2005-180


Die "Fondation Les Cerlatez" ist für den Betrieb des Naturschutzzentrums "Les Cerlatez" in Saignelégier zuständig sowie für das Management des benachbarten Naturschutzgebietes "Etang de la Gruere" - ein Hochmoor von nationaler Bedeutung und beliebtes Ausflugsziel im Jura. Der Kanton Basel-Landschaft unterstützte das Naturschutzzentrum von 2001 - 2003 mit einem jährlichen Beitrag von Fr. 20'000.--. Dieser Betrag wurde jeweils dem Konto 2300.361.50 der Bau- und Umweltschutzdirektion belastet. Auslöserin dieses finanziellen Engagements im Kanton Jura war die landrätliche Umweltschutz- und Energiekommission. Deren Antrag wurde seinerzeit vom Landrat einstimmig beschlossen (Landratsbeschluss Nr. 2001/125 vom 06. September 2001). Dieser Beschluss lautete:

"Der Landrat des Kantons Basel-Landschaft beschliesst:

Wie im Beschluss festgehalten wurde, erhielt die Abteilung Natur und Landschaft des Amtes für Raumplanung von der Stiftung "Centre Nature Les Cerlatez" regelmässig die gewünschten Informationen (Ausstellungsprogramme, Jahresberichte, Jahresrechnungen und Angaben zur Besucherzahl). Per Ende 2003 ist die Beitragsperiode abgelaufen. Deshalb stellte sich die Frage nach einer Fortführung dieser kantonsübergreifenden Beitragszahlung.


Um sich vor Ort ein genaueres Bild machen zu können, besuchte die kantonale Natur- und Landschaftsschutzkommission im Sommer 2003 das Zentrum und das Naturschutzgebiet. Die Kommission war von den Aktivitäten des Zentrums sehr beeindruckt. Trotz geringer finanzieller Mittel gelingt es den Mitarbeitenden, mit innovativen Ideen spannende, vielseitige und informative Ausstellungen über Naturthemen zu erstellen. Spezielle Aktionen für Schulklassen wecken bei Kindern zusätzlich die Freude an der Natur und das Interesse am Thema Hochmoor.


Neben der Betreuung der Ausstellungen, gehören auch Schutz und Unterhalt des Hochmoores (Étang de la Gruere) zum Aufgabenbereich des Zentrums. Dies ist aufgrund der vielen Besucher des Naturschutzgebietes eine arbeits- und somit auch kostenintensive Aufgabe, denn der Etang de la Gruere verzeichnet jährlich eine Besucherzahl von über 100'000 Personen. Finanziell wird das Zentrum vom Bund, der Gemeinde sowie den Kantonen Jura und Basel-Landschaft mit insgesamt Fr.105'000.00 jährlich unterstützt. Trotzdem war die Betriebsrechnung bisher defizitär. Dieses Defizit betrug 2004 Fr. 40'000.--, weil der Beitrag des Kantons Basel-Landschaft aufgrund der finanzrechtlichen Rahmenbedingungen nicht mehr rückwirkend ausbezahlt werden konnte.


Angesichts der laufenden "Generellen Aufgabenüberprüfung" (GAP) stellt sich andererseits die grundsätzliche Frage, inwiefern eine weitere finanzielle Unterstützung des Naturschutzzentrums noch vertretbar ist, zumal dieses Projekt nicht zu den Kernaufgaben der Abteilung Natur und Landschaft des Amtes für Raumplanung gehört. Im Wesentlichen sprechen zwei Gründe für eine Fortsetzung der Beitragszahlung. Aus wirtschaftlicher Sicht wird die kantonsübergreifende Zusammenarbeit künftig auch in der Nordwestschweiz zunehmend an Bedeutung gewinnen. Mit einer weiteren Unterstützung von "Les Cerlatez" zeigt sich der Kanton Basel-Landschaft solidarisch mit dem Nachbarkanton Jura und setzt damit ein zukunftsorientiertes politisches Zeichen, denn ein nicht unerheblicher Anteil der Besucher stammt aus dem Baselbiet (rund 10%). Aus naturschutzfachlicher Sicht rechtfertigt sich eine Weiterführung des finanziellen Engagements, weil das Projekt in jeder Hinsicht überzeugt. Insbesondere die für das Naturverständnis förderliche Wirkung der Öffentlichkeitsarbeit, welche das Naturschutzzentrum für die Bevölkerung und die Schulen erbringt, ist sehr wertvoll. Zudem ist der Beitrag des Kantons Basel-Landschaft von entscheidender Bedeutung für die Weiterexistenz des Naturschutzzentrums.


Ohne ein finanzielles Engagement des Kantons Basel-Landschaft müsste das Naturschutzzentrum geschlossen werden. Da rund 10% der Besucher aus unserer Region stammen, liegt eine Fortführung der Schutz- und Informationsarbeiten des Naturschutzzentrums auch im Interesse des Kantons Basel-Landschaft, zumal es sich für das Baselbiet um eines der am nächsten gelegenen Hochmoore handelt. Allerdings werden die Dienstleistungen des Naturschutzzentrums von den Baselbieter Besuchern noch zu wenig genutzt. So hielten sich zwar in den Jahren 2003 und 2004 je 27 bzw. 26 Baselbieter Schulklassen im Gebiet auf (mit 625 bzw. 581 Schülern). Aber nur zwei bzw. 4 Klassen besuchten das Naturschutzzentrum.


Aufgrund dieser Situation drängt sich eine Fortführung der finanziellen Unterstützung von Les Cerlatez auf, allerdings in modifizierter Weise. Der jährliche Beitrag wird neu auf Fr. 25'000.-- festgesetzt. Im Gegenzug offeriert die Stiftung dem Kanton Basel-Landschaft ein Leistungs-Angebot. Diese Gegenleistung besteht darin, dass während der Beitragsperiode die Baselbieter Schulklassen - den vorhandenenen Möglichkeiten der Stiftung entsprechend - im Naturschutz-zentrum neu kostenlos betreut werden, also Gratis-Eintritt und kostenlose Führung erhalten. Mit dieser Verknüpfung der Beitragszahlung des Kantons an ein Leistungs-Angebot des Beitragsempfängers entsteht neu ein Gegenwert, welcher für den Kanton klar von Interesse ist. Deshalb wird eine Fortführung der finanziellen Unterstützung des Naturschutzzentrums Les Cerlatez von 2005 bis 2008 im vorgeschlagenen Sinne beantragt.


Liestal, 21. Juni 2005


Im Namen des Regierungsrates
der Präsident: Ballmer
der Landschreiber: Mundschin



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