Protokoll der Landratssitzung vom 24. Mai 2012
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2012-094 vom 22. März 2012 Motion von Sabrina Mohn, CVP/EVP-Fraktion: Stärkung der MINT-Kompetenzen - Beschluss des Landrats vom 24. Mai 2012: < überwiesen > |
Landratspräsident Urs Hess (SVP) vermerkt einleitend, dass der Regierungsrat die Motion als Postulat entgegenzunehmen bereit wäre.
Regierungsrat Urs Wüthrich (SP) meint, die erste Herausforderung für den Regierungsrat sei gewesen, herauszufinden, worin der Unterschied bestehe zwischen diesem Vorstoss und der Motion 2009/005 , welche ein Massnahmenpaket zur Förderung des Interesses an der naturwissenschaftlichen Ausbildung in der Schule verlange. Nachdem Karl Willimann korrekterweise mit einer Motion ein Konzept verlangt, müsste richtigerweise der aktuelle Vorstoss ein Postulat sein, da es jetzt um einzelne Massnahmen geht, für welche der Regierungsrat zuständig ist. Die beiden Vorstösse zusammen ergeben an sich durchaus ein sinnvolles Ganzes, und die Berichterstattung dazu kann dann wohl als Gesamtpaket vorgenommen werden.
Sabrina Mohn (CVP) möchte dennoch am Vorstoss als Motion festhalten.
Der Fachkräftemangel aus den MINT-Fächern ist unbestritten. Aber der Bundesrat hat auch ganz klar festgehalten, dass die Entscheidung für oder gegen eine solche Ausbildung nicht erst während des Studiums gefällt werde, sondern bereits bis zum Alter von ca. 15 Jahren. Dies fällt also in den Bereich der obligatorischen Schulzeit, und darum hat der Bundesrat im erwähnten Bericht festgehalten, dass in dieser Sache die Kantone gefordert seien, weil die entsprechenden Bildungseinrichtungen in deren Hoheit liegen. Entsprechend möge dieser «MINT-Vorstoss» als Motion überwiesen werden.
Marc Bürgi (BDP) lässt verlauten, dass auch seine Fraktion den Vorstoss als Motion unterstütze. Aus seinem beruflichen Umfeld weiss er zu berichten, dass im Bereich Ingenieur-/Naturwissenschaften die Fachleute fehlen, weil eben in der Schule Kinder heutzutage nicht für diese Fächer begeistert werden. Wie erwähnt, übt im Bereich Primar- und Sek.I-Stufe der Kanton seine Hoheit aus, weshalb der Vorstoss unterstützt werden möge.
Nach Christoph Hänggi (SP) schliesst sich seine Fraktion der Haltung des Regierungsrats an und unterstützt also ein Postulat. Mit einem Postulat könnte der Regierungsrat zeigen, was zu dieser Frage schon alles getan wird.
Laut Michael Herrmann (FDP) wird seine Fraktion den Vorstoss als Motion unterstützen. Die Wirtschaft meldet einen klaren Bedarf in den naturwissenschaftlichen Fächern an.
Dominik Straumann (SVP) erinnert an die heute schon gefallene Aussage, dass Bildung ein Rohstoff sei. Nun will aber die gleiche Seite, die dies geäussert hat, nur ein Postulat zu einem Thema, dank dem die Schweiz in der Vergangenheit stark geworden ist und sie sich mit Technik und Ingenieuren weltweit Anerkennung verschafft hat.
Wenn es um Soziales etc. geht, definiert die Ratslinke Bildung offenbar anders. Des Votanten Fraktion ist aber geschlossen für eine Motion zu dieser Frage.
Jürg Wiedemann (Grüne) hält kurz fest, dass auch seine Fraktion grossmehrheitlich die Motion unterstütze.
Regula Meschberger (SP) repliziert auf Dominik Straumann, dass seine Worte nicht stimmen. Er ist offenbar nicht darüber informiert, was an den Schulen bereits läuft und welche Projekte, in deren Zentrum die Naturwissenschaften stehen, jetzt im Sommer an mehreren Schulen starten. Übrigens beginnen diese Projekte bereits auf Primarstufe und nicht erst auf Sekundarstufe. Mit einem Postulat würde also der Landrat dem Regierungsrat ermöglichen, die in dieser Sache bereits laufenden Arbeiten darzulegen. Baselland ist wahrscheinlich der Kanton mit den meisten Schulen, die sich an diesen unter dem Namen « SWiSE » firmierenden Projekten beteiligen.
Karl Willimann (SVP) bemerkt, dass der Vorstoss ein Nachfolger dessen sei, was seine Fraktion schon seit einigen Jahren fordere. Zum Glück haben es nun alle eingesehen, dass Baselland hier dringend Nachholbedarf hat und endlich etwas gehen muss. 2006 kamen unter den Abgängern der ETH Zürich nur deren 6 aus dem Kanton Baselland. Demgegenüber besteht in den Fächern der philosophisch-historischen Richtungen eine «Überproduktion». Gemäss dem Spruch «Die Wahrheit setzt sich in der Wiederholung durch» soll der Vorstoss als Motion überwiesen werden.
Jürg Wiedemann (Grüne) weist Regula Meschberger darauf hin, dass - verglichen mit dem Ist-Zustand für das Schwerpunktfach Mathematik, welches auch Fragen der Informatik und Technik behandelt und also inhaltlich sehr nahe am Fach MINT sei - mit der Umsetzung von HarmoS in diesem Bereich ein deutlicher Abbau um 50% zu erwarten sei. Heute wird das Fach 2 Jahre lang mit 4 Wochenstunden unterrichtet, neu mit HarmoS wird es während 3 Jahren mit 2 Wochenstunden unterrichtet.
Martin Rüegg (SP) erinnert allerdings an die Sekundarstufe II, auf welcher die Dauer des Gymnasiums ja um ein halbes Jahr verlängert werde. Ausserdem befindet sich die Entwicklung der Rahmenstundentafel in der letzten Phase, wobei damit sowohl Mathematik als auch die MINT-Fächer gestärkt werden. Auch mit dem Lehrplan 21 werden zudem die MINT-Fächer gestärkt, so dass dieser Vorstoss «offene Türen einrennt»: Das Problem ist erkannt.
Regierungsrat Urs Wüthrich (SP) hat den Eindruck, dass sich die Landräte «wie bei einem Konzil gegenseitig davon überzeugen wollen, dass man katholisch ist». Inhaltlich besteht zwischen Landrat und Regierungsrat keine Differenz zum Handlungsbedarf. Es geht aber um die Frage, ob der Landrat seine eigenen Spielregeln respektiere oder nicht. Er kann mit einem Postulat vom Regierungsrat einen Bericht verlangen oder den Regierungsrat auffordern, in dessen Zuständigkeitsbereich zu handeln. Eine Motion ist in diesem Zusammenhang das falsche Mittel. Darum möge der Vorstoss in ein Postulat gewandelt werden, wobei dessen Wirkung stärker sein wird, weil so das richtige Instrument eingesetzt wird.
://: Der Landrat beschliesst mit 60:14 Stimmen bei 3 Enthaltungen, die Motion zu überweisen. [ Namenliste ]
Für das Protokoll:
Michael Engesser, Landeskanzlei
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