Protokoll der Landratssitzung vom 24. September 2009

Nr. 1382

Landratspräsident Hanspeter Frey (FDP) bemerkt einleitend, dass die Regierung die Motion entgegennehmen und abschreiben wolle und dafür eine schriftliche Begründung vorliege.


> Begründung des Regierungsrats


Urs Berger (CVP) meint, Mundart müsse auch in Kindergärten gepflegt werden, da es sich um Kultur und Werte handle, zu denen Sorge zu tragen ist. Insofern ist er mit der Motion einverstanden. Und auch wenn er selbst nicht den Baselbieter Dialekt spricht, so hat auch er dennoch seinen eigenen Mundart. Ausserdem versteht er beide. [Heiterkeit.]


Von verschiedenen Kindergärtnerinnen und Kindergärtnern wird bestätigt, dass Schriftdeutsch nicht im Übermass angewendet wird, wie auch vom Amt für Volksschulen (AVS) die Empfehlung herausgegeben worden ist, dass täglich eine gewisse Anzahl Unterrichtseinheiten in Schriftdeutsch gehalten werden sollen. So werden z.B. einzelne Geschichte auf Schriftdeutsch vorgelesen und anschliessend besprochen.


Deshalb ist die CVP-/EVP-Fraktion für Nicht-Überweisung der Motion.


Karl Willimann (SVP) erklärt, dass die SVP durch eine Meldung in der BZ über die Schulleitung in Gelterkinden alarmiert worden sei, die gemäss Weisung der BKSD ab sofort nur noch in Schriftdeutsch unterrichten wollte. Man dachte sich:«Es kann doch nicht sein, dass wieder so etwas am Landrat vorbei geht!»


Abklärungen haben ergeben, dass u.a. in Basel-Stadt zum Schutz der kulturellen Vielfalt der Schweiz mit ihren Dialekten eine Initiative gegen das durchwegs zu gebrauchende Schriftdeutsch in Kindergärten am Laufen ist und das Thema also aktuell ist. Denn es ist höchst zweifelhaft, ob Schriftdeutsch Kindern mit Migrationshintergrund entscheidend hilft. Gemäss einem vom Votanten zitierten «Bericht Gyger» aus Basel verbessert die Einschränkung des Dialektalen die Kompetenz für das Schriftdeutsche nicht zwingend und verschafft sie den fremdsprachigen Kindern nicht den erwarteten Nutzen. Weiter heisst es im Bericht, wer behaupte, Schriftdeutsch im Kindergarten verbessere die späteren Chancen auf dem Arbeitsmarkt, argumentiere mit einem Klischee. Auch die PISA-Studie liefert keine Anhaltspunkte und Gründe, die dafür sprechen, Mundart im Kindergarten zu verbieten oder einzuschränken.


Dazu ist festzuhalten, dass der Widerstand gegen solche Dialektverbote in Basel-Stadt nicht parteipolitisch, sondern gesellschaftlich gemischt und kulturell geprägt ist. Es wird gefordert, dass wieder mehr bildungspolitische Besonnenheit regieren und sich ein unvoreingenommener und selbstbewusster Umgang mit der eigenen Sprache - mit Dialekt und Schriftdeutsch - durchsetzen mögen.


Das von der BKSD am 30. November 2007 erlassene Reglement enthält vernünftige Verhaltensweisen: Dialekt soll im Kindergarten offenbar die Hauptsprache sein, und Schriftdeutsch soll geübt werden. Aber aufgrund von Bemerkungen in den Schulnachrichten vom August 2009 zu Variationen in der Umsetzung im Kindergarten Liestal - «seit Anfang Schuljahr 2007/2008 wird in allen Kindergärten in Liestal mindestens 50% der Unterrichtszeit in Standarddeutsch geführt» und «ein Bericht über den Erfolg dieser Massnahme wird folgen» - zu befürchten, dass einzelne Lehrpersonen trotz Reglement der BKSD machen, was sie wollen. Insofern muss die BKSD ihre Führungsrolle wahrnehmen und mit Kontrollen dafür sorgen, dass ihrem Reglement und der entsprechenden Doktrin im Sinne der drei K - «kommandieren, kontrollieren, korrigieren» - nachgelebt wird. Die SVP ist für Abschreiben der Motion, will aber die Umsetzung des Reglements in den Kindergärten im Auge behalten.


Regierungsrat Urs Wüthrich (SP) ist zwischendurch froh, dass es Landratssitzungen gebe, weil er dann immer Neuigkeiten erfahre. Die Aussage einer Schulleiterin war denn ja auch Auslöser für diesen parlamentarischen Vorstoss.


Dies gab der BKSD die Gelegenheit, nicht nur mit dem Versand des neuen Reglements, sondern auch im Rahmen einer Konferenz der Schulleitungen klarzustellen, dass das Reglement so zu verstehen ist, wie es geschrieben ist. Es ist also nicht flächendeckend Schriftdeutsch anzuwenden, denn der Auftrag ist ein doppelter: es sollen die Kompetenzen in der Mundart- wie auch in der deutschen Standardsprache gestärkt werden.


Das Thema ist immer wieder und in alle Richtungen umstritten. In einem anderen Bereich musste das Reglement durch den Bildungsrat abgesegnet werden, weil es auf der Sekundarstufe Gruppen von Lehrpersonen gegeben hat, die sich kategorisch geweigert haben, im Unterricht Standarddeutsch zu verwenden. Weil vermutet worden ist, das Reglement könnte rechtlich nicht genügend abgesichert sein, musste es durch den Bildungsrat bestätigt werden, damit es einem allfälligen Beschwerdeverfahren standhält. Das Thema hält also die BKSD in Bewegung. Der Hinweis, dass «täglich eine längere Sequenz» als 50%-Regel verstanden werde, ist aber neu und wird untersucht werden.


://: Der Landrat beschliesst mit 38:20 Stimmen bei 1 Enthaltung, die Motion 2008/200 zu überweisen. [ Namenliste ]


://: Der Landrat beschliesst mit 61:2 Stimmen bei 0 Enthaltungen, die Motion 2008/200 abzuschreiben. [ Namenliste ]


Für das Protokoll:
Michael Engesser, Landeskanzlei



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