2007-12 (1)
Vorlage an den Landrat |
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Titel:
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Beantwortung der Interpellation von Thomi Jourdan CVP/EVP-Fraktion, «Open Source oder proprietär? - Jetzt ist der Zeitpunkt für eine offene Evaluation», eingereicht am 18. Januar 2007
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vom:
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24. April 2007
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Nr.:
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2007-012
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Bemerkungen:
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Acrobat (PDF):
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1. Text der Interpellation
2. Einleitende Bemerkungen
Während eines längeren Zeitraumes wurde Unix als eine Alternative zu den Microsoft-Produkten betrachtet. Weil Unix aber verschiedenste Derivate umfasst und meist proprietär an die Hardware einzelner Hersteller gekoppelt ist, konnte Unix - vor allem auch wegen der hohen Preise - nur eine Nische abdecken. Billiger sind die kleineren Systeme, die dank enormer Stückzahlen kostengünstig produziert werden. Ist auf diesen Systemen die Software sogar noch kostenlos, so lassen sich für diese Kombination gute Erfolgschancen erkennen. FOSS (Free and Open Source Software) wie etwa Linux, hat sicherlich eine gute Ausgangslage, gegenüber anderen Mitbewerbern Marktanteile zu gewinnen. Dies ist bisher vor allem auf Kosten von Unix erfolgt. Eine Konkurrenz zu Microsoft ist im Entstehen begriffen, die Preise dürften damit unter Druck geraten.
In bestimmten Fällen setzt die kantonale Verwaltung Basel-Landschaft Open Source Software ein, etwa als Webserver, für Webapplikationen, Statistiksoftware, als Datenbank, als Serverbetriebssystem, als Proxy Server mit Cluster Software, als Content Management Software, als Lizenzserver und teilweise als Entwicklungswerkzeug und hat damit bereits Erfahrungen gesammelt. Bei Ausschreibungen haben Open Source-Produkte wie auch proprietäre Produkte die gleichen Bedingungen, d. h. die Lösung mit dem besten Preis- / Leistungsverhältnis gewinnt.
Als Alternative zu den Originalprodukten werden auch so genannte Shareware Programme eingesetzt, die wesentlich günstigere Lizenzkosten haben als die Originalprodukte.
Die Informatikplanung und -koordination, IPK, eine Abteilung des FKD-Generalsekretariats, verfolgt die Entwicklung des Marktes sowie die Strategien anderer Kantone aufmerksam und beobachtet den Markt und analysiert die Risiken und Chancen. Aktuell herrscht generell eine gewisse Zurückhaltung, vermutlich weil zurzeit kaum Druck für eine Migration besteht.
Betrachtet man die heute eingesetzten Windows XP-Versionen im Büroautomationsbereich, so wurden die Office-Lizenzen in der Baselbieter Verwaltung hauptsächlich 2002 gekauft. Wartungsgebühren fallen keine an. Aufgrund der heutigen Planung ist 2009 mit einer Neuevaluation in diesem Bereich zu rechnen. Eine vorzeitige Umstellung drängt sich nicht auf, da die Benutzerzufriedenheit 1) und Funktionalität hoch ist und - solange nicht migriert wird - auch keine weiteren Lizenzkosten 2) anfallen. Bis zu diesem Zeitpunkt wird FOSS seinen Marktstart im Desktop-Umfeld hinter sich gebracht haben, und der Kanton wird von den Erfahrungen der Erstumsteiger profitieren können und muss nicht in ein technisch, wirtschaftlich und rechtlich riskantes Projekt einsteigen. Bisher liegen kaum Nachkalkulationen 3) vor, die aufzeigen würden, mit welchen Kosten der Umstieg auf FOSS tatsächlich verbunden ist. Der Integrationsaufwand muss in jedem Fall berücksichtigt werden. Beim heutigen Entwicklungsstand ist bei FOSS-Produkten mit erhöhtem Aufwand bei Integration, Releasewechsel und Unterhalt zu rechnen. Ein späterer Umstieg kann erleichtert werden, wenn der Einsatz offener Standards, beispielsweise XML, bereits heute konsequent umgesetzt wird.
Der Kanton ist in ein Umfeld mit dem Bund, anderen Kantonen und den Gemeinden eingebunden. Will er sich ein möglichst breites Spektrum von Fachanwendungen 4) offen behalten, so gelingt dies besser, indem er vorwiegend Mainstream-Produkte und umfeldkompatible Produkte einsetzt, welche immer dies dann zum konkreten Zeitpunkt sind.
3. Beantwortung der Fragen:
1. Welches sind die jährlichen Lizenz- und Wartungskosten der kantonalen Verwaltung für die folgenden Softwarelizenzen und welche Anzahl von Lizenzen sind damit abgedeckt:
- Proprietäre Client-Betriebssysteme
- Proprietäre Server-Betriebssysteme
- Proprietäre Client-Applikationen (Office, WordPerfect etc.)
- Proprietäre Datenbankserver- und -clientlizenzen
- Proprietäre Server-Dienste (File- und Mailserver, Groupwaredienste etc.)
Antwort des Regierungsrats:
Die Angaben sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst:
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Anzahl
Lizenzen |
Einmalige
Lizenzkosten |
Wartungskosten /
pro Jahr |
Bemerkungen
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Proprietäre Client-Betriebssysteme
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4'800
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576'000
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0
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Gerechnet mit Anzahl PCs, wobei Lizenzen in der PC-Beschaffung enthalten sind
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Proprietäre Server-Betriebssysteme
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336
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263'921
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0
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Anzahl Windows Server inkl. File Server
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Proprietäre Client-Applikationen (Office, WordPerfect etc.)
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4'800
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1'590'242
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0
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Annähernd auf jedem PC
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Proprietäre Datenbankserver- und -clientlizenzen
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Die Datenbank ist ein integrierter Bestandteil der Fachanwendung und kann deshalb nicht separat ausgewiesen werden
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Proprietäre Server-Dienste (File- und Mailserver, Groupwaredienste etc.)
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16
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12'223
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0
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Gerechnet sind die Mailserver, File/Print Services sind im Server-Betriebssystem enthalten
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Proprietäre CAL-Mail und CAL-File/Print
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4'800
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506'150
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0
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Annähernd bei jedem PC
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Summe
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2'948'536
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Tabelle: Lizenzenkosten der aktuellen Büroumgebung auf Basis Windows + Office XP, Server 2003 und Exchange 2003 für Verwaltung, Spitäler und Gerichte (ohne pädagogischen Bereich)
2. Welche technischen und finanziellen Auswirkungen hat ein Umstieg von proprietärer Software zu OpenSource-Lösungen für den Kanton Basel-Landschaft?
Antwort des Regierungsrats:
Ohne eine ausführliche Evaluation können dazu keine fundierten Angaben gemacht werden. Diese Frage wird im Rahmen einer zukünftigen Migration
5)
thematisiert.
3. Ist der Regierungsrat bereit, im Hinblick auf einen möglichen Umstieg auf Open Source-Lösungen erfolgreiche Beispiele aus anderen Kantonen und Ländern konkret zu prüfen und sich vor Ort einen fundierten Überblick über die möglichen Chancen und Grenzen von Open Source in Verwaltungen zu verschaffen?
Antwort des Regierungsrats:
Das Thema beschäftigt alle Kantone, auch den Kanton Basel-Landschaft. Das Bundesgericht ist in der Schweiz wohl am weitesten fortgeschritten mit der Umstellung auf Open Source, hat allerdings lediglich den Umstieg von Unix (nicht von Windows) auf Linux vollziehen müssen.
An zweiter Stelle folgt der Kanton Solothurn, dessen Regierung den Entscheid zur Umstellung bereits getroffen hat, wie sie in einer Antwort zu einer Interpellation vom 16. Januar 2007 schreibt: „In einem nächsten Schritt muss der Desktop-Bereich migriert werden".
Dieser Stand in den schweizerischen öffentlichen Verwaltungen zeigt aber auch, dass auf Client-Seite (Desktop) noch wenig praktische Erfahrung bei der Umstellung einer grösseren komplexen IT-Umgebung, wie eine kantonale Verwaltung sie zweifellos darstellt, besteht. Gemäss der Einschätzung der Informatikplanung und -koordination wird diese Erfahrung erst in 4 bis 5 Jahren vorhanden sein.
4. Ist der Regierungsrat bereit, ernsthaft einen Umstieg auf Open Source und offene Standards in der EDV zu prüfen. In welchem Zeitraum wäre ein solcher Umstieg möglich?
Antwort des Regierungsrats:
Bei einer Evaluation gehört der Vergleich von Varianten zum Standardvorgehen. So wird Open Source als eine mögliche Variante bei einer zukünftigen Migration geprüft
6)
. Der Kanton unterstützt generell Standards, welche notwendig und sinnvoll sind. So ist er beispielsweise Mitglied von eCH, welcher eGovernment-Standards entwickelt und verabschiedet. Aus heutiger Sicht wird die Prüfung der Migrationsvarianten voraussichtlich im Jahre 2009 erfolgen.
Liestal, 24. April 2007
Im Namen des Regierungsrates:
Der Präsident: Wüthrich-Pelloli
Der Landschreiber: Mundschin
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Fussnoten:
1 ) Im Allgemeinen verfügen Mitarbeitende (auch Neueintretende) heute über gute Kenntnisse der MS Office-Produkte aus ihrer früheren beruflichen Tätigkeit, die sie in der kantonalen Verwaltung ohne zusätzlichen Ausbildungsaufwand anwenden. Beim Wechsel zu FOSS-Produkten auf der Client-Seite (Desktop) ist diesem Aspekt der Benutzerakzeptanz besonders Rechnung zu tragen.
2 ) Eine Ausnahme bilden allenfalls sogenannte CAL (Client Access Licence), die aufgrund einer neuen Fachanwendung, oder einer neuen Version einer Fachanwendung für jeden Client (Desktop) zu beschaffen sind. Dies ist dann der Fall, wenn mit diesen Fachanwendungen neue Server (Versionen) eingesetzt werden.
3 ) Gemäss unserem Wissensstand gibt es noch keine grössere kant. Verwaltung in der Schweiz, die auf Client (Desktop) Seite grösstenteils (mindestens 80%) umgestellt und den operativen Betrieb aufgenommen hat, auch unter Einbezug von Fachanwendungen und Systemmanagement wie Softwareverteilung, Inventarisierung, Directory Services, etc. Erst wenn dies geschehen ist, ist unserer Ansicht nach überhaupt eine Nachkalkulation möglich.
4 ) Beispielsweise betreibt die JPMD, deren Dienststellen in vielen Fachbereichen direkte Vollzugsorgane des Bundes sind und sehr oft Bundesgesetze zu vollziehen haben, vor allem Fachanwendungen, die auch in anderen Kantonen eingesetzt sind (Grundbuch, Geschäftsverwaltung, Handelsregisterlösung, etc.). Die JPMD hat gänzlich von Eigenentwicklungen Abstand genommen. Bei einer Umstellung auf FOSS auf der Client Seite (Desktop) muss die Verfügbarkeit solcher Fachanwendungen in einem FOSS Umfeld gewährleistet sein.
5 ) Es gilt zu beachten, dass beim Einsatz von FOSS Software auf der Client Seite (Desktop) die Fragen der Standardisierung (BL Standard Client), des Systemmanagements (Softwareverteilung, Inventarisierung, Sicherheit, insbesondere auch Virenschutz, Directory Services, etc.) gelöst werden müssen.
6 ) Es sei angemerkt, dass der einzelne Kanton beim Einsatz von Fachanwendungen, die ebenfalls in anderen Kantonen eingesetzt werden, auch von der Entwicklung dieser Fachanwendungen selbst abhängig sind. So muss beispielsweise, wenn einzelne Fachanwendungen als Voraussetzung MS Windows Vista benötigen, hier eine (partielle) Umstellung vorgesehen und durchgeführt werden. Andernfalls können die neu entwickelten Funktionen in diesen Fachanwendungen nicht genutzt werden.