2006-216
Parlamentarischer Vorstoss |
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Titel:
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Interpellation von Jürg Wiedemann, Grüne: Unbekannte Giftstoffe im Trinkwasser
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Autor/in:
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Jürg Wiedemann
, Grüne
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Eingereicht am:
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7. September 2006
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Nr.:
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2006-216
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Das Forum besorgter TrinkwasserkonsumentInnen (FbTK) hat an der Sitzung vom 1.9.2006 mit Vertretern der Kantonalen Verwaltung Basel-Landschaft sowie der Hardwasser AG in Liestal zahlreiche Analyseergebnisse des Trinkwassers aus der Hard erhalten. Das FbTK hat Herrn Dr. phil. Martin Forter beauftragt, die erhaltenen Dokumente auszuwerten, insbesondere die monatlichen Screening-Resultate der IWB aus dem Jahre 2005 und deren toxikologische Beurteilung durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Gemäss den Unterlagen, welche das AUE an der erwähnten Sitzung dem FbTK überreicht hat, haben die IWB ab Juli 2005 bis Dezember 2005 monatlich das Trinkwasser aus der Muttenzer Hard mittels Screening untersucht. Die Analyseergebnisse zeigen folgendes Bild:
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In jeder Probe wurden durchschnittlich neun Chemikalien gefunden.
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Durchschnittlich handelt es sich bei vier der gefundenen neun Chemikalien um völlig unbekannte Substanzen.
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Jede Probe ist gemäss den Screening-Analysen durchschnittlich mit 430 ng Chemikalien pro Liter Wasser belastet.
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Durchschnittlich beträgt der Mengenanteil unbekannter Substanzen an der Gesamtbelastung 213.5 ng pro Liter.
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Da die IWB nur einmal im Monat eine Probe genommen hat, wurden die komplizierten und sich schnell ändernden Grundwasserfliessrichtungen in der Hard nicht erfasst. Deshalb stellt eine monatliche Probenahme nur einen nicht repräsentativen, kurzen Blick in die Belastung des Trinkwassers der Hardwasser AG dar. Dies zeigt sich ebenfalls in den vorhandenen IWB-Resultaten: Die Schwankung der Belastung ist mit 134 ng/Liter bis 641 ng/Liter ebenso beträchtlich wie auch die Schwankung der Anzahl unbekannter Substanzen pro Probe. In einer Probe wurde nur eine unbekannte Substanz nachgewiesen, in einer anderen Probe hingegen neun unbekannte Substanzen. Auch die Schwankung des prozentualen Anteils unbekannter Substanzen pro Probe ist mit 23% bis 88% immens.
Das Bundesamt für Gesundheit berücksichtigt in seiner toxikologischen Beurteilung zum einen zu viele Substanzen und zum anderen gleichzeitig zu wenige:
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Zu viele Substanzen: Das BAG beurteilt auch alle so genannten Artefakte, also Stoffe, die nicht im Trinkwasser vorhanden waren, sondern über Flaschen, Laborgeräte usw. eingetragen wurden und nichts mit der Belastung der Probe zu tun haben.
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Zu wenige Substanzen: Das BAG erwähnt in seinem Bericht die unbekannten Substanzen nicht. Sie bleiben gänzlich unberücksichtigt. Das BAG lässt bei seiner toxikologischen Beurteilung des Hard-Trinkwassers also rund 50% der im Hard-Trinkwasser gefundenen Chemikalien weg. Unbekannte Substanzen sind toxikologisch nicht einschätzbar.
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Im BAG-Bericht sind Substanzen aufgeführt, die in den vorliegenden Analyseberichten nicht zu finden sind. Es ist deshalb davon auszugehen, dass noch weitere Analyseergebnisse existieren, die dem FbTK an der Sitzung in Liestal nicht übergeben wurden.
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Aus den oben erwähnten Analysen stuft die Grüne Fraktion sowie das Forum besorgter TrinkwasserkonsumentInnen die Belastung des Trinkwassers der Hardwasser AG als relevant ein, zumal für viele Stoffe ein Grenzwert zwischen 100 ng/Liter und 500 ng/Liter gilt. Erschreckend ist ebenso der sehr hohe Anteil von rund 50% unbekannter Substanzen, über die toxikologisch keine Aussage gemacht werden kann und damit auch nicht bekannt ist, wie diese Substanzen auf Mensch und Tier wirken. Die im Trinkwasser der Hardwasser AG gefundenen unbekannten Substanzen lies das BAG bei seiner toxikologischen Bewertung beiseite. Wenn bei einer toxikologischen Abschätzung von Beginn weg durchschnittlich 50% der mengenmässigen Belastung nicht berücksichtigt werden, so ist das Resultat dieser toxikologischen Abschätzung als fragwürdig zu bewerten.
Ich bitte den Regierungsrat um Beantwortung der folgenden Fragen:
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1.
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Hat das BAG bei seiner Risikoabschätzung gewusst, dass in den Proben derart viele unbekannte Substanzen vorhanden sind? Wenn nein: Hat das Kantonale Laboratorium, die Hardwasser AG oder die IWB dem BAG diese unbekannten Substanzen vorenthalten?
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2.
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Wie oben begründet muss davon ausgegangen werden, dass dem Forum besorgter TrinkwasserkonsumentInnen (FbTK) an der Sitzung vom 1. September nicht alle vorhandenen Analyseergebnisse überreicht wurden. Ist der Regierungsrat bereit, dafür zu sorgen, dass auch die fehlenden Analyseergebnisse offen gelegt werden? Wenn ja, bis wann erhalten wir diese Analysen?
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3.
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Ist der Regierungsrat ebenfalls der Ansicht, dass das Vorhandensein einer derart grossen Menge völlig unbekannter Substanzen im Trinkwasser, über deren Toxizität absolut nichts bekannt ist, als "problematisch" eingestuft werden muss?
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4.
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Ist der Regierungsrat der Ansicht, dass unter diesen neu bekannt gewordenen Umständen die Vorbehandlung des Trinkwassers zum präventiven Schutz der Bevölkerung angezeigt ist, insbesondere weil die Spitzenbelastung des Trinkwassers deutlich über 600 ng/Liter beträgt?
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