Protokoll der Landratssitzung vom 25. November 2010
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2009-307 vom 29. Oktober 2009 Postulat von Jürg Wiedemann, Grüne Fraktion: Schule ausserhalb des Klassenzimmers - Beschluss des Landrats vom 25. November 2010: < abgelehnt > |
Regierungsrat Urs Wüthrich (SP) erläutert die ablehnende Haltung der Regierung: Die zeitlichen Rahmenbedingungen und Zuständigkeiten im Zusammenhang mit Lagern sind geklärt worden mit ausdrücklicher Zustimmung des Landrats. Der Regierungsrat sieht keinen Handlungs- und Regelungsbedarf und ist konsequenterweise gegen die Überweisung des Postulats. Am 11. Februar 2010 hat der Landrat mit der Abschreibung des Postulats 2006/029 «Reduktion der Stundenausfälle an der Sekundarstufe 1» bekräftigt, dass jeder Klasse pro Jahr zehn Schultage für Lager zur Verfügung stehen sollen. Inzwischen ist das Reglement Schulreisen, Schullager, Projekt- und Kurswochen angepasst worden und am 1. August 2010 in Kraft getreten. Wichtig ist, dass die Zuständigkeit nicht bei den einzelnen Lehrpersonen liegt, sondern dass die Schulleitung für die Bewilligung von Klassenlagern zuständig ist, wie das in der Verordnung über die Sekundarschulen geregelt ist. Darüber hinaus kann der Schulrat Eckwerte festlegen. Der Regierungsrat ist der Überzeugung, diese Regelung mache in der Praxis Sinn, insbesondere auch aus organisatorischen Gründen wie Inhalte der Lager, Frage der finanziellen Tragbarkeit, Ersatzstundenpläne, Einsatz zusätzlicher Lehrpersonen usw. Dem Regierungsrat ist nicht bekannt, dass diese Vorgaben in der Praxis zu Problemen führen, weshalb man wie bereits erwähnt keinen Handlungsbedarf eruiert.
Postulant Jürg Wiedemann (Grüne) erklärt, er habe sich über die neue Weisung an die Schulleitungen gefreut.
Der Vorstoss hat keine finanziellen Konsequenzen. Das Anliegen soll mit den durch die Bau- und Umweltschutzdirektion bewilligten Mittel für Schullager finanziert werden. Der Grund des Vorstosses ist, dass die Möglichkeit von Klassenlagern von den Schulleitungen sehr unterschiedlich gehandhabt wird. Gewisse Schulleitungen sind sehr zurückhaltend, sodass sie in den ersten Klassen keine Lager zulassen. Ziel des Vorstosses ist, dass Klassenlehrpersonen im Grundsatz das Recht haben, unter den vorgegebenen finanziellen Möglichkeiten, Schullager durchzuführen. Der Postulant bittet deshalb um Überweisung des Postulats.
Eva Chappuis (SP) erklärt, die SP-Fraktion lehne das Postulat ab. Nicht dass sie etwas gegen die Verlegung des Unterrichts ausserhalb der Klassenzimmer hätte - Unterricht ausserhalb des Klassenzimmers ist aus sozialpädagogischen Gründen sinnvoll und zur Vermittlung gewisser Lerninhalte gemäss Lehrplan sogar notwendig. Seitens der SP-Fraktion gehört man zu den absoluten Verfechterinnen und Verfechtern von Unterricht ausserhalb der Klassenzimmer innerhalb der jetzt geltenden Regelungen. Die Forderung von Jürg Wiedemann widerspricht allerdings dem Bildungsgesetz, gemäss dem man teilautonome, geleitete Organisationen hat. Schulen sind nicht mehr leitbar, wenn Lehrkräfte mit ihren Klassen «verschwinden», wenn es ihnen gerade passt. Es braucht Organisation und die verbleibenden Klassen benötigen einen gesicherten Unterricht, wofür Leitung und nicht Chaos benötigt wird. Sollte es an einzelnen Standorten Probleme geben und wirklich Unterricht ausserhalb der Klassenzimmer verhindert werden, muss das Problem lokal und nicht via Landrat angegangen werden.
Christian Steiner (CVP) meint, Eva Chappuis habe bereits alle Argumente auf den Tisch gebracht. Es gibt klar geleitete Schulen mit einer Hierarchie. Es ist nicht verständlich, weshalb in gewissen Angelegenheiten der Regierungsrat direkt an die Lehrer gelangen soll. Die CVP/EVP-Fraktion lehnt das Postulat ab.
Regina Vogt (FDP) erklärt, die FDP-Fraktion lehne das Postulat ebenfalls ab. Der Postulant stellt eine unterschiedliche Handhabung der geltenden Regelungen fest. Mit persönlichem Engagement der Lehrkräfte und Schulleitungen steht und fällt die Sichtbarkeit der Arbeit und des Erfolgs. Kein Gesetz ist im Stande, allfällige Schwerfälligkeiten zu umwinden. Aber man will grundsätzlich engagierte Lehrpersonen für Kinder, die die bestehenden Möglichkeiten nutzen.
Für das Protokoll:
Miriam Schaub, Landeskanzlei
Laut Thomas de Courten (SVP) deckt sich das Meiste des bisher Gesagten mit der Mehrheitsmeinung der SVP.
Paul Wenger (SVP) spricht für eine Minderheit der SVP-Fraktion: Jürg Wiedemann habe sein Postulat wohl begründet, auch wenn der Titel des Vorstosses vielleicht ein bisschen unglücklich gewählt sei. Das Ziel sind motivierte Lehrer und ebensolche Schüler. Diese nämlich sollen lernen, selbstständig zu denken und zu arbeiten. Und genau solche Anlässe fördern dies, wohlgemerkt immer unter folgenden Voraussetzungen: 1. dass das Projekt sinnvoll ist, 2. dass die Schulleitung oder der Schulrat die Projekte prüft und billigt. Er habe sich die Mühe genommen, ein solches, von Kollege Wiedemann durchgeführtes Projekt, näher zu betrachten. Dabei hat er sich drei Arbeiten zum Thema Alpen («Alpenarbeit») in Farbe ausgedruckt. Zieht nun ein Sekundarlehrer mit seiner Klasse ein solches Projekt durch, so steckt dahinter eine gewaltige Arbeit, die weit über das hinaus geht, wozu eine Lehrperson verpflichtet ist. Das genannte Projekt bezeichnet er als schlicht 'sensationell'.
Die Schüler sind im Rahmen des Projektes unterwegs und wohnen in bescheidensten Verhältnissen, arbeiten 7 bis 8 Stunden pro Tag, verarbeiten den aufgenommenen Stoff mittels Notizen; anerkennend bemerkt er, das sei schon halb wissenschaftlich. Und am Schluss kommt ein Projekt heraus, welches nur dank derart engagierter Lehrpersonen möglich ist. Er sieht keinen Grund, warum so etwas nicht ermöglicht werden sollte. Kernproblem am Ganzen seien die Schulleitungen. Professionelle Schulleitungen würden ihren Lehrkörper kennen und könnten in etwa einschätzen, wer 'vielleicht etwas mehr macht' und wer seriös arbeitet... Jedenfalls sollte aber seines Erachtens eine seriös arbeitende Lehrperson, die solche Produkte heraus bringt, nicht daran gehindert werden, dies zu tun. Er bittet das Ratskollegium um Überweisung des Postulats.
://: Mit 47 Nein- : 25 Ja-Stimmen bei 1 Enthaltung lehnt der Landrat das Postulat ab. [ Namenliste ]
Für das Protokoll:
Brigitta Laube, Landeskanzlei
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