Protokoll der Landratssitzung vom 25. Februar 2016

Nr. 519

Landratspräsident Franz Meyer (CVP) informiert, dass der Regierungsrat das Postulat entgegen nimmt.


Florence Brenzikofer (Grüne) lehnt namens ihrer Fraktion auch dieses Postulat mehrheitlich ab. Der Grund ist, dass die BKSD Evaluationen durchgeführt hat, die bei der Marschhalttruppe angesiedelt sind. Es gab eben erst eine Evaluation zur Fremdsprachenweiterbildung. Deshalb ist es nicht nötig, das Postulat zu überweisen.


Miriam Locher (SP) sieht im Postulat einen weiteren Vorstoss, der die Fremdsprachendidaktik angreift. Die SP-Fraktion ist der Meinung, dass der eingeschlagene Weg weiterverfolgt werden soll und stellt die Behauptung, die Weiterbildung könne auch im Selbststudium erfolgen, in Frage. Es ist anmassend, solch laute Kritik zu äussern, ohne diese Kurse selber besucht oder mit den Lehrmitteln unterrichtet zu haben. Die SP ist ganz klar gegen eine Überweisung.


Thomas Bühler (SP) gibt zu, dass er seine Rede weder auf Französisch auf Englisch geplant habe. Der Votant versichert sich aber eingangs, dass niemand etwas gegen sein Schriftdeutsch einzuwenden hat.


Der Sprecher findet, dass man die Lehrpersonen des Kantons (auf Volksschulstufe) weder über- noch unterschätzen dürfe. Sie sollen nicht überschätzt werden in Bezug auf die Innovationsresistenz, die Lehrpersonen an den Tag legen. Die Lehrpersonen in diesem Kanton (und wohl auch in anderen Kantonen) sind ziemlich resistent gegenüber jeglicher Art von Innovationen und Neuerungen. Sie nehmen sehr kritisch und differenziert zur Kenntnis, wenn etwas Neues kommt, etwas, das als didaktische Umpolung allenfalls betitelt ist. Der Votant hat diese Umpolung im Bereich des Englischunterrichts miterlebt und diese Kurse besucht. Sein Eindruck ist, dass die Kolleginnen und Kollegen, die mit ihm diesen Kurs besucht hatten, anschliessend nicht didaktisch umgepolt gewesen sind. Weitaus gefehlt. Die allermeisten Kolleginnen und Kollegen aber - zumindest für die Primarschule lässt sich das sagen - empfanden es als bereichernd, ein neues Lernmittel kennen zu lernen, Zeit zu erhalten, dies kennen zu lernen, sowohl einen Einblick in Didaktik und Methodik zu erhalten. Aber: Die Lehrpersonen machen sich dort ein eigenes Bild davon. Der Votant ist überzeugt, dass dies nicht einfach so in die Klassen zu übertragen ist. Es macht aber Sinn, dass die Lehrpersonen auch verschiedene neue Konzepte zur Kenntnis nehmen und mit diesen umzugehen versuchen.


Im vom Votanten selbst veranstalteten Unterricht findet noch ziemlich viel Frontalunterricht statt. Es findet aber auch Unterricht in Lernlandschaften statt, sehr differenzierter Unterricht. Er persönlich geht mit dem «New World» so um, wie er es als richtig empfindet, um das Lehrplanziel zu erreichen. Nach anderthalb Jahren lässt sich festhalten, dass «New World» ein sehr gutes Lehrmittel ist.


Der Votant ist überzeugt davon, dass die Lehrpersonen Kurse über sich ergehen lassen dürfen, auch obligatorisch erklärte Kurse. Auch die Sekundarlehrpersonen dürfen das. Es ist nicht anzunehmen, dass das Schulsystem daran zugrunde gehen wird.


Paul Wenger (SVP) sagt, dass die SVP-Fraktion das Postulat unterstützen werde. Kollege Wiedemann bittet ja den Regierungsrat lediglich, die Stornierung zu prüfen. Es gibt selbstverständlich verschiedene Ansichten dazu. In einem kann der Votant seinem Vorredner zustimmen: Lehrpersonen sind wirklich sehr resistent sind gegenüber der Einführung neuer Unterrichtsformen oder dergleichen. Das ist leider so. Eine gewisse Trägheit gilt es aber zu überwinden, wenn man dazu genügend Kraft aufbringt.


Jürg Wiedemann begründet das in seinem Postulat mit Erfahrungen von langjährigen Fremdsprachenlehrpersonen. Diese gibt es, und es gibt solche, die diese Meinung zu 100 Prozent teilen. Der Votant glaubt aber auch, dass eine Englisch- oder Französischlehrperson, die ein Fachstudium absolviert hat, wirklich in der Lage sein muss, ein neues Lehrmittel unterrichtsbezogen und stufengerecht kennen zu lernen und anzuwenden - auch ohne einen solchen Kurs besucht zu haben. Das muss man von einer Person mit Universitätsabschluss, die sich übrigens auch in einer anständigen Lohnklasse aufhält, erwarten können. Eine Prüfung ist also absolut angezeigt. Die SVP-Fraktion wird aus diesem Grund das Postulat einstimmig unterstützen.


Auch die CVP/BDP-Fraktion wird den Vorstoss nicht überweisen, so Sabrina Corvini-Mohn (CVP). Er zielt klar auf zwei Lernmittel ab. Die Lernmittelwahl liegt nun aber definitiv nicht in der Kompetenz des Landrats. Deshalb gilt es auch hier die Flughöhe zu beachten.


Christine Koch (SP) weist darauf hin, dass in der Schule erst seit anderthalb Jahren mit «New World» unterrichtet werde. Die Oberstufe hat noch gar keine Erfahrung damit machen können. Man muss mindestens abwarten, bis man dort auch Erfahrungen sammeln konnte. Darum bittet die Votantin, das Postulat abzulehnen.


://: Der Landrat überweist das Postulat 2015/227 mit 43:32 Stimmen bei einer Enthaltung. [ Namenliste ]




Für das Protokoll:
Markus Kocher, Landeskanzlei


Back to Top