Protokoll der Landratssitzung vom 29. Januar 2015

Nr. 2587

Gemäss Landratspräsidentin Myrta Stohler (SVP) nimmt der Regierungsrat das Postulat entgegen und beantragt gleichzeitig Abschreibung. Es liegt eine schriftliche Begründung vor.


> Begründung des Regierungsrats


Gerhard Schafroth (glp) findet die Antwort des Regierungsrates sehr zurückhaltend im Sinne von: Von einer Internet-Universität ist man noch weit entfernt und damit kann kein Geld gespart werden, also lassen wir das vorerst bleiben, anders ist es auch immer gegangen. Zur Zeit findet in Bezug auf Internet-Universität eine sehr rasche Entwicklung statt; dies kann man fest stellen, wenn unter dem betreffenden Stichwort das Internet abgefragt wird oder auch bei der Lektüre entsprechender Zeitschriften. In den USA gibt es eine Universität, die jegliche Hörsäle abgeschafft hat und nur noch über Internet funktioniert. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Zwischenformen und in Deutschland einige Universitäten mit einem Grossangebot. Nun sei es so: Ausbildung ist ein repetitiver Prozess, und bei jedem repetitiven Prozess lassen sich Kosten sparen, indem dieser standardisiert wird. Anstatt eine Vorlesung stets zu wiederholen, kann diese einmal gut aufgezeichnet und dann ein bis zwei Jahre abgespielt werden, um danach angepasst zu werden. Dies ist anspruchsvoll für die Professoren, sie werden mehr auf Qualität getrimmt, das Niveau wird höher und die Kosten tiefer. Der hier zutage tretende Widerstand gegen diesen 'ganz normalen' Standardisierungsprozess sei einerseits verständlich, da ein völliges Umdenken damit einhergehe. Wird aber diese Standardisierungsmöglichkeit in Basel nicht jetzt ergriffen, so tun es andere Universitäten, und die Baselbieter Studierenden werden dorthin abwandern, wo dies möglich ist. Das Internet ist ungebunden. Die Auslöser des Prozesses werden die Gewinner sein, die andern haben das Nachsehen, ist der Votant überzeugt. Es sollte eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgen. Schliesslich zahle das Baselbiet die Hälfte der Universitätskosten und sollte an einer guten Ausbildung, aber auch an Kostenersparnis interessiert sein. Gerhard Schafroth plädiert für Nichtabschreibung des Postulats, um damit die Universität Basel zu ermuntern, ihren Internetanteil voranzutreiben.


Christoph Hänggi (SP) ist mit der SP für eine Überweisung mit Abschreibung. Die regierungsrätliche Antwort könne auch anders verstanden werden, entgegnet er seinem Vorredner. Die Erklärung ist schlüssig, insbesondere wird darin aufgezeigt, dass es an der Universität eine Abteilung Bildungstechnologie gibt, ein Vizerektorat Lehre und Entwicklung. Diese beschäftigen sich bereits mit dem Thema; es sind Entwicklungen im Gange und das Know-How ist vorhanden. Ein Umzug der beiden Stelleninhaber von Basel nach Liestal würde keinen grossen Mehrwert ergeben. Es gäbe nicht mehr Steuereinnahmen und auch nicht mehr Studierende. Offenbar habe auch der Einwohnerrat Liestal einen gleich gearteten Vorstoss nicht entgegen nehmen wollen.


Gemäss Marianne Hollinger (FDP) ist auch die FDP für Überweisung und Abschreibung. Ein Ziel des Postulats, dass Liestal einen Uni-Standort hätte, werde völlig verfehlt, da hier einzig ein Büro mit Administration und Technik eingerichtet würde - mit ein paar wenigen Angestellten - also bei Weitem nicht das, was man sich gemeinhin unter einem Uni-Standort vorstelle. Inhaltlich sei wohl eher der Universitätsrat zuständig für einen Entscheid. Nichtsdestotrotz dürfe sich das Baselbieter Parlament dazu Gedanken machen. Die Uni befasst sich richtigerweise bereits mit dem Zukunftsthema. Es wurde ein Zentrum eingerichtet, das bereits mit Stellen bestückt ist; nicht aber mit der Priorität, dass jetzt in grossem Umfang ganze Studiengänge angeboten werden. Bis ins Jahr 2017 sollen diese aufgegleist und dann über das vorhandene Angebot und einen allfälligen Ausbau entschieden werden. Die FDP kann dieser Universitätsstrategie folgen und ist einverstanden damit. Auch im Sinne eines effizienten Ratsbetriebs am Ende der Legislatur plädiert die Votantin nochmals für Abschreibung. Ein Zurückkommen auf das Thema wäre allenfalls im Jahr 2017 möglich.


Klaus Kirchmayr (Grüne) hat Einblick in diesbezügliche Aktivitäten bei der ETH, welche schon sehr viel in die Internetausbildung investiert und einige Erfahrung damit hat. Auch in dieser Hinsicht gehört die ETH zu einem der führenden Institute. Die ETH hat sich nach einer strategischen Review dazu entschieden, diese Aktivitäten zurück zu fahren, weil es zu einer Verwässerung der Qualität führe. Dies als zusätzliches Argument, neben der Zuständigkeitsfrage. Der Landrat hält es nicht unbedingt für eine zielführende Strategie, allzu stark in diesen Bereich zu investieren, gerade auch angesichts einer längerfristigen Qualität der Universität. Schon gar nicht sollte es eine politisch angeregte Strategie sein. Die Grünen sind für Überweisung und Abschreibung.


Peter H. Müller (CVP) ist von Seiten CVP/EVP für Abschreibung. Es sei alles schon gesagt. Allerdings gelte es, sich zusammen mit den Universitäten und Fachhochschulen in der Region wie auch bin der Schweiz Gedanken zu machen, wie das Internet fürs Studium selbst näher an die Universitäten heran gebracht werden kann.


Urs-Peter Moos (BDP) meint, für einmal könne er das Votum von Gerhard Schafroth zu 100 % unterschreiben. Es ist für ihn selbst nicht nachvollziehbar, warum der Landrat nicht Impulse setzen respektive Vorgaben machen sollte, die auch das Baselbiet als innovativen - und Universitätskanton voranbringen würden. Die Gegenargumente seien teilweise hanebüchen: aufgrund der ausgehenden Legislatur solle das Postulat jetzt abgeschrieben werden, um erst im 2017 wieder auf das Thema zurück zu kommen. Klaus Kirchmayr entgegnet er, dass die ETH Zürich natürlich bezüglich Studiengänge in keiner Weise mit der Universität Basel zu vergleichen sei. Bei der Jurisprudenz oder den Wirtschaftswissenschaften gebe es durchaus Möglichkeiten im Online-Bereich. Vielleicht liege es ein wenig am Absender. Er bedauert, dass eine Abstimmung nach der andern zu Vorlagen, die ein wenig Pep in den Kanton bringen könnten, abgelehnt werden. Dies werde wohl auch nach den Wahlen nicht besser. Der Votant ist gegen Abschreibung des Postulats.


Den Hinweis auf das Jahr 2017 geschah mit Hinweis auf Verabschiedung des Leistungsauftrags mit der Universität, stellt der Bildungsdirektor klar. Und mit diesem kann der Landrat Einfluss auf die zukünftige Schwerpunktbildung nehmen. Dies ist die korrekte Ebene, auf welcher sich das Parlament einbringt. Es gelte auch in diesem Bereich, Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen. Klaus Kirchmayr habe eine Betrachtungsweise in die Diskussion eingebracht. Es wäre ein wenig kühn, praktisch aus dem Stand zu sagen: Doch, macht das! Die Schwäche des Vorstosses ist, dass er ein Doppelvorstoss ist, der einerseits eine Idee verficht und andererseits eine Postleitzahl fordert. Das Element Postleitzahl macht ihn problematisch. Denn unabhängig davon, mit welchem Tempo die Universität Basel diesen Bereich vorwärts bringen möchte, muss immer überlegt werden, welche Synergien genutzt und welche verloren würden mit einem Büro in Liestal. Der Aufbau irgend eines Verbindungsbüros in Liestal mit ein paar Mitarbeitern und ein Messingschild allein machen noch nicht einen Universitätsstandort aus, wenn viel Arbeit weiterhin an den jeweiligen Standorten der entsprechenden Fakultäten getan werden müsste.


Vor diesem Hintergrund appelliert Regierungsrat Urs Wüthrich, in Respektierung der Spielregeln, die sich das Parlament selbst gegeben hat in Zusammenhang mit dem Staatsvertrag, die Frage dort zu deponieren, wo sie auch inhaltlich geklärt werden kann.


://: Der Landrat überweist das Postulat 2014/056 mit 50:17 Stimmen bei 1 Enthaltung. [ Namenliste ]


://: Mit 63:5 Stimmen bei 1 Enthaltung schreibt der Landrat das Postulat 2014/056 ab. [ Namenliste ]


Für das Protokoll:
Brigitta Laube, Landeskanzlei



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