Protokoll der Landratssitzung vom 22. September 2011

Nr. 78

Der Präsident der IGPK Universität Basel, Marc Joset (SP), erklärt, als Oberaufsichts-Organ - von den beiden Parlamenten der Kantone Basel-Stadt und Baselland für die Uni eingesetzt - habe die Interparlamentarische Geschäftsprüfungskommission den Bericht 2010 zum Leistungsauftrag vorberaten.


Die Kommission kann sich der Empfehlung der Regierungen der beiden Trägerkantone anschliessen und empfiehlt dem Landrat sowie dem Grossen Rat, diesen Bericht sowie die Jahresrechnung zur Kenntnis zu nehmen. Die IGPK hat sich eingehend mit einigen Schwerpunktthemen befasst, wie dem Kommissionsbericht entnommen werden kann. Kurz zusammengefasst waren das folgende Themen: Der Bereich «Kultur» erscheint in der öffentlichen Wahrnehmung - im Vergleich zu den Life Sciences - darum eher vage, weil die Kulturwissenschaften ein sehr breites Angebot bieten und weniger auf eine bestimmte Disziplin konzentriert sind.


Die Zusammenarbeit zwischen den schweizerischen Universitäten sieht die Universitätsleitung als Abbild unseres Föderalismus. Bei den Beratungen zum neuen Hochschulförderungsgesetz zeigen die eidgenössischen Räte wenig Bereitschaft, die Zusammenarbeit zu fördern.


Mit der Fachhochschule Nordwestschweiz bestehen allerdings viele Kooperationsverträge in Forschung, Lehre und Dienstleistung.


Die Studierendenzahl hat im letzten Jahr wiederum zugenommen und beträgt jetzt rund 12'000. Die Verantwortlichen der Universität betonen, dass eine ambitionierte Universität eine minimale kritische Grösse braucht. In einigen wenigen Fachbereichen stösst die Universität punkto räumlicher Infrastruktur an ihre Grenzen. In den Fächern, bei denen die Betreuungsverhältnisse kritisch sind, wird von ausländischen StudienanwärterInnen ein Studienplatznachweis im Herkunftsland verlangt.


Die IGPK nimmt mit Freude zur Kenntnis, dass die Universität in allen Bereichen erfolgreich Drittmittel erwirtschaften konnte. Das gilt auch für den Bereich Life Sciences, bei dem die schweizerische Konkurrenz besonders ausgeprägt ist.


Die IGPK beantragt einstimmig mit 11:0 Stimmen, die Berichterstattung 2010 der Universität zum Leistungsauftrag zur Kenntnis zu nehmen.


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- Eintreten


Georges Thüring (SVP) will einige Fakten in Erinnerung rufen: Der Aufwand der Universität Basel ist innerhalb von zehn Jahren von CHF 318 Mio. auf CHF 643 Mio. gestiegen und hat sich damit also mehr als verdoppelt. Die Anzahl der Studierenden stieg im gleichen Zeitraum von 7'500 auf 12'000; in dieser Zeitspanne erhöhte sich der Anteil ausländischer Studierender von 15 auf 22 Prozent.


Die Universität Basel arbeitet defizitär und schliesst mit einem Mehraufwand von CHF 3,4 Mio. ab. Im Wettbewerb mit anderen Universitäten schliesst Basel aufgrund des aktuellen Rankings schlechter ab als auch schon.


Gemäss Strategie der Universitätsleitung will die Universität Basel eine Volluniversität sein. Mit anderen Worten will man möglichst alle Studiengänge anbieten. Es stellt sich die Frage, ob diese Strategie richtig und klug ist. Aus der Wirtschaft weiss man, dass nur Chance hat, wer wettbewerbsfähig ist und sich auf einige Kernkompetenzen konzentriert. Die Rankings zeigen, dass die Universität Basel im Vergleich zu internationalen Volluniversitäten wahrscheinlich zu klein ist, um mit diesen mitzuhalten. Trotzdem wollen der Universitätsrat und die Universitätsleitung an ihrer Strategie festhalten.


Es ist unverständlich und sehr bedenklich, wenn man sich weiterhin möglichen Kooperationen, beispielsweise mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) oder anderen schweizerischen Universitäten, verschliesst. Auch die Wirtschaft hätte Interesse an einer intensiven Zusammenarbeit innerhalb der schweizerischen Universitätslandschaft. Es mutet etwas arrogant an, wenn man in Basel das Gefühl hat, man müsse sich um jeden Preis auf Kosten der anderen Schweizer Universitäten international profilieren. Bekanntlich geht der Krug so lange zum Brunnen, bis er bricht. Vermutlich ist einmal erheblicher politischer Druck notwendig, damit die Universität Basel zur Vernunft kommt.


Als Schwerpunkte nennt die Uni Basel die Bereiche Life Sciences und Kultur. Vor allem der Kulturbereich ist viel zu weit gefasst, als dass sich eine klare Kernkompetenz erkennen lässt. Angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung der Life Sciences für diese Region ist dieser Schwerpunkt zwingend notwendig. Die SVP-Fraktion ist klar der Meinung, dass die Universität Basel ihre Strategie dringend anpassen muss. Es braucht keine Volluniversität, sondern eine Lehr- und Forschungsinstitution, die sich in einigen wenigen Bereichen national und international profiliert und dort tatsächlich Exzellenz ausweist.


Die Universität sollte sich auch etwas stärker an den Bedürfnissen der Wirtschaft ausrichten. Was nützen der Pharma oder der Industrie Geschlechterforscher oder Spezialisten für Nordische Philologie? Wer ist Schuld am markanten Anstieg der Studierendenzahl? Dass die Universität aber inzwischen aus allen Nöten platzt, ist den Verantwortlichen egal. Die Trägerkantone werden es mit teuren Campus oder ähnlichem schon richten. Dazu kommt, dass das Problem der Finanzierung der ausländischen Studierenden nicht gelöst ist, sondern sich allmählich bedrohlich zuspitzt. Die Uni-Verantwortlichen müssen endlich begreifen, dass Grösse und stetiges Wachstum nichts mit der gepriesenen Exzellenz zu tun haben. In das gleiche Kapitel gehört die Tatsache, dass die Ausbildungsqualität der Uni Basel sinkt. Dies verwundert nicht, wenn mit dem Vollangebot auch die Verflachung der Qualität stattfindet. Die Kantone und besonders die Politik sind nun gefordert. Im Hinblick auf die neue Leistungsperiode müssen klare Leitplanken gesetzt werden. Notfalls muss man die Universität zu ihrem Glück zwingen, schliesslich geht es auch um die langfristige Finanzierbarkeit dieser Institution; gerade weil die Universität für diese Region sehr wichtig ist, darf ihre weitere Entwicklung nicht gleichgültig sein. Im konstruktiven Sinn muss man kritisch sein und mehr als in der Vergangenheit hinterfragen. Die SVP-Fraktion kann deshalb nicht in den allgemeinen Jubel einstimmen. Im Gegenteil liegt für sie einiges im Argen und man sieht dringenden Handlungsbedarf. In diesem Zusammenhang hat man kein Verständnis für Fragen wie, dass der Frauenanteil unter den Dozierenden als schwerwiegendes und zu lösendes Problem thematisiert wird. Mit belanglosen Nebenschauplätzen erreicht man weder ein besseres Ranking noch die Lösung der strukturellen Probleme. Man nimmt den Bericht - in keiner Weise begeistert - zur Kenntnis und ist eher besorgt und verärgert über die Uneinsichtigkeit der Uni-Verantwortlichen, die offenbar auf akademischer Arroganz und Erhabenheit beruht.


Christoph Hänggi (SP) meint, die SP-Fraktion werde den Bericht der IGPK gerne zur Kenntnis nehmen. Man sieht die Situation nicht so dramatisch wie Georges Thüring. In den letzten Jahren gab es einen Wachstumsschub, den man bewältigen musste. Nun befindet man sich in einer Konsolidierungsphase und es nicht mehr Wachstum um jeden Preis angesagt, denn die kritische Grösse ist jetzt erreicht. Seitens der Universitätsleitung sieht man ein, dass man an Grenzen stösst. Die Strategie sollte nicht schon wieder geändert werden, sondern die Reformen sollten erst einmal verarbeitet und nachhaltig umgesetzt werden. Erst in ein paar Jahren sollte die Strategie überdacht werden. Seit dem Jahr 2007 gibt es die Strategieschwerpunkte Life Sciences und Kultur; diese haben sich bewährt, weshalb an diesem Weg festgehalten werden soll. Die Aussage von Unirektor Antonio Loprieno in der Sonntagspresse, am Bereich Kultur «etwas schrauben» zu wollen, war kontraproduktiv und streute Verunsicherung.


Dem schlechten Abschneiden der Universität Basel in internationalen Rankings sollte nicht eine so grosse Bedeutung beigemessen werden. Diese Rankings werden vor allem in Ländern erstellt, in denen es Volluniversitäten gibt und Technologie und Wissenschaft an einem Ort zusammengefasst sind. In der Schweiz findet technologische Forschung eher an der ETH und wissenschaftliche Forschung eher an den Universitäten statt. Deshalb muss man im Hinterkopf behalten, dass die Schweizer Universitäten per se in diesen Rankings Probleme haben. Dass die Schweiz aber zu den «Import-Ländern» im Universitätsbereich gehört, deutet darauf hin, dass die Schweizer Universitäten nicht schlecht sind. Deshalb sieht man keinen dringenden Handlungsbedarf.


Patrick Schäfli (FDP) berichtet, die FDP-Fraktion sei für Kenntnisnahme des Berichts. Die FDP-Fraktion hat sich stets für eine starke Universität Basel eingesetzt und möchte dies weiterhin tun. Allerdings ist man zunehmend besorgt über die Kostenentwicklung der Universität Basel. Es kann nicht sein, dass es innerhalb von zehn Jahren zu einer Verdopplung der Kosten kommt. Im Basler Grossen Rat fiel einmal das Votum, sollten sich die Kosten weiter so entwickeln, würden zwei Trägerkantone für die Universität bald nicht mehr reichen. Die Finanzierung muss gesichert sein und man kann nicht wie bisher weiterfahren. So stellt man sich in der FDP-Fraktion die Frage, ob man im Bereich der Fakultäten auf weniger Studiengänge und vor allem auf die für die Region Basel wesentlichen Bereiche, namentlich Life Sciences, fokussieren sollte. Es braucht eine vermehrte Zusammenarbeit mit der Life Sciences Industrie sowie mit der ETH.


Selbstverständlich sind Ratings immer umstritten und die Uni Basel ist ein Anziehungspunkt im europäischen Kontext. Im Vergleich mit den Umständen an deutschen Universitäten herrschen in Basel geradezu paradiesische Zustände.


Im Weiteren verlangt man eine verstärkte Kooperation mit der Wirtschaft, namentlich mit der Life Sciences Industrie. Dabei ist auch vermehrtes Sponsoring von Lehrstühlen in Aussicht zu stellen.


Die relativ vage Umschreibung des Begriffs der Kulturwissenschaften beweist, dass noch keine grosse Fokussierung erreicht worden ist. Im Weiteren ist man unzufrieden mit den sehr tiefen Studiengebühren für ausländische Studierende, es handelt sich im Vergleich mit anderen Schweizer Universitäten um geradezu symbolische Beiträge.


Die FDP nimmt - allerdings mit einem sehr unguten Gefühl - vom Bericht Kenntnis.


Agathe Schuler (CVP) berichtet, die CVP/EVP-Fraktion nehme vom Bericht zum Leistungsauftrag der Universität Basel Kenntnis und danke der Universität für die Information. Zum Punkt Studierendenzahl bzw. Abgeltung ausländischer Studierender soll folgende Überlegung angefügt werden: Im letzten Jahr ist vor allem die Zahl der ausländischen Studierenden angewachsen, während die Anzahl Studierender aus den beiden Basel und der Schweiz in etwa konstant geblieben ist. Dies stellt auch ein finanzielles Problem dar, sind doch die Kosten für die ausländischen Studierenden nicht ausfinanziert und bleiben bei den Trägerkantonen hängen. Allerdings handelt es sich nicht um ein alleiniges Problem der Universität Basel. Ein möglicher Weg für eine generelle Lösung ist vom Rektor der Universität Basel in der Zeitung «Sonntag» vom 18. September 2011 aufgezeigt worden. Auch will CVP-Nationalrat Gerhard Pfister in der Herbstsession mit einem Vorstoss einen neuen Gedanken anbahnen. Damit soll der Bundesrat aufgefordert werden, internationale Abkommen analog der interkantonalen Universitätsvereinbarung auszuhandeln. Diese Abkommen werden vor allem als Massnahme gegenüber den Nachbarstaaten in Frage kommen, aus denen viele Studierende an die Schweizer Universitäten kommen.


Jürg Wiedemann (Grüne) berichtet, die grüne Fraktion werde den Bericht zur Kenntnis nehmen. Nach Ansicht der grünen Fraktion hat die Universität hier ein wichtiges Standbein und muss mit genügend Geld ausgestattet sein. Man ist sich aber auch bewusst, dass die Universität in letzter Zeit immer teurer geworden ist, was ein Problem darstellt. Bereits vor zwei Jahren hat die grüne Fraktion einen Vorstoss eingereicht, mit dem geprüft werden sollte, ob in der Region ein Standort der ETH etabliert werden könnte. In Zürich hat die ETH ein Platzproblem und kann nicht weiter ausgebaut werden. Auch in Lausanne wäre dies schwierig. Für die Schweiz wäre ein drittes ETH-Standbein in Basel optimal. Die Nordwestschweiz müsste die Infrastruktur zur Verfügung stellen, der Betrieb würde weitgehend durch den Bund finanziert und die ETH könnte den Bereich Life Sciences tragend ausbilden. Jürg Wiedemann betont, gerade die SVP habe damals diesen Vorstoss bekämpft, mit dem man heute wesentlich weiter wäre. 


Hans Furer (glp) erklärt, die BDP/glp-Fraktion werde dem Bericht zustimmen. Es sind sehr kritische Worte seitens der SVP- und der FDP-Fraktion gefallen. Es muss wieder einmal auf die Bedeutung dieser Universität hingewiesen werden. Etwa um das Jahr 1800 wollte man die Universität abschaffen. Wäre dies geschehen, wäre diese Region heute nicht der zweitwichtigste Wirtschaftsstandort der Schweiz und man würde nicht einen so grossen Wohlstand verzeichnen. Nur in Zusammenarbeit mit der Lehre und Forschung konnte die Chemie- und damals die Farbenindustrie diese Entwicklung durchlaufen. Auch heute noch ist die Universität etwas vom Entscheidendsten, das die Region besitzt.


Heute Morgen ist im Nationalrat die Übergangsfinanzierung der CHF 75 Mio. für die Universität - man sagt wegen Caspar Baader, der dagegen stimmte und Christian Miesch und Hans Rudolf Gysin, die abwesend waren - abgelehnt worden. So fehlen in der Kasse der Universität nun 75 Millionen Franken. Das kann man sich eigentlich nicht leisten.


Sehr wichtig sind auch die beiden Schwerpunktbereiche: In Kultur und Life Sciences ist die Universität - weltweit - führend. Im kulturellen Bereich, gerade in der bildenden Kunst mit dem Kunstmuseum Basel, dem Beyeler Museum, dem Tinguely Museum oder der Messe Art Basel hat man eine weltweite Position inne. Deshalb ist es wichtig, dass die Kultur, aber auch andere Gebiete, breit an der Universität vertreten sind. Denn eine Gesellschaft ist vielfältig und Vielfalt muss abgebildet sein. In Basel hat man nicht nur das Potential, sondern auch die Qualität, diese Vielfalt anzubieten.


Kritisch anzumerken ist aber, dass die Universität gemäss ihrem Bericht eine Wachstumsstrategie verfolgt. Seit der Fusion des Bankvereins mit der UBS weiss man, dass Grösse nicht immer ein Kriterium für Qualität ist. So schreibt die Universität in ihrem Bericht in Bezug auf die Grössenverhältnisse «[...] ist es wünschenswert, dass sie - entsprechend ihrer Strategie und dem Leistungsauftrag 2010 bis 2013 - auch von den Grössenverhältnissen her eine Dimension erreicht, die sie gleichberechtigt neben den grossen Universitäten Zürich und Genf erscheinen lässt.» Hans Furer steht dem Anspruch, immer die Grössten und Besten zu sein, kritisch gegenüber, da man als mittelgrosse Universität vor allem in der Qualität und nicht bei der Studierendenzahl wachsen sollte.


Ruedi Brassel (SP) stimmt Georges Thüring zu, man könne nicht in allgemeinen Jubel einstimmen. In der Tat lässt sich nicht abstreiten, dass die Universität Basel mit dem bisherigen Wachstumskurs an eine Grenze stösst und sich dabei aber auch neu orientiert. In Anbetracht der seitens der SVP- und der FDP-Fraktion vorgetragenen Sorgen bekundet Ruedi Brassel aber grosse Mühe mit den von Hans Furer angesprochenen Entwicklung auf Bundesebene, die auf Entscheiden, die aus den Fraktionen der SVP und der FDP verursacht worden sind, basieren. Notfalls müsse man die Universität zu ihrem Glück zwingen, meinte Georges Thüring - sieht das Glück der Uni so aus, dass man ihr 75 Millionen Franken abzwackt durch Abwesenheit an der Nationalratssitzung oder durch Nein stimmen? Die beiden bürgerlichen Fraktionen SVP und FDP müssten einmal über die Bücher und mit ihren eigenen Leuten reden. Denn das Glück der Universität kann nicht darin liegen, dass man sie zu einem Sparkurs, zu einem Kurs von Qualitätsverlust und zur Preisgabe einer Breite - einer Universitas - zwingt. Dies stellt eine Sackgasse dar. Wenn der bürgerlichen Seite des Parlaments etwas daran liegt, das Entwicklungspotential der Universität zu stärken, mögen sie bitte dafür sorgen, dass das, was die Herren Baader, Miesch und Gysin heute in Bern boten, nicht wieder vorkommt.


Klaus Kirchmayr (Grüne) zeigt Verständnis für die Worte von Georges Thüring. So will er im Wesentlichen eine stärkere Fokussierung und eine bessere Zusammenarbeit, insbesondere mit der ETH. Das ist eine vernünftige Weiterentwicklung der Position der SVP, die man wohlwollend zur Kenntnis nimmt und für die man Verständnis hat. Das Verständnis hört aber auf mit den Tatsachen, die heute in Bern passiert sind. Dass die Region durch die Nein-Stimme von Caspar Baader und die Abwesenheiten von Christian Miesch und Hans Rudolf Gysin einen weiteren Rückschlag erleidet, ist absolut unverständlich. Klaus Kirchmayr bittet die Fraktionsmitglieder der SVP und der FDP, mit ihren Bundesparlamentariern einmal ein ernstes Wort zu führen.


Rahel Bänziger (Grüne) liegt persönlich die Lehre und Forschung sehr am Herzen. Gemäss Kommissionsbericht wurden in der medizinischen Forschung bisher 25 Prozent der Arbeitszeit für Lehre und Forschung angerechnet. Nach Einführung der DRG werden nur noch 15 Prozent berechnet. Weshalb sind dies plötzlich 10 Prozent weniger? Bedeutet dies konkret, dass 10 Prozent weniger Forschung und 10 Prozent weniger Lehre angeboten werden? Es ist sehr wichtig, dass sicher nicht bei der Lehre und Forschung gespart wird und diese nicht zu kurz kommen.


Regina Vogt und Rahel Bänziger nahmen gestern am Strategy Afternoon Life Sciences der Handelskammer Basel teil. Dort hat man festgestellt, was fehlt und wo dies fehlt. Es ist besonders wichtig, dass die Baselbieter Kantonsspitäler an der medizinischen Forschung der Universität mitarbeiten und das Unispital, vor allem mit den nötigen Fallzahlen, unterstützen, damit die Studien so aussagekräftig sind, dass sie publiziert werden können.


Urs-Peter Moos (SVP) meint, Caspar Baader wisse bestimmt genau, weshalb er so abgestimmt habe und er stelle mit Genugtuung fest, dass man nun einmal mit einem Entscheid leben müsse, der nicht so herausgekommen sei, wie es die gegenüberliegende Ratsseite gewollt habe.


Dem Phänomen, dass man für Bildung immer mehr Geld ausgibt und seitens der Linken immer das Argument vorgebracht wird, man dürfe bei der Bildung ja nicht sparen, muss entgegnet werden, dass sich in den letzten zehn Jahren die Bildungsausgaben verdoppelt haben. Auch sollte sich die gegenüberliegende Ratsseite mit dem Irrtum auseinandersetzen, Bildung werde besser, nur weil man dafür mehr Geld ausgibt.


Marc Joset (SP) meint, er habe im Kommissionsbericht darauf hingewiesen, dass die Universität auch von Entscheiden abhängig sei, die in Bern gefällt würden, insbesondere in Bezug auf das neue Hochschulförderungsgesetz. Nun können alle Kantone mitbestimmen, aber nicht alle Kantone besitzen eine Universität. Für die Mehrheit steht die hier gewünschte Fokussierung, Spezialisierung oder Konzentrierung auf bestimmte Bereiche nicht im Vordergrund, insbesondere wenn es um deren Finanzierung geht. Beispielsweise hat die Uni Basel mit der ETH die Systembiologie aufgebaut und dafür steht nun ein Topf in Bern zur Verfügung. Daraus können sich jedoch alle Universitäten bedienen. Die Zusammenarbeit und Konzentrierung wird nicht durch den Bund gefördert.


Im Übrigen hat die IGPK im Frühjahr eine Spezialsitzung durchgeführt, in dem man auf die Forderungen der kritischen Stimmen bezüglich Studiengebühren und Zulassungsbeschränkungen einging - Georges Thüring auch dabei und konnte sich gut einbringen. In der gleichen Art wird man sich an einer nächsten Sitzung mit den Themen Strategie und Exzellenz auseinandersetzen. Die kritischen Stimmen sollen dort eingebracht werden.


Regierungsrat Urs Wüthrich (SP) meint zum heutigen Entscheid in Bern bezüglich die Finanzierung der Universitäten, er stimme Urs-Peter Moos zu, Caspar Baader habe sehr wohl gewusst, was er mache: Ist er doch im Rahmen von zwei Aussprachen der Gesamtregierung sehr detailliert informiert und instruiert worden. Auch vor ein paar Tagen hat er, wie alle Parlamentarier der beiden Basel, nochmals ein persönliches Schreiben erhalten, in dem die Konsequenzen einer Nein-Stimme oder Stimmenthaltung aufgezeigt worden sind.


Bezüglich der Frage von Rahel Bänziger verweist Regierungsrat Urs Wüthrich auf den Leistungsbericht der Universität, in welchem im Bereich der medizinischen Forschung auf eine Bündelung der Kräfte im Rahmen des «Translational Medicine Hub» hingewiesen wird. Zur konkreten Beantwortung der Frage muss er die VGD kontaktieren.


Zur generellen Würdigung dieses Berichts beziehungsweise der Leistungen der Universität: Der Bildungsdirektor zeigt sich erstaunt über die Reaktion von Georges Thüring, war dieser doch an der Sitzung der IGPK Universität anwesend und nahm den Bericht zur Kenntnis. Sein Positionsbezug war ein Rundumschlag mit pauschalen Abqualifizierungen, die nicht belegt sind. Dass sich die Aussagen von Patrick Schäfli nicht stark von den Aussagen der SVP unterscheiden, ist nichts Neues.


Regierungsrat Urs Wüthrich appelliert, zur Kenntnis zu nehmen, wie viele Kooperationsprojekte die Universität Basel mit anderen Hochschulen, speziell mit der ETH, realisiert hat. Will man sich heute in ein grosses Forschungsprojekt einbringen, kann man dies nicht alleine, sondern dafür müssen verschiedene Universitäten partizipieren.


Ein ebenfalls nicht belegtes Vorurteil ist die fehlende Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Im vorliegenden Bericht sind die neuen Projekte abgebildet, bei denen Private und Unternehmen Stiftungsprofessuren finanzieren, so hat man beispielsweise von der Interpharma, dem Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen, den Auftrag, im Zusammenhang mit der Gesundheitsökonomie Forschungsarbeit zu leisten, damit man sich in Zukunft die Gesundheitsversorgung überhaupt noch leisten kann. Dieser Auftrag bringt nicht nur Geld, sondern stärkt auch die Reputation.


Wie erfolgreich sich die Universität Basel im schweizweiten Topf, im Rahmen der NCCR (nationale Forschungsschwerpunkte des Schweizerischen Nationalfonds) engagiert und positioniert, ist ebenfalls im Bericht nachzulesen.


Mit der Einrichtung eines Inkubators wurde die Grundhaltung der Forschenden wie auch die Rahmenbedingungen verbessert, damit Forschungsideen weiterentwickelt werden. So konnte man letzte Woche auch den Start des CSEM (centre suisse d'électronique et de microtechnique) in Muttenz feiern - eine Einrichtung, zu der der Kanton Baselland einen entscheidenden Beitrag leistet, sodass Ideen aus einem Forschungslabor möglichst rasch im Produkteangebot eines Anbieters landen.


Im Zusammenhang mit Rankings empfiehlt der Bildungsdirektor, nicht nur jeweils ein Ranking wahrzunehmen - und dies nicht allein aus den Medien, sondern auch die dazugehörenden Hintergrundinformationen zu konsultieren. Im Zusammenhang mit dem aktuellen Ranking muss bemerkt werden, dass genau die Schwerpunktrichtung auf die Leitindustrie dieser Region die Position der Universität Basel in internationalen Rankings verschlechtert. Der Bildungsdirektor kann mit einer schlechten Platzierung in einem Ranking deutlich besser leben als mit der Tatsache, dass sich die Leitindustrie nicht mehr mit der Universität Basel verbindet.


://: Eintreten ist unbestritten.


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- Detailberatung


Keine Wortmeldungen.


- Rückkommen


Es wird kein Rückkommen verlangt.


- Beschlussfassung


://: Der Landrat nimmt den Bericht 2010 zum Leistungsauftrag der Universität Basel mit 58:10 Stimmen bei 3 Enthaltungen zur Kenntnis. [ Namenliste ]


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Landratsbeschluss
betreffend Berichterstattung 2010 der Universität zum Leistungsauftrag (Partnerschaftliches Geschäft)


vom 22. September 2011


Der Landrat des Kantons Basel-Landschaft beschliesst::


Der Bericht 2010 zum Leistungsauftrag der Universität Basel wird gemäss § 19 Bst. b des Staatsvertrags über die gemeinsame Trägerschaft der Universität (Universitätsvertrag) vom 27. Juni 2006 zur Kenntnis genommen.


Für das Protokoll:
Miriam Schaub, Landeskanzlei



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