Protokoll der Landratssitzung vom 25. November 2010
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2009-189 vom 25. Juni 2009 Postulat von Martin Rüegg, SP-Fraktion: Subventionierung des Sportmuseums Schweiz - Beschluss des Landrats vom 25. November 2010: < überwiesen > |
Regierungsrat Urs Wüthrich (SP) informiert, der Regierungsrat lehne das Postulat ab. Das Sportmuseum Schweiz als Kompetenzzentrum für Sportkultur habe ein neues Museumskonzept erarbeitet. Es wolle sich nicht mehr nur auf Ausstellungen an seinem Sitz an der Missionsstrasse in Basel beschränken, sondern es wolle als mobiles Museum handeln und sich auch vernetzen. Heute werden Institutionen im Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Publikumsbereich jeweils gezielt unterstützt. Dies äusserte sich in den letzten Jahren darin, dass der Regierungsrat verschiedene mobile Ausstellungen des Sportmuseums mit namhaften Beiträgen aus dem Lotteriefonds mitfinanzierte.
Dem Regierungsrat ist bekannt, dass am 11. März 2009 im Basler Grossen Rat ein entsprechendes Budgetpostulat überwiesen wurde, welches eine jährliche Unterstützung des Sportmuseums seitens des Kantons in der Höhe von 150'000 Franken vorsieht.
Im Kanton Basel-Landschaft besteht die Praxis, Gesuche zur Mitfinanzierung von konkreten Projekten bei entsprechender Qualität zu bewilligen. Dies war bisher beim Sportmuseum immer der Fall. Museen wurden bei den Partnerschaftsverhandlungen mit Basel-Stadt jedoch ausdrücklich vom Kulturpaket ausgenommen und Basel-Landschaft richtet generell keine Betriebsbeiträge an Museen aus. Dies gilt auch für das Sportmuseum. Die Regierung will an der bisherigen Praxis der projektorientierten Förderung und Finanzierung festhalten und lehnt daher eine Subventionierung des Sportmuseums Basel ab.
Martin Rüegg (SP) merkt an, der Direktor des Sportmuseums sei heute hier im Regierungsgebäude anwesend und habe einige Gegenstände aus seinem Museum mitgebracht, unter anderem die goldene Trillerpfeife, mit welcher Godi Dienst 1966 das Wembley-Tor in England pfiff oder ein poppiger Skihelm aus dem Jahr 1972, mit welchem Marie-Theres Nadig in Sapporo die Abfahrt gewann. Weniger bekannt ist vielleicht, dass 1964 genau das Gegenteil des Erfolgs in Sapporo passierte: Die Schweizer Athletinnen und Athleten brachten keine einzige Medaille von den Winterspielen nach Hause. Dies geschah weder früher noch später je wieder. Der Misserfolg führte zu einiger Hektik in der Schweiz. Nicht zuletzt führte dies dazu, dass Adolf Ogi später Bundesrat wurde. Er führte die Mission 1972 an und wurde mit dem Spruch "Ogis Leute siegen heute" bekannt. Dem Sportmuseum gehe es darum, Gegenstände und vor allem auch die damit verbundenen Geschichten ins Zentrum zu rücken.
In den letzten dreissig Jahren wurde Sport zu einem festen Bestandteil unseres Alltags. Rund 2/3 der Schweizer Bevölkerung treiben Sport, noch mehr schauen Sportsendungen am Fernsehen. Beinahe jede Person besitzt heute Sportartikel, seien dies Sportschuhe, ein Mountainbike, ein Snowboard, ein Pulsmesser oder einen Golfschläger. Sport ist heute ein Element des modernen Lebensstils. Was für den Einzelnen gilt, gilt erst recht für die Wirtschaft und die Politik. Kaum ein Unternehmen betätigt sich heute nicht als Sponsor von Sportanlässen, kaum eine Gemeinde verfügt nicht über eine Sporthalle oder zumindest über einen Sportplatz, kaum ein Sportanlass wird nicht von Politikerinnen oder Politikern aktiv oder passiv besucht. Kein anderer gesellschaftlicher Bereich, welcher derart viele Menschen und Medien bewegt, wird kulturell so vernachlässigt. Sport ist nicht nur Kult und Kommerz, Sport ist auch Kultur. Dies geht jedoch immer wieder im Blitzlichtgewitter der Medien, welche sich vor allem auf den Spitzensport konzentrieren, vergessen.
Seit über 60 Jahren befasst sich das Sportmuseum Schweiz (es handelt sich nicht um ein Basler Museum und steht daher auch nicht im Zusammenhang mit partnerschaftlichen Geschäften) mit der Aufgabe, unser sportkulturelles Erbe zu sichern und zu vermitteln. Kunstmuseen, Heimatmuseen, naturhistorische Museen gibt es viele, das Sportmuseum jedoch ist in der Schweiz einmalig. Es gehört zu unserer Region und passt bestens zur Sport- und Museumsstadt Basel. Das Sportmuseum Schweiz mit Sitz in Basel verfügt über grosses Potential. Seit die junge, unternehmungslustige, aber auch unternehmerisch handelnde Crew im Jahr 2005 das Sportmuseum Schweiz übernahm, gelang es, beispielsweise die Ausstellungen zur Euro 08 oder die Panini-Bilder von Schwingerkönigen im Vorfeld des eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes in Frauenfeld mit Hilfe von Sponsoren finanziell abzusichern. Mit anderen Worten: Die Projekte sind immer finanziell abgesichert, es fehlt jedoch eine gesicherte Basisfinanzierung für die Pflege der gut 130'000 Einzelstücke, welche sich im Fundus des Museums angesammelt haben. Ohne diese Einzelelemente können keine Ausstellungen gestaltet werden. Sie befinden sich auf Baselbieter Boden, in Birsfelden. Es ist geplant, aus dem heutigen Lager ein Begeh-Lager zu machen, welches der breiten Öffentlichkeit zugänglich wäre.
Der Kanton Basel-Stadt, zusammen mit dem Bund und Swiss Olympic, ist bereit, die Basisfinanzierung des Sportmuseums zu unterstützen. Martin Rüegg bittet den Landrat nun darum, partnerschaftlich mit den drei übrigen Trägern mitzuhelfen, das Museum in der Region zu halten und zu unterstützen.
Thomas de Courten (SVP) erklärt, die SVP-Fraktion könne dem vorliegenden Postulat nicht zustimmen, auch wenn sie dem Sportmuseum Sympathien entgegen bringe. Einige Fraktionsmitglieder hätten das Museum auch schon besucht und sich darüber gefreut. In der heutigen Situation müsse man sich jedoch überlegen, ob das Sportmuseum, welches bisher von einer privaten Trägerschaft finanziert wurde, eine neue staatliche Aufgabe auch für den Kanton Basel-Landschaft darstellen soll. Wir stehen zur Zeit in einer Situation, in welcher wir uns sehr genau überlegen müssen, welche Aufgaben dem Staat neu zugeteilt und mit unseren Steuern zusätzlich finanziert werden. Viele Dinge wären wünschbar, jedoch können und wollen wir nicht alles übernehmen. Neue Ausgaben können wir uns nicht leisten. Durch den Entscheid, den Betrieb des Sportmuseums nicht finanziell zu unterstützen, wird die Sportförderung, welche der Kanton Basel-Landschaft mit dem Sportamt bereits sehr intensiv betreibt, nicht tangiert. Das Sportmuseum stelle eine sympathische Kuriositätensammlung dar, welche erhalten werden soll, dies jedoch muss von privater Seite finanziert werden. Eine solche Aufgabe kann nicht zusätzlich dem Kanton oder dem Staat überbunden werden.
Die SVP-Fraktion schliesst sich der Haltung des Regierungsrates an und sie bittet den Landrat mit Bedauern darum, das Postulat abzulehnen.
Christoph Frommherz (Grüne) gibt bekannt, nach den Diskussionen in der Grünen Fraktion sei man zum Schluss gekommen, das Sportmuseum leiste sehr gute Arbeit. Viele Projekte werden gesponsert, mit allen ist sehr viel Herzblut verbunden. Heute verfolgt das Museum ein geniales Konzept: Es möchte in einer Lagerhalle ein Stück Volkskultur bespielen, welche sonst brach läge. Das Sportmuseum möchte Geschichten rund um interessante Exponate zeigen. Sportanlässe eignen sich sehr gut für das Sponsoring, die für das Begeh-Museum notwendige Lagerhalle jedoch ist mittels Sponsoring nur schwierig zu finanzieren. Nach wie vor sind die Mitglieder der Grünen Fraktion der Meinung, man stecke lieber Geld in Kultur als in vergoldete Strassen. Sie stimmen daher dem vorliegenden Postulat zu.
Michael Herrmann (FDP) erklärt, auch die Mitglieder der FDP-Fraktion hegten Sympathien gegenüber dem Sportmuseum. Die Betreiber des Museums leisten gute Arbeit und es ist löblich, dass das Museum bisher praktisch ohne staatliche Gelder auskommt. Er hofft, das Museum werde auch auf dieser Basis weiterarbeiten. Die FDP-Mitglieder sind der Meinung, es sei keine staatliche Aufgabe, das Sportmuseum zu unterstützen, weshalb sie das Postulat ablehnen. Sie hoffen trotzdem, dass die Initianten mit vollem Engagement weiterarbeiten werden.
Christian Steiner (CVP) stellt fest, in der hier diskutierten Frage sei die CVP/EVP-Fraktion gespalten, wobei eine kleine Mehrheit das Postulat überweisen möchte. Die Argumente pro und kontra wurden bereits genannt. Auch die CVP/EVP bringt der kulturellen Institution Sportmuseum Sympathien entgegen und möchte diese unterstützen. Im Gegenzug jedoch müssen Prioritäten gesetzt werden und das Leisten von Betriebsbeiträgen an ein Museum würde eine Neuerung darstellen. Die Mitglieder der CVP/EVP-Fraktion konnten sich, wie bereits gesagt, nicht auf eine Meinung einigen.
Simon Trinkler (Grüne) ist es wichtig zu betonen, dass der Sport einen wichtigen Teil der Volkserinnerung darstellt, welcher vom Sportmuseum unterstützt wird. Einige der Erinnerungsstücke, welche im Besitz des Museums sind, können explizit als Volkskultur bezeichnet werden. Zur Volkskultur gehört unter anderem Schwingen, Turnen, Velofahren, Tennis, etc. Viele Sportarten haben ihren Ursprung in der Schweiz und wurden teilweise in der Schweiz gross, so das Skifahren. Derartige Exponate und die Erinnerung an die Exponate werden vom Museum vermittelt. An den Exponaten hängen tolle, berührende, schöne, traurige und spannende Geschichten. Der Landrat soll heute dazu beitragen, diese Erinnerungskultur dem Volk zugänglich zu machen.
Martin Rüegg (SP) geht es nicht darum, das Begeh-Lager nun einzurichten. Dieses sei Teil eines fremdfinanzierten Projekts. Ihm geht es darum, die Exponate zu erhalten und vor Verfall zu schützen, hier eine Basisfinanzierung zu gewährleisten. Ohne den Erhalt der Objekte sind keine Ausstellungen und Projekte möglich. Er bittet den Landrat darum, sich für einen Beitrag an die Basisfinanzierung auszusprechen. Er könnte auch damit leben, diese Finanzierung anfänglich nur für zwei oder drei Jahre auszusprechen und später eine weitere Unterstützung erneut zu prüfen.
://: Der Landrat überweist das Postulat 2009/189 mit 40:32 Stimmen bei 6 Enthaltungen an den Regierungsrat. [ Namenliste ]
Für das Protokoll:
Andrea Maurer, Landeskanzlei
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