Protokoll der Landratssitzung vom 20. Oktober 2016
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| 2015-365 vom 24. September 2015 Interpellation von Florence Brenzikofer, Grüne: Leistungschecks im Kanton Basel-Landschaft - Schriftliche Antwort des Regierungsrates vom 6. September 2016 - Beschluss des Landrates vom 20. Oktober 2016: < erledigt > |
Florence Brenzikofer (Grüne) verlangt Diskussion.
://: Die Diskussion wird stillschweigend genehmigt.
Florence Brenzikofer (Grüne) bedankt sich für die Beantwortung der Interpellation, bei der sie aber einen Widerspruch erkenne. Die Leistungschecks P3, P6, die man aus der Primarstufe kennt sowie S2 und S3 – die in diesem Schuljahr eingeführt werden –, werden unter dem Deckmantel der Orientierungshilfe und individuelle Förderung verkauft. Tatsächlich werden sie aber eingekauft für viel Geld bei der Universität Zürich. Wie der Gastkommentar in der bz von heute ebenfalls schreibt, geht es darum – wie die Beantwortung sagt –, dass der Kanton Steuerungswissen über 130 Schulen erlangen will. Es geht um das Erschaffen eines Kontroll- und Rankingsystems an den Schulen damit bekannt ist, welcher Kanton die besten Schulen hat. Eine Tageszeitung hat vergangenen Samstag diesen Titel gesetzt: «Welcher Kanton hat die besten Schulen?». In den vier Kantonen Aargau, Solothurn, Basel-Stadt und Basel-Landschaft sollen gleichzeitig gleichlautende Tests durchgeführt werden. Mit dem Wissen, dass der Kanton Aargau bei den Fremdsprachen anders tickt als der Kanton Basel-Landschaft und Basel-Stadt, scheint dies nicht durchführbar. Es braucht für die einzelnen Kantone Speziallösungen, die Prüfungen können nicht gleichlautend sein.
Wie ist die viel gelobte individuelle Förderung möglich, wenn das eigentliche Ziel die Vergleichbarkeit der Schulen ist? Das angestrebte Ziel führt klar zu einer teach-to-the-test Methode und zu einer falschen Sicherheit, ,welche die Glaubwürdigkeit gegenüber den Eltern stärken soll.
Die Checks S2 und S3 sollen die heutigen Multichecks und Basic Checks ersetzen. Diese Ablösung wird nicht funktionieren. Die Lehrlingsbetriebe werden auch in Zukunft mit Multichecks eine Möglichkeit brauchen, berufsspezifische Fragen zu stellen. Der Multicheck eines Kaufmanns ist anders als jener des Polymechanikers.
Der Check S3 ist zudem viel zu spät angesetzt, in der 9. Klasse im Frühling. Dann sind alle Lehrverträge unterschrieben. Die Begründung, dass der Check für das Zertifikat am Ende der obligatorischen Schule notwendig ist, ist unzureichend. Der Check ist für diese Begründung auch zu teuer.
Daher die Frage: Läuft in den vier Kantonen die Diskussion, gänzlich auf den Check S3 zu verzichten? Die Checks führen zu einem bürokratischen Mehraufwand; das zeigen die Formulare, die den Schulen Anfang des Jahres von der Universität Zürich zugestellt wurden. Die Frage, wie die Regierung die Einführung der teuren Checks beim aktuellen Spardruck rechtfertigt richtet sich sowohl an den Finanzdirektoren als auch an die Bildungsdirektorin.
Regierungsrätin Monica Gschwind (FDP) greift auf, dass die Checks unter dem Deckmantel der Orientierungshilfe verkauft würden. Die Orientierungshilfe ist ein Teil – die Schüler erhalten während ihrer Laufbahn einen Überblick, wo sie stehen im Vergleich mit allen anderen Schülern in den vier Kantonen. Zugleich ist es Steuerungswissen, das auch als Kontrollwissen wahrgenommen werden kann. Für das Bildungssystem des Kantons ist es wichtig zu wissen, ob die Art des Unterrichts zum Ziel führt und ob die Ziele, die vom Bund in Mathematik, Deutsch, Fremdsprachen und Naturwissenschaften, erreicht werden. Für den Kanton und die Votantin als Bildungsdirektorin ist dies wichtig.
Die Checks und die Aufgabensammlung werden nicht gekauft, sondern von den vier Kantonen gemeinsam entwickelt. Dazu wurde vom Landrat mit grossem Mehr ein Kredit gesprochen . Es ist legitim, diese Sachen zu hinterfragen; das Projekt ist aber noch in der Entwicklung, die Phase noch nicht abgeschlossen. Der Check S3 wird erst im nächsten Schuljahr obligatorisch eingeführt. Bei allem kritischen Hinterfragen muss abgewartet werden, bis das ganze zum Fliegen kommt und die Erfahrungen gesammelt wurden.
Dies führt auch zur Beantwortung der Frage, wie sich der hohe finanzielle Aufwand für die Checks und Aufgabensammlungen rechtfertigt. Der Kanton ist verpflichtet, bei diesen Investitionen die Resultate abzuwarten, die Checks einzuführen und das Geld einzusetzen. Es wäre nicht verantwortbar, wenn eine so grosse Entwicklungsphase mittendrin abgebrochen würde. Die Entwicklung muss kritisch beobachtet werden, die Einführung der Checks und die Notengebung werden derzeit vorbereitet. Es soll den Schülern als Orientierung dienen , wo sie in der beruflichen Laufbahn hin wollen. Es dient aber auch der Verwaltung, um zu wissen, wie gut die Schulen sind, wo sie sich positionieren und wo Handlungsbedarf existiert. Das hat nichts mit Kontrolle, sondern mit Wirksamkeitsüberprüfung zu tun.
Jürg Wiedemann (Grüne-Unabhängige) unterstützt Florence Brenzikofer insofern, als dass die angedachte Lösung – der Ersatz der Orientierungsarbeit – und das Resultat differenzieren. Einerseits kosten die Checks extrem viel Geld, das irgendwo im Bildungsbereich fehlt und sehr viel sinnvoller eingesetzt werden könnte. Der angestrebte Vergleich hat in den OA-Prüfungen nicht funktioniert, weil es entscheidend war, ob eine Lehrperson die Schülerinnen und Schüler gezielt darauf vorbereitet hat oder nicht. Dies hat Differenzen von mehr als einer Note ausgemacht. Die Klassen kannten diese Typen von Aufgaben und haben entsprechend besser abgeschlossen. Dieser Vergleich ist daher nicht relevant und nicht aussagekräftig. Dafür bezahlt der Kanton viel Geld – dafür ist es zu schade und könnte anders eingesetzt werden.
Andererseits üben die Checks Druck auf die Lehrpersonen aus, da die Eltern die Erwartung haben, dass die Schülerinnen und Schüler gezielt auf die Checks vorbereitet werden, da die Klasse sonst schlecht abschneidet. Dort gehen ganz andere, wichtige Bildungsziele verloren, weil die Vorbereitung sehr zeitaufwändig ist. Daher fände es der Votant sinnvoller, die Checks nicht einzuführen und das Geld besser einzusetzen.
Florence Brenzikofer (Grüne) fügt an, dass die Checks mit grossem Aufwand verbunden seien. An den Sekundarschule muss pro Klasse eine Lehrperson eine Weiterbildung für die Checks absolvieren. Es gibt einen riesigen Fahrplan, die Umsetzung der Checks ist für die Schulen eine grosse Herausforderung und für die Schulleitungen nicht einfach lösbar. Die Schulen haben andere Prioritäten zu bewältigen, daher ist der Einführungszeitpunkt nächstes Jahr äusserst ungünstig.
Thomas Bühler (SP) ist als Klassenlehrer einer Primarschule dankbar um Instrumente, die Leistungen von Klassen vergleichbar machen. Wenn diese Vergleiche gross angelegt sind wie bei den Checks oder den früheren Orientierungsarbeiten, ist dies hilfreich und nützlich. Über die Ausgestaltung kann diskutiert werden – ein Vergleich zu haben, eine Einschätzung, wo die Klasse steht, ist wertvoll und nützlich. Der Votant hofft, dass möglichst alle Lehrpersonen nicht learning-on-the-test machen, sondern dies auf sich zukommen lassen und die Resultate wirklich valide sind.
Thomas Eugster (FDP) schlägt in gleiche Kerbe wie der Vorredner. Bildung ist allen wichtig und oberstes Gut. Wichtig ist aber auch zu sehen, ob die Qualität der Bildung auf allen Stufen stimmt. Die Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrpersonen und die Direktorin müssen dies sehen. Dazu braucht es Anhaltspunkte und Quervergleiche. Das Instrument ist in der Entwicklung und muss noch justiert werden; es soll kein teach-to-the-test geben. Die Meinung ist, dass es für alle Involvierten auf allen Stufen ein Lenkungsinstrument gibt. Als solches muss es angesehen werden; das Votum der Bildungsdirektorin wird unterstützt: es muss durchgeführt werden, daraus gelernt und Anpassungen vorgenommen werden. Danach ist es ein Instrument, das auf allen Stufen stufengerecht angewendet werden kann und muss. Die FDP-Fraktion ist klar der Meinung, dass das Projekt durchgeführt werden muss, am Ende Korrekturen angebracht werden müssen und dann ist das Instrument auch das Geld wert.
://: Somit ist die Interpellation 2015/365 erledigt.
Für das Protokoll:
Leonie Schwizer, Landeskanzlei