Protokoll der Landratssitzung vom 14. April 2011

Beatrice Fuchs (SP) fragt den Interpellanten an, ob er mit der schriftlichen Antwort zufrieden sei oder eine Erklärung abzugeben wünscht.

Claudio Wyss bedankt sich für die Beantwortung der Fragen in Sachen PC-Bildschirme, erklärt aber, er sei inhaltlich nicht einverstanden damit. Als Mitglied der Personalkommission liege ihm selbstverständlich daran, dass alle Mitarbeitenden im Kanton gute Werkzeuge für ihre Arbeit zur Verfügung haben.


Bis vor Kurzem habe er selbst zu Hause noch an einem PC mit Bildschirmgrösse 15 Zoll gearbeitet, welchen er nun entsorgen musste, weil die Rechnerleistung nicht mehr genügte. Der Bildschirm hatte eine Fläche von 700 cm 2 - bei Notebooks auch heute noch eine gängige Grösse. Nun wurden von der Sicherheitsdirektion und vom Gericht 1'500 Bildschirme der Grösse 24 Zoll für mehr als eine halbe Million Franken gekauft. Diese weisen zirka eine Fläche von 1'700 cm 2 auf, sind also 2,4 mal grösser als das zuvor erwähnte Modell und sind damit eigentlich keine gewöhnlichen Computerbildschirme mehr, sondern mit 61 cm Bildschirmdiagonale richtige Fernsehapparate wie sie noch vor 15 Jahren Standard waren und auch heute noch in vielen Haushaltungen gebraucht werden - ein Bildschirmformat also, hinter dem man sich richtiggehend verstecken könne.


Die Preise für solche Bildschirme sind in den letzten Jahren regelrecht zusammen gebrochen. Es werde wohl nicht mehr lange dauern, bis auf jedem Schreibtisch ein 30-Zoll-Bildschirm stehe. «Immer billiger und immer grösser», so scheint das Motto zu lauten.


Nun argumentiert die Regierung in ihrer Interpellationsantwort, dass die gesundheitlichen Beschwerden bei den Benutzern wegen der abnehmenden Hintergrundbeleuchtung und des unscharfen und matten Bildes zunehmen. Dazu ist Folgendes zu sagen: Wenn denn schon gesundheitliche Bedenken ins Spiel gebracht werden, so hätte man auch konsequent handeln und alle Bildschirme entsorgen müssen. Nun muten die Verantwortlichen den Personen, die einen solchen Bildschirm privat erworben haben, offenbar zu, dass sie zu Hause durch dessen Benutzung ein gesundheitliches Risiko eingehen.


Für die Überprüfung der Bildqualität gibt es Kontrollprogramme, mitttels welcher jeder einzelne Anwender überprüfen kann, ob die Bildschirmqualität noch taugt oder nicht. Es sei nicht anzunehmen, dass dies gemacht wurde.


Claudio Wyss trage bei der Arbeit eine moderne Gleitsichtbrille, bei welcher das Lesefeld auf einen relativ kleinen Bereich im unteren Teil der Brille beschränkt ist. Auf grösseren Bildschirmen sind die einzelnen Programmfenster mehr auf der ganzen Oberfläche verteilt. Seine Erfahrung damit: Zum Fokussieren sind viel grössere Bewegungen zu machen; um ein scharfes Bild zu sehen, müsse der Kopf häufig nach hinten geneigt werden. Es würde ihn daher nicht überraschen, wenn in nächster Zeit vermehrt Nackenbeschwerden vor allem bei Gleitsichtbrillenträgern auftreten, die an grossen Bildschirmen arbeiten.


Zum Stromverbrauch: Die neuen Bildschirme verbrauchen - pro Flächeneinheit, betont der Landrat - 40 % weniger Strom als die alten. Wahr sei aber, fügt er an, dass durch die grössere Fläche gar kein Minderverbrauch entsteht, im Gegenteil. Macht man etwa die Rechnung mit einem 15-Zoll-Bildschirm, so ergibt sich neu, mit den grösseren Bildschirmen, ein Mehrverbrauch von 45 %! Das mache vielleicht im Winter Sinn, meint der Interpellant, denn heizen müsse man dann ja sowieso! [Heiterkeit] Ausserdem sei überall nachzulesen, dass die so genannt graue Energie für die Herstellung und Entsorgung von Bildschirmen hoch ist und daher meist mehr Energie gespart wird, wenn man das alte Gerät möglichst lange benutzt, auch wenn es im Betrieb mehr Strom verbraucht als ein neues.


Zum Argument des Stromverbrauchs habe ihm ein Baselbieter Garagist per Mail Folgendes geschrieben: «Hat der Regierungsrat wirklich das Gefühl, die Bürger seien so blöd?» - In seiner eigenen Firma würde er es sich nicht erlauben, seinen Mitarbeitenden so grosse Bildschirme hinzustellen. Seine Kunden würden ja glauben, ihn hätte der Grössenwahnsinn gepackt. «Wer sagt dem Regierungsrat, dass er falsch liegt und mit den Steuergeldern sinn- und sorglos umspringt?» zitiert er nochmals aus dem oben erwähnten Mail. Dieses spreche für sich und zeige, was manch ein Kantonseinwohner über die Arbeit hier im - von den Liestalern oft ein bisschen despektierlich als «Ochseschüüre» bezeichneten - Gebäude denke.


In der Beantwortung zu Frage 2 steht, dass die Softwareindustrie zunehmend das Format 24 Zoll im Verhältnis 16 : 10 verlange. Bei einem Blick auf das Pult von Regierungsrätin Pegoraro frage er sich wirklich, was man mit einem solchen "Bildschirmli" noch Sinnvolles anfangen kann. Wer weiss, vielleicht wird der Saal bald einmal umgebaut und auch die Informationstechnologie auf den neusten Stand gebracht, spekuliert er. So könnten sich dann alle hinter ihren 24-Zoll-Bildschirmen verstecken...


In der Beantwortung der Fragen 2 und 3 ortet er in einem Punkt eine Widersprüchlichkeit. In Antwort 2 heisst es, 300 Bildschirme seien jüngeren Datums gewesen. Die Antwort zu Frage 3 aber hält fest, dass 100 Bildschirme neueren Datums einer internen Verwendung zugeführt wurden. Hier besteht eine Differenz von 200 Bildschirmnen. Konnten nun 100 oder 300 Bildschirme intern weiter verwendet werden?


Hans-Jürgen Ringgenberg habe hier im Saal schon des öfteren gesagt, bei der Regierung sei aus seiner Sicht "kein Stutz" Sparwille erkennbar. Er habe die Aussage lange nicht richtig einordnen können. Langsam begreife er aber, was damit gemeint sei.


://: Damit ist die Interpellation erledigt.


Für das Protokoll:
Brigitta Laube, Landeskanzlei



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