Protokoll der Landratssitzung vom 29. Januar 2015

Nr. 2597

Landratspräsidentin Myrta Stohler (SVP) informiert, dass der Regierungsrat das Postulat ablehnt. Eine schriftliche Begründung liegt vor.


> Begründung des Regierungsrats


Caroline Mall (SVP) ruft in Erinnerung, dass es Kinder gibt, die sprachlich, und solche, die mathematisch begabt sind. Wäre man etwas liberaler und liesse die Kinder dahin gehen, wo ihre Fähigkeiten liegen, scheint der von der Postulantin vorgeschlagene Ansatz nur vernünftig. Die Ausbildung der Lehrpersonen findet ohnehin statt, das Schulbuch wird ohnehin angeschafft. Deshalb macht sie beliebt, dem Postulat einfach mal eine Chance zu geben, auch wenn der Regierungsrat schreibt, dass ein Anpassungsbedarf ca. im Jahr 2020 bestehe. Die Sprecherin widerspricht dem. Aufgrund der Tatsache, dass die Problematik in der Sek I noch nicht gelöst ist, wäre ein Überweisen und ein gutes Prüfen und Berichten sinnvoll. Vielleicht erweist sich das als zukunftsträchtig.


Christoph Hänggi (SP) sagt, dass Baselland im Gegensatz zum Kanton Uri leider nicht ans Tessin grenzt, sondern an den Kanton Jura und an Frankreich. Baselland ist ein sogenannter Passepartout-Kanton. Das ist der Grund, weshalb hier Französisch als erste Fremdsprache, und anschliessend Englisch ab der 5. Klasse unterrichtet wird. Die an den französischen Sprachraum angrenzenden Kantone sind somit ein Scharnier zwischen der deutsch- und der französischsprachigen Schweiz. Das aktuelle System ist daher schlüssig, das Postulat deshalb auch gar nicht nötig. Die SP-Fraktion ist gegen ein Überweisen. Es kommt dazu, dass das Sprachkonzept - wie von Thomas Bühler gehört - gestartet ist. Die Kinder sind bereits dabei, in der Schule französisch und englisch zu lernen. Es läuft, und wie man hört, läuft es sehr gut. Es gibt keinen Grund, eine Manöverkritik anzubringen.


Sabrina Corvini-Mohn (CVP) ist es, wie auch der CVP/EVP-Fraktion, sehr wichtig, dass die Kinder eine zweite Landessprache lernen, was aufgrund der geographischen Lage des Baselbietes nun mal Französisch ist. Die Fraktion ist auch der Meinung, dass das neue Sprachenkonzept noch nicht lange genug in Kraft ist und es wichtig ist, ihm erst eine Chance zu geben. Das Postulat ist deshalb abzulehnen. Die CVP/EVP-Fraktion findet, dass am Sprachenkonzept festgehalten und es sauber ausgearbeitet werden muss. Allenfalls lassen sich, wie der Regierungsrat geschrieben hat, im Jahr 2020 entsprechende Änderungen vornehmen.


Marianne Hollinger (FDP) muss der Postulantin leider mitteilen, dass auch die FDP-Fraktion ihren Vorstoss nicht unterstützen kann. Dennoch ist es bedauerlich, dass das Lernen von Frühfremdsprachen in der Schweiz trotz Harmonisierungsversuche so uneinheitlich gelöst ist. Dies ist sicher schlecht. Dennoch ist hier nicht die Ort, das zu verbessern. Wer weiss, vielleicht spricht der Bund einmal ein Machtwort. Im Moment muss man aber mit der Situation leben, wie sie ist.


Die Sprecherin hat die Postulantin nicht so verstanden, dass zuerst Italienisch gelernt werden soll, sondern dass das System Uri hier überprüft würde. Es mag sein, dass dieses System durchaus Vorteile hat, wie auch der Kanton Uri zumindest der Sprecherin grundsätzlich sehr sympathisch ist. Es gäbe sicher noch viele andere Systeme, die prüfenswert wären. Wie auch von Sabrina Corvini betont, ist das System im Baselbiet nun am Laufen, es wird nach dem Sommer weitergehen - und irgendwann ist auch der «point of no turnaround» überschritten. Es ist bekannt, dass im Jahr 2017 das System gut überprüft wird, um herauszufinden, was daran gut und was weniger gut ist. Dann muss man auch bereit dafür sein, allfällige Korrekturen anzubringen. Dieser Zeitpunkt ist aber noch nicht gekommen.


Marc Bürgi (BDP) dachte bei diesem Postulat erst, dass er nicht richtig liest. Hier wird versucht, die zweite Fremdsprache in der Primarschule als Wahlfach zu erklären, mit der Begründung, dass einerseits ausländische Kinder nicht genug Deutsch können, oder Englisch und Französisch abstrakt sind. Dazu ist zu sagen, dass Englisch und Französisch heute nicht abstrakter sind als früher. Von Seiten SVP ist es ein verwunderliches Ansinnen, die zweite Fremdsprache abzuschaffen, wo doch eigentlich die Integration der ausländischen Kinder bezüglich der deutschen Sprache vor der Einschulung verpasst wurde. Das geht für den Votanten nicht ganz auf.


Die BDP/glp-Fraktion ist der Meinung, dass das jetzige System mit den zwei Frühfremdsprachen in der Primarschule wichtig ist. Deshalb lehnt sie auch das Postulat ab.


Caroline Mall (SVP) möchte einen wichtigen Aspekt nachreichen. Sie hätte ja Verständnis für die Negativ-Haltung, wenn es sich um Promotionsfächer handeln würde. Darum geht es aber nicht. Sie kann sich noch gut daran erinnern, dass Regierungsrat Wüthrich gesagt hatte, dass dies das Ziel sei. Es hiesse dann einfach: «Kurs besucht», was für die Votantin eher in Richtung eines Wahlfachs geht.


Es ist natürlich nicht toll, kurz vor Erreichen eines Ziels einzuhalten. Die Stimmen der Schweiz sind aber nun mal nicht sehr positiv. Zu oft verschliesst man Ohren und Augen. Die Sprecherin ist überzeugt, dass es Klassen gibt, die das als Wahlfach ausüben würden, wie das auch in den weiterführenden Schulen der Fall ist. Ihr ist bewusst, hier keine Mehrheit zu finden. Dennoch ist es ihr wichtig, das Thema zu deponieren. Sie ist nach wie vor überzeugt, dass man nicht alles via Bildungsrat festlegen sollte.


Jürg Wiedemann (Grüne) informiert, dass es der Grünen Fraktion mit diesem Postulat ähnlich ergehe wie der FDP. Der entscheidende Punkt: Die Grünen wollen eine echte Harmonisierung und sind der Meinung, dass im ganzen deutschsprachigen Raum das gleiche Fremdsprachenkonzept angewendet werden sollte. Es geht nicht darum, das von Caroline Mall gewünschte Vorgehen als schlechter oder besser darzustellen. Entscheidend ist das einheitliche System. Marianne Hollinger hat darauf aufmerksam gemacht, dass vielleicht der Bund dereinst bestimmen muss, was im deutschsprachigen Raum zu gelten hat. Möglicherweise ist das der einzige Weg. Es muss nicht die vorliegende Lösung sein, vielleicht gibt es andere, bessere.


://: Der Landrat lehnt das Postulat 2013/427 mit 59:13 Stimmen ab. [ Namenliste ]


Für das Protokoll:
Markus Kocher, Landeskanzlei



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