Protokoll der Landratssitzung vom 20. Oktober 2011
| |
Nachdem zuvor die Traktandenliste ausnahmsweise vorzeitig abgeschlossen worden ist, übergibt Landratspräsident Urs Hess (SVP) nun für den «historischen Moment» - Landschreiber Walter Mundschin hat heute seinen letzten Arbeitstag im Landrat - das Wort und die Moderation des nachfolgenden Programms an Regierungsratspräsident Peter Zwick.
Regierungsratspräsident Peter Zwick (CVP) bittet Walter Mundschin, in der Mitte des Landratssaals vor den Rängen des Regierungsrats Platz zu nehmen, um ihn mit einem entsprechenden Anlass würdig verabschieden zu können.
* * * * *
Ehemalige Landratspräsidentinnen und Landratspräsidenten sowie ehemalige Regierungsräte betreten den Saal, um der Verabschiedung beiwohnen zu können. Ausserdem sorgt die aus historischen Gründen aus sieben Frauen bestehende Gesangsgruppe «Six Chicks» für eine erste musikalische Umrahmung.
Alt Landrat Bruno Weishaupt (Landrat 1983-1999, Landratspräsident 1992/1993) würdigt Walter Mundschin im Namen der ehemaligen Landratspräsidentinnen und Landratspräsidenten.
Nach dem Dank für die Einladung zu dieser Feier dankt er Walter Mundschin für dessen immer zuverlässigen und unterstützenden Leistungen im Hintergrund als Landschreiber zugunsten des Landratspräsidiums - unter Verweis auch auf seine sportliche Laufbahn, die schon wichtige Attribute erahnen liess, welche später auch für seine Karriere als Landschreiber bezeichnend sein sollten, wie ein Artikel des Tages-Anzeigers vom 29. Oktober 2007 zeigt.
Mit allen guten Wünschen für den neuen Lebensabschnitt, für mehr Zeit und Musse für die Familie, den Sport und vor allem für gute Gesundheit haben die ehemaligen Landratspräsidentinnen und Landratspräsidenten ein Geschenk mitgebracht, wovon ein Muster durch Heidi Tschopp überreicht wird. [Applaus.]
* * * * *
Nach einer weiteren musikalischen Kostprobe der «Six Chicks» überbringt im Namen der ehemaligen Regierungsräte alt Regierungsrat Andreas Koellreuter eine Grussbotschaft mit entsprechender Würdigung.
Er fühlt sich Walter Mundschin speziell verbunden, weil sie sich - beide im gleichen Jahr geboren - in den Tagen zwischen dem 15. Oktober (Geburtsdatum von Andreas Koellreuter) und 17. Oktober (Geburtsdatum von Walter Mundschin) jeweils mit «alter Mann» bzw. «junger Trübel» anzusprechen pflegten. Auch er verweist auf die in den letzten 37 Jahren immer in ruhiger Art vollbrachte, hervorragende Spitzenleistung von Walter Mundschin als «Diener zweier Herren», die sich u.a. aus der Betreuung zahlreicher Personen, dem Brückenschlagen zwischen Interessengruppen oder auch aus immer wiederkehrenden Geschäften zusammensetzt - mit Blick auf die mit Postulat 2011/248 wieder erhobene Forderung geht der Redner davon aus, dass «dieser Helgen auch dann immer noch hier vorne hängen wird, wenn Alex Achermann [neuer Landschreiber] in Pension gehen wird». [Grosse Heiterkeit.]
Er überreicht Walter Mundschin im Namen der ehemaligen Regierungsräte einen Stich von Liestal aus dem Jahr 1860 - mit dem Regierungsgebäude -, der ihn an die 37 Jahre in diesem Gebäude erinnern soll. Er dankt Walter Mundschin herzlich für dessen Leistung. [Grosser Applaus.]
* * * * *
Nach einer weiteren musikalischen Einlage der «Six Chicks» nimmt Landratspräsident Urs Hess (SVP) die offizielle Würdigung von Walter Mundschin vor.
Er begrüsst die ehemaligen Landratspräsidentinnen und -präsidenten sowie die ehemaligen Regierungsräte ganz herzlich. Er freut sich, dass sie alle den aktuellen Landrat und den gegenwärtigen Regierungsrat an diesem geschichtsträchtigen Tag unterstützen.
Mit den Worten
«trotz seiner Aktivität als Libero beim FC Basel hat er im letzten Herbst sein Lizenziat in Nationalökonomie gemacht, das zeigt, dass Walter Mundschin der Doppelbelastung als Sportler und Berufsmann gewachsen ist»
hat ihn Christoph Erhardt am 19. Juni 1974 zum 2. Landschreiber empfohlen. Mit 41 von 74 Stimmen ist er gegen die 3 anderen Kandidaten gewählt worden. Und damit hat Walter Mundschin seinen Arbeitsort vom nebligen Olten ins sonnige Baselbiet verlegen können. Der Regierungsrat hat Sport und Arbeit wie folgt geregelt:
«Über den Arbeitsausfall ist eine Stundenbuchhaltung zu führen und ist derselbe gemäss Dienstvertretern zwischen Walter Mundschin und dem FC Basel durch die Staatskasse verrechnen zu lassen.»
Bei soviel Erfolg sind auch Neider nicht weit weg. Offensichtlich hat sich Walter Mundschin gegen einen Angriff auf seine Person in der Zeitung wehren müssen. Er schrieb dort:
«Lieber Beizer, ich hoffe, Ihnen in Zukunft zu beweisen, dass meine Wahl kein Eigengoal des Landrates, sondern ein Volltreffer gewesen ist.»
Ein gesunder Ehrgeiz und ein guter Antrieb! Dies braucht es, um die gestellten Aufgaben anpacken und einer guten Lösung zuführen zu können. Und dieses Ziel hat Walter Mundschin von Anfang an verfolgt. Mit seiner Landeskanzlei hat er es geschafft, die Landrätinnen und Landräte immer aktuell zu informieren und zu beraten. Sein Verdienst ist aber auch, dass der Landrat sehr gute Kommissionssekretärinnen und -sekretäre hat, die diesen in seiner Arbeit unterstützen. Der wichtigste Punkt für den Redner in seiner Funktion als Landratspräsident ist die Tatsache, dass Walter Mundschin seine Funktion als Scharnier zwischen Regierungsrat und Landrat zum Wohle des Baselbiets vorbildlich gelebt hat. 17 Jahre als 2. Landschreiber und genau 20 Jahre und 1 Monat als Landschreiber hat Walter Mundschin dem Kanton Baselland, dem Landrat und dem Regierungsrat gedient. Das bedeutet, dass er einen Fünftel der Baselbieter Geschichte mitgeschrieben hat. Also wirklich ein historischer Moment.
In diesen 37 Jahren ist Walter Mundschin die einzige Konstante gewesen in diesem Gebäude: Die Regierungsräte haben gewechselt wie auch der Landrat. Doch nun ist auch bei Walter Mundschin die Amtszeitbeschränkung wirksam geworden, nämlich jene durch seine Pensionierung. Alle, die hier im Saal sind, hat er während eines Teils ihres Lebens begleitet.
Obwohl er jedes Jahr einen neuen Präsidenten in dessen Amt eingeweiht hat, hat er das auch bis zum letzten dieser Sorte mit viel Geduld und Charme gemacht. Er ist ein sehr kompetenter «Preesiflüsterer» gewesen, und manch einer dieser Präsidenten ist froh gewesen, wenn bei heiklen Abstimmungsabläufen Walter Mundschin mit seiner stoischen Ruhe jeweils gesagt hat, wie diese durchzuführen seien, damit es richtig herauskommt. In den Jahren, in denen der Redner Walter Mundschin hat erleben dürfen, ist er immer gradlinig gewesen und immer für den Landrat eingestanden.
«Lieber Walti, Du hast ganz viele Anlässe - vom Comptoir über die OLMA bis zum Marché Concours in Saignelégier - organisiert. Dabei hast Du unser Baselbiet in der ganzen Schweiz leuchten lassen. Aber auch die Besuche anderer Parlamente sind für alle Beteiligten immer ein Highlight gewesen.
Dem Sport ist er immer treu geblieben, und er stellt auch dort seine Ausdauer unter Beweis. Auf einer Landratsvelotour [ein Bild wird projiziert], an der leider fast keine Landräte dabei gewesen sind, hat er mir von seinen mehrtägigen Biketouren quer durch unsere Alpen und von seinen Skitouren erzählt. Und wenn man das so hört und Walter beim Radfahren erleben kann, dann kann man fast nicht glauben, dass er schon im Pensionsalter ist: Wie ein Bergfloh hat er den Col des Rangiers unter die Räder genommen.
Jetzt beginnt für Dich eine neue Zeit, in der Du Deine eigene Regierung bist und in der Dir auch kein Parlament mehr dreinredet. Deinen Hobbies Sport und Kultur willst du nun frönen können. Und damit du auch richtig ausruhen kannst, sollst du den entsprechenden Sessel dazu erhalten. Diesen wollen wir Dir symbolisch mit diesem Blumenstrauss überreichen. Lieber Walti, Du bist nicht einfach nur der Landschreiber gewesen. Nein, Du bist eine Institution gewesen, und ich versichere Dir: Den Volltreffer, den Du am Anfang in einem Leserbrief erwähnt hast, hast du auch gelandet. Wir alle sagen Dir ganz herzlich danke und wünschen Dir alles Gute im neuen Lebensabschnitt und hoffen, dass wir Dich immer wieder mal sehen dürfen.» [Grosser und herzlicher Applaus.]
* * * * *
Walter Mundschin ist erschlagen von der Verabschiedung, wie er sie in fast 38 Jahren im Landratssaal noch nie erlebt habe. Angeblich sei das zweitschlimmste, das einem passieren könne, gelobt zu werden - noch schlimmer sei, nicht gelobt zu werden. In diesem Sinn dankt er den Rednern für ihre sehr liebenswürdigen Worte. Er hätte nie erwartet, nach ca. 700 Landratssitzungen auf diese Art und Weise verabschiedet zu werden. Er dankt nochmals bestens für diesen Anlass.
Aus all den Sitzungen, die er erlebt hat und an denen er alle möglichen Stimmungen erlebt hat, hat er gelernt, dass man Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann. Vielfach gibt es nicht nur eine, sondern vielleicht zwei oder mehrere Wahrheiten.
Vieles hat sich im Landratssaal geändert: mehr Landräte, mehr Landrätinnen , bessere Ausrüstung etc. Nicht geändert haben sich u.a. die Bilder an der Frontwand, die er «relativ selten» gesehen hat, weil er immer vorne gesessen ist - so schlecht sind sie nicht, und im Zug der Sparmassnahmen kann vielleicht auf einen Neuanstrich verzichtet werden. [Heiterkeit.] Und vielleicht wäre es - in Erinnerung an vergangene Zeiten und Gepflogenheiten und um jeweils zu Beginn der Sitzung Ruhe in den Saal zu bringen - auch sinnvoll, den früher üblichen Namensaufruf der anwesenden LandrätInnen wieder einzuführen. [Heiterkeit.]
Er hat viel Freude und Befriedigung in der Arbeit für den und mit dem Landrat gefunden. Für ihn ist der Landrat vergleichbar mit einer Fussballmannschaft. Eine gute Fussballmannschaft darf nicht aus gleich genormten Spielern bestehen: Es gibt Linksfüsser, Rechtsfüsser, solche, die lieber angreifen, solche, die lieber verteidigen, solche, die sehr fair spielen, solche, die viele Fouls begehen etc. Auch im Landrat hat es unterschiedliche Persönlichkeiten, aber alle sind wertvoll fürs Gesamte. Wohl darum hat ihm die Arbeit mit dem Landrat sehr gut gefallen. Besonders gut gefallen hat ihm die enge Zusammenarbeit mit den Leitungsgremien des Landrats. Diese hat immer sehr gut funktioniert. Dafür und für das Vertrauen, das er bei seinen Wiederwahlen erfahren durfte, dankt er allen ganz herzlich. An dieser Stelle dankt er auch seinen MitarbeiterInnen der Landeskanzlei für deren Arbeit, die ihm damit seine Arbeit erleichtert haben.
Zum Schluss hat er zwei Wünsche an den Landrat. Auch wenn es keine perfekte Demokratie gibt, wünscht er sich als überzeugter Demokrat, dass der Landrat seine starke Stellung, die ihm die Verfassung des Kantons Basel-Landschaft gibt, weiterhin aufrecht erhält, aber dass dieser die grossen Kompetenzen mit dem nötigen Augenmass und mit der nötigen Verantwortung ausübt. Zweitens wünscht er dem Landrat, dass es diesen noch möglichst lange gibt. Danke vielmals! [Herzlicher Applaus.]
Anschliessend folgt ein kleines Konzert der «Six Chicks».
* * * * *
Ende der Veranstaltung: 17.20 Uhr.
Für das Protokoll:
Michael Engesser, Landeskanzlei
* * * * *
Die nächste Landratssitzung findet statt am 3. November 2011
Back to Top