2007-117
Parlamentarischer Vorstoss |
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Titel:
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Interpellation von Madeleine Göschke-Chiquet, Grüne: Verheimlichte Trinkwasseranalysen?
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Autor/in:
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Eingereicht am:
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10. Mai 2007
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Nr.:
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2007-117
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Am Mittwoch, 2. Mai erhielten Madeleine Göschke und Jürg Wiedemann bei den Industriellen Werken Basel (IWB) Einsicht in die bisher verheimlichten Listen der Mischwasseruntersuchungen 2006. Es handelte sich dabei um 11 Blätter im Format A3. Auf jeder Seite sind geschätzt etwa 50 Substanzen aufgeführt. Ein kleiner Teil ist mit Namen bezeichnet, der grössere Teil jedoch mit "unbekannte Substanz" beschriftet. Auch Käthy Aellen, Präsidentin des "Forums besorgter TrinkwasserkonsumentIn-nen" (FbTK) und Hans Z`Graggen vom "Aktionskomitee Chemiemüll weg!" haben am Tag der offenen Tür der IWB diese Dokumente eingesehen.
Mit grossem Befremden haben die erwähnten Personen Folgendes feststellen müssen:
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a)
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Auf diesen Listen sind 3-4 Mal mehr Screening-Analysen aufgelistet, als die 12, welche im Rechenschaftsbericht der Hardwasser AG / IWB an die Aufsichtsbehörden des Kantons Ba-selland ausgewiesen sind.
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b)
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Auf diesen Listen sind mehrere Substanzen (pro Seite zwischen 1 und 5 Substanzen) in Kon-zentrationen über 1000 ng/l aufgeführt, die im Trinkwasser der Hardwasser AG vom IWB-Labor gefunden worden sind. Diese Substanzen fehlen jedoch im Bericht an die Aufsichtsbe-hörden.
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c)
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Am 26.6. 2006 fand das IWB-Labor 21 Substanzen. 15 dieser Stoffe weist das Labor als "un-bekannte Substanzen" aus (=71%). Die unbekannten Stoffe belasten das Trinkwasser ge-samthaft mit rund 10`000 ng/l, wobei eine unbekannte Chemikalie mit einer Konzentration 6789 ng/l ins Auge sticht. Eine weitere Trinkwasserprobe, entnommen am 7.2.2006, enthielt 30 Stoffe, wovon 26 (=86%) als unbekannte Substanzen ausgewiesen werden. Die unbekann-ten Substanzen belasteten das Trinkwasser diesmal mit rund 3200 ng/l.
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Im IWG-Bericht "Ergebnisse der Wasseruntersuchungen 2006" vom 8.2.2007, den die Behörden erhalten haben, erwähnen die IWB 12 Screeninguntersuchungen des Trinkwassers der Hardwasser AG (sog. Mischwasser, vgl. IWB-Bericht Anhang B 3.1. und B 3.2.). Die Screening-Resultate vom 7.2.2006 und vom 26.6.2006 finden sich im Bericht der IWB an die Behörden nicht. Darin weisen die IWB für das Jahr 2006 nur 7 unbekannte Substanzen aus, die sie in den Trinkwasserproben gefunden hätten (vgl. Anhang B 3.2.). Die Konzentration dieser ausgewiesenen Substanzen bewegt sich von 112 - 534 ng/l. Die oben erwähnte, unbekannte Substanz mit einer Konzentration von 6789 ng/l erwähnen die IWB auch an dieser Stelle nicht. Mit andern Worten: Die IWB / Hardwasser AG schei-nen die stark mit Schadstoffen belasteten Screening-Analyse-Resultate den Behörden nicht zu mel-den. Diese zurückbehaltenen Analysenergebnisse belasten das Trinkwasser zum Teil rund 25 Mal stärker als die durchschnittlichen Trinkwasserproben, welche IWB / Hardwasser AG 2005 gegenüber den Behörden ausgewiesen hat.
Unser Trinkwasser ist offensichtlich weitaus stärker belastet als dies die IWB und die Hardwasser AG gegenüber der Regierung und dem Parlament immer behauptet haben. Die IWB hat nicht nur die Existenz dieser Daten verheimlicht, sondern auch Regierung und Parlament bezüglich Höhe der vorhandenen Konzentrationen falsch informiert.
Ich bitte die Regierung um schriftliche Beantwortung folgender Fragen:
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1.
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Im Rechenschaftsbericht der IWB/Hardwasser AG an die Behörden des Kantons Basel-Landschaft (Kantonales Laboratorium und Amt für Umweltschutz) weisen IWB/Hardwasser AG 12 Screening-Untersuchungen aus (Anhang B.3.1 u. B.3.2.). Offensichtlich haben IWB/Hardwasser AG rund 3-4 Mal mehr Screening-Untersuchungen durchgeführt, darunter auch jene oben erwähnten vom 7.2.2006 und vom 26.6.2006. Warum wurden diese Scree-ning-Resultate nicht im Rechenschaftsbericht ausgewiesen?
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2.
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Was unterscheidet die nicht ausgewiesenen Screening-Resultate von den im Bericht 2006 erwähnten?
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3.
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Falls es einen Unterschied gibt: Warum legen IWB/Hardwasser AG diese, jetzt offen gelegten Screening-Resultate trotzdem zusammen mit den 12 im Bericht Ausgewiesenen auf und be-zeichnen sie gegenüber den Einsichtnehmenden als qualitativ gleichwertig?
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4.
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Nach Angaben von IWB und Hardwasser AG war der Kanton (Kantonales Laboratorium bzw. Amt für Umweltschutz) bisher nicht im Besitz dieser Listen (11 Seiten mit den bisher im Trink-wasser verheimlichten Chemikalien). Stimmt das? Wenn nein, seit welchem Datum kennt die Regierung diese Listen, nach welchen im Trinkwasser zahlreiche unbekannte Chemikalien in einer Konzentration von bis zu 10`000 Nanogramm / Liter Wasser vorkommen? Wenn ja: Was hält die Regierung vom Verhalten von IWB und Hardwasser AG, die ja bekanntlich im Besitz der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft sind?
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5.
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Die IWB scheinen im 2006 rund 40 Screening-Untersuchungen durchgeführt zu haben. Wie stark sind diejenigen Screenings belastet, die im IWB/Hardwasser-Bericht 2006 nicht erwähnt sind (Total Substanzen, Anteil unbekannte Substanzen, Totalbelastung, Belastung mit unbe-kannten Substanzen)?
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6.
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Gemäss BaZ vom 9.5.07 sagt Richard Wülser, Leiter Qualitätssicherung Trinkwasser im IWB-Labor, es sei nicht so, "dass die Screening-Analysen uns mehr Informationen liefern und da-mit ein anderes Bild der Trinkwasserqualität zeichnen." Wülser deklassiert damit eine Analy-semethode als Ganzes. Aber: Erst mit Screenings wurde z.B. in Muttenz der Stoff Hexachlor-ethan erkannt, der das Grundwasser im Umfeld der Feldrebengrube am stärksten ver-schmutzt. Dieses Beispiel zeigt, dass Screenings wichtige, zusätzliche Informationen bringen. Wie beurteilt die Regierung diese pauschalen Äusserungen Wülsers über eine anerkannte Analysemethode?
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7.
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Nach wie vor weigert sich die IWB die erwähnten Listen in schriftlicher Form abzugeben. Sie verunmöglicht damit eine systematische Beurteilung durch unsere unabhängigen Experten. Die Regierung hat mehrfach völlige Transparenz versprochen. Was unternimmt die Regie-rung, damit die IWB und die Hardwasser AG endlich sämtliche Analyse-Daten in schriftlicher Form bekannt geben?
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8.
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Das Hard-Trinkwasser ist deutlich stärker mit Chemikalien kontaminiert, als dies die IWB und die Hardwasser AG bisher behauptet haben. Regierung, Parlament und Öffentlichkeit wurden offensichtlich irregeführt. Wie will die Regierung dies in Zukunft vermeiden?
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9.
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Soweit beurteilbar schwankt die Schadstoff-Konzentration im Trinkwasser der Hardwasser AG sehr stark (wenige ng/l bis 10 mikrog/l). Es bestehen verschiedene Hinweise darauf, dass ge-wisse Schadstoffe im Trinkwasser aus den Chemiemülldeponien der Basler Chemie in Mut-tenz stammen könnten. Zudem scheinen immer wieder zahlreiche unbekannte Substanzen auf zu tauchen, die in toxikologischer Hinsicht relevant sind. Teilt die Regierung die Ansicht, dass es deshalb sinnvoll wäre, das Trinkwasser aus der Hard aufzubereiten, z.B. mit einem Aktivkohlefilter?
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