungen tatsächlich neue Erkenntnisse gewonnen werden können und ob die finanziellen Mittel nicht besser in Massnahmen investiert werden sollten. Die Probleme in unseren Wäldern seien bekannt - die knappen Geldmittel sollten nicht für weitere Untersuchungen, sondern für Verbesserungsmassnahmen in den Wäldern, etwa für die Waldpflege, eingesetzt werden, war die mehrheitlich geäusserte Meinung zu Beginn der Beratungen. Der jährliche Anteil unseres Kantons an den Untersuchungskosten von 120'000 Franken ist aber zu gering, um wirkungsvolle Massnahmen zu finanzieren. Auch können Probleme auf einzelnen Flächen relativ rasch auftreten, weshalb das Monitoring weiterhin Sinn macht.


Auch die Frage, weshalb der Kanton Basel-Landschaft so viele Untersuchungsflächen hat und ob diese nicht reduziert werden können, wurde diskutiert. Unser Kanton hat heterogene Geologie- und Bodenverhältnisse; es gibt also viele verschiedene Böden. Um epidemiologische Aussagen machen zu können, braucht es von jedem Bodentypus eine bestimmte Anzahl Flächen.


Neben dem IAP führt auch die WSL Untersuchungen des Waldes durch; deren Ergebnisse sind in den Waldbericht des BUWAL eingeflossen. Zu Verunsicherung in der Kommission hat geführt, dass die beiden Berichte - wohl auch aufgrund eines Kommunikationsproblems seitens des BUWAL - auf den ersten Blick unterschiedliche Aussagen zum Zustand des Waldes machen. Auch fragte die Kommission, ob es sinnvoll sei, Berichte zweier Institutionen zum Thema Wald zu haben. Zur Klärung dieser Frage lud die Kommission die bereits erwähnten Experten der WSL ein, ihre Untersuchungsschwerpunkte am 21. November 2005 zu präsentieren. Es zeigte sich, dass sich der Untersuchungsansatz der WSL und des IAP bezüglich Beobachtungsdichte und -perimeter unterscheidet. Die WSL erhebt systematisch in der ganzen Schweiz, wobei der Schwerpunkt eher beim Boden ist. Die Untersuchungen des IAP haben den Fokus auf der Nordwestschweiz und umfassen den ganzen Baum. Weiter kam heraus - und das ist ganz wesentlich -, dass beide Institutionen in ihren Berichten - trotz unterschiedlichem Untersuchungsansatz - grundsätzlich übereinstimmende Aussagen über den Zustand des Waldes machen.


Zum Schluss war die Kommission mehrheitlich der Meinung, dass es wichtig sei, die Waldschadenuntersuchungen weiterzuführen. Im Wald sind schleichende Veränderungen vorhanden, welche weiterhin sorgfältig beobachtet werden müssen. Langzeituntersuchungen sind erforderlich, um aktuelle und künftige Fragen beantworten und Risiken abschätzen zu können.


Die Förster brauchen Informationen für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, und zwar unter Berücksichtigung von Veränderungen bestimmter Standorte durch den Einfluss der Stickstoffbelastung und durch die fortschreitende Bodenversauerung. Nur so können sie eine langfristige Planung über einen Zeitraum von 50 bis 100 Jahren machen.


Die Ergebnisse der Waldbeobachtungen in Kombination mit prognostischen Modellen bilden eine gute Basis zur Erarbeitung von Methoden, die Informationen für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung liefern.


Die nächsten vier Jahre sollen nach Meinung mehrerer Kommissionsmitglieder dafür genutzt werden, um noch konkreter als bisher Massnahmen aus den Waldbeobachtungen abzuleiten.




4. Beschluss


Die Umweltschutz- und Energiekommission empfiehlt dem Landrat mit 6 zu 4 Stimmen bei 2 Enthaltungen, den Verpflichtungskredit Waldschadenuntersuchungen für die Jahre 2004-2008 zu unterstützen.


Pratteln, 21. Dezember 2005


Für die Umweltschutz- und Energiekommission
Der Präsident: Philipp Schoch


Beilage:
Entwurf eines Landratsbeschlusses



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