Protokoll der Landratssitzung vom 2. Oktober 2014
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2014-297 vom 18. September 2014 Vorlage: Bericht der Petitionskommission an den Landrat zur Petition "Qualität an den Schulen und in der Ausbildung der Sek-I-Lehrkräfte" - Beschluss des Landrats vom 2. Oktober 2014: < als Postulat überwiesen > |
Kommissionsvizepräsident Georges Thüring (SVP) erinnert daran, dass 1'156 Mitunterzeichnende eine Petition des Komitees mit dem Namen «Qualität an den Schulen» unterstützen, bei welchem es sich um eine Arbeitsgruppe des Lehrervereins Baselland handelt. Die Petition bringt drei Hauptanliegen vor:
Erstens sollen die im Lehrplan 21 vorgesehenen neuen Kombifächer Chemie/Biologie/Physik, Geschichte/Geografie und Hauswirtschaft/Wirtschaft ausschliesslich von Lehrpersonen unterrichtet werden, die dafür fachwissenschaftlich adäquat ausgebildet sind. Zweitens muss gemäss den Petentinnen und Petenten der fachwissenschaftliche Anteil der Ausbildung angehender Sek-I-Lehrpersonen an den pädagogischen Hochschulen massiv erhöht werden. Drittens muss in der Ausbildung angehender Sek-I-Lehrpersonen jedes Teilfach als eigenständiges Fach zählen. Der genaue Petitionstext ist dem Kommissionbericht angehängt.
Nachdem die Petitionskommission eine schriftliche Stellungnahme der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) zu den Anliegen der Petition erhalten hatte, lud sie sowohl eine Delegation der Petentinnen und Petenten als auch eine Vertretung der Bildungsdirektion zu Anhörungen ein. Diskutiert wurden die Anliegen der Petition anlässlich von zwei Kommissionssitzungen im Juni und August 2014. Betont wurde von den Petentinnen und Petenten, dass ihre Petition nicht im Zusammenhang mit den Initiativen des Komitees «Starke Schule Baselland» stehe und auch nicht die gleichen Ziele verfolge.
Zum ersten Anliegen der Petition betreffend Lehrberechtigung für die neuen Kombifächer erklärte die BKSD, es werde auf jeden Fall angestrebt, dass an den Schulen für sämtliche Fächer fachdidaktisch sowie fachwissenschaftlich gut ausgebildete Lehrpersonen eingesetzt werden können. Da viele der heute unterrichtenden Lehrpersonen noch keine Integrations- oder Kombifächer studiert haben, seien Weiterbildungsangebote notwendig. Über die definitive Ausgestaltung des Weiterbildungsangebots konnten noch keine konkreten Angaben gemacht werden. Der Vertreter der Bildungsdirektion betonte, man werde auf bereits gemachten Erfahrungen, beispielsweise nach der Einführung des Faches Biologie/Chemie an der Sekundarschule oder Frühfranzösisch an den Primarschulen, aufbauen können. Diese Weiterbildungen sollen zu einem anerkannten Erweiterungsstudium führen und sowohl für die Schulen als auch für die Lehrerinnen und Lehrer einen echten Mehrwert bewirken. Das Nachqualifizierungsangebot werde man im Dialog mit den Sozialpartnern bereitstellen, es werde dafür genügend Zeit zur Verfügung gestellt. Vorerst könnten die neuen Kombifächer auch ohne abgeschlossene Fortbildung unterrichtet werden, man stehe diesbezüglich also nicht unter Zeitdruck. In Bezug auf die Forderung, den fachwissenschaftlichen Anteil an der Sek-I-Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule massiv zu erhöhen, sieht die BKSD keinen Handlungsbedarf.
Trotz den Beteuerungen der Bildungsdirektion befürchten die Petentinnen und Petenten, dass in Bezug auf die so genannten Facherweiterungsstudien nur Schnellbleichen vorgesehen seien. Sie erachten grundsätzlich den fachwissenschaftlichen Anteil an der Ausbildung angehender Sek-I-Lehrkräfte an der Pädagogischen Hochschule der FHNW als zu tief, denn nur gut ausgebildete Lehrpersonen können ihrer Meinung nach guten und nachhaltigen Unterricht bieten. Die Petentinnen und Petenten verlangen keine längere oder teurere Ausbildung für Sek-I-Lehrkräfte, jedoch eine Verschiebung der Schwergewichte, das heisst eine Erhöhung des fachwissenschaftlichen Anteils zu Lasten der erziehungswissenschaftlichen Ausbildung.
Da an anderen Pädagogischen Hochschulen bereits heute in der Sek-I-Lehrerinnen und -Lehrerausbildung eine Lehrberechtigung für vier Fächer erlangt werden kann, ohne dabei die Obergrenze von den heute vorgesehenen 300 Credit Points zu überschreiten, müsse eine solche Ausbildung auch an unserer Fachhochschule möglich werden.
Der Vertreter der BKSD betonte im Rahmen seiner Ausführungen, dass das heute von der FHNW angebotene Sek-I-Studium die Anforderungen, welche im EDK-Anerkennungsreglement festgeschrieben sind, erfüllt und man daher eine Erhöhung der minimal geforderten Credit Points für die Fachausbildung ablehne. Er zeigte sich überzeugt, dass mittel- und längerfristig genügend entsprechend ausgebildete Lehrpersonen zur Verfügung stehen werden.
Nach den Anhörungen kamen die Mitglieder der Petitionskommission zum Schluss, dass eine vertiefte Abklärung der Anliegen der Petition durchaus Sinn machen würde. Die Petitionskommission konnte sich insbesondere mit der Forderung einverstanden erklären, dass die neuen Kombifächer wenn immer möglich nur durch entsprechend ausgebildete Lehrpersonen unterrichtet werden. Grundsätzlich soll die Lehreraus- und -fortbildung optimal auf die Schulfächer des Lehrplans 21 ausgerichtet sein und es gelte abzuklären, ob die jetzige Gewichtung der Fachausbildung im Verhältnis zur erziehungswissenschaftlichen Ausbildung richtig sei und ob es zu rechtfertigen sei, dass für ein Fachstudium an der Universität zehnmal mehr Credit Points erreicht werden müssen, als dies an der Pädagogischen Hochschule verlangt wird.
Um die verschiedenen Anliegen der Petition sowie die von der Kommission aufgeworfenen Fragen im Zusammenhang mit der Sek-I-Lehrerausbildung vertieft abklären zu können, beantragt die Petitionskommission dem Landrat mit 7:0 Stimmen, die vorliegende Petition als Postulat an die Regierung zu überweisen. Diese soll dem Landrat baldmöglichst eine entsprechende Vorlage unterbreiten und damit soll namentlich auch die sachzuständige Bildungs-, Kultur- und Sportkommission Gelegenheit erhalten, sich vertieft mit den Anliegen der Petition sowie den Erwägungen von Regierung und Bildungsdirektion auseinander zu setzen.
Landratspräsidentin Daniela Gaugler (SVP) hat bei den letzten beiden Traktanden 19 und 20 entnommen, dass der Landrat dem Vorschlag der Petitionskommission eigentlich folgen möchte. Es liegt aber noch ein Antrag der CVP auf dem Tisch, die Behandlungsfrist des Postulats von den üblichen 12 auf 6 Monate zu verkürzen. Dieser Antrag soll nun zur Abstimmung kommen.
://: Der Landrat stimmt mit 73:0 Stimmen bei 1 Enthaltung für den Antrag der CVP, die Behandlungsfrist des Postulats auf 6 Monate zu verkürzen. [ Namenliste ]
Paul Wenger (SVP) weist auf einen Umstand hin, der doch sehr zum Staunen anregt: dass nämlich die Fachausbildung an der FHWN ein Zehntel der Fachausbildung an der Uni ausmacht. Trotzdem wird die SVP überweisen.
Landratspräsidentin Daniela Gaugler (SVP) fragt, ob gegen eine Überweisung Widerstand regt.
Agathe Schuler (CVP) ist persönlich sehr enttäuscht, wie mit dieser Petition umgegangen wurde. Sie wurde erstmal weit nach hinten geschoben - trotz der rund 1150 Lehrpersonen, die sie unterschrieben und sich dafür engagiert hatten. Ohne dass nun noch gross etwas dazu gesagt werden kann, wird sie still erledigt. Sie möchte bitten, dass man die Anliegen der Petentinnen und Petenten doch ernster nehme.
Hanni Huggel (SP) ist es wichtig zu betonen, dass es leider keinen spezifischen Ausbildungsgang mehr für das Niveau A gibt. Bei diesem Niveau müsste man vielleicht den Schwerpunkt etwas anders setzen. Sie bittet die Regierung, dies bei der Ausarbeitung zu berücksichtigen.
Jürg Wiedemann (Grüne) sagt, dass er einer der von Agathe Schuler erwähnten 1156 Lehrer ist, die die Petition unterschrieben haben. Er kann ihr versichern, dass die überwiegende Mehrheit über die heutigen Entscheide des Landrats sehr sehr glücklich ist und es wohl auch in Kauf nehmen, dass ein Päckchen geschnürt wurde.
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- Beschlussfassung
://: Der Landrat überweist die Petition 2014/297 («Qualität an den Schulen») stillschweigend als Postulat an den Regierungsrat. Die Behandlungsfrist beträgt maximal 6 Monate.
Für das Protokoll:
Markus Kocher, Landeskanzlei
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