Protokoll der Landratssitzung vom 3. Dezember 2015

Nr. 401

Landratspräsident Franz Meyer (CVP) informiert, dass der Regierungsrat das Postulat entgegennimmt.


Stefan Zemp (SP): Im Jahr 2006 gab der CEO der Firma Shell Oil Company zu, dass der Peak Oil des konventionellen Öls erreicht sei. Das unkonventionelle Öl ist nach wie vor vorhanden. Man muss sich das wie eine Cola-Büchse vorstellen. Wenn man sie schüttelt und öffnet, spritzt es oben raus. Was drin bleibt, wird als unkonventionell bezeichnet. Man kann das Ölfeld aber nicht einfach umdrehen, um noch mehr rauszuholen. Sondern es braucht das Verhältnis von 1-2 zu 1.1-5 an Energie, um die zusätzliche Ölmenge zu fördern. Man setzt also bis zu fünf Mal mehr Energie ein, um an das Öl zu gelangen. Was früher auf der Gass im Letten in Zürich das Heroin war, ist heute das Erdöl. Der Sprecher erlaubt sich, alle in diesem Saal als Erdöljunkies zu bezeichnen. Über 70 Dollar kostet es mittlerweile, um das Teeröl rauszuholen. Sehr grosse Anstrengungen werden unternommen, um es zu filtrieren. Das Teeröl macht nur gerade 2% des globalen Erdölangebots aus. Für bestimmte Zeit lässt sich damit der Ausfall überdecken, aber irgendwann kommt der Kater und der Grossausfall.


Im Mai 2012 wurde unter wolkenlosem Himmel in Deutschland zum ersten Mal für mehr für als 20'000 Megawatt (das entspricht 20 Atomkraftwerken) Sonnenlicht in Strom umgewandelt. Die Energiewende entspricht heute einem globalen Trend. 119 von 197 Ländern haben spezifische Ziele oder Programme entwickelt, um die erneuerbaren Energien zu fördern. Strom ist in den letzten 10 Jahren billiger geworden. Die Kosten für eine erstellte Solaranlage sind vom Jahr 2002 bis heute von 12 Euro auf 1.6 Euro gefallen. Notabene wurde Solarstrom von 2009 bis 2016 zur billigsten Option.


Überweist nun der Landrat ein Postulat, das prüfen soll, ob es sinnvoll ist, die eine Massnahme der anderen gegenüberzustellen, ist zu sagen: Wird der Strom unter ökologischen Grundsätzen vom Kanton eingekauft, was pro Jahr 250'000 Franken ausmacht, sind das Abgaben und Leistungen für das Gemeinwesen. Der Strom als solches ist in den letzten 12 Jahren gesunken, und zwar um 19 Prozent.


SP ist geschlossen gegen Überweisung des Postulats.


Andi Trüssel (SVP) macht seinem Vorredner beliebt, erst einmal zwischen Arbeit und Leistung unterscheiden zu lernen - also zwischen Kilowatt und Kilowattstunden. Wird von 20'000 Megawatt Photovoltaik geredet, leben diese genau 1000 Stunden im Jahr. Da holt man ein Backup-System.


Christine Gorrengourt (CVP) teilt mit, dass die CVP/BDP-Fraktion ein Prüfen und Berichten befürwortet. Um nämlich zu zeigen, dass es wirklich Sinn macht. Zum zweiten Punkt, der geprüft werden soll, noch eine Idee mit auf den Weg: Es wäre sicher sinnvoll, zusätzlich zu prüfen, ob nicht auch kleinere Anlagen bis 30 Kilowatt gebaut werden sollen. Dabei kommt man nicht auf die Warteliste des KEV (Kostendeckende Einspeisevergütung), sondern man kann eine Einmalvergütung von 30% der Investitionskosten beantragen. Damit wäre man schon wirtschaftlich; und der Strom liesse sich selber brauchen - auf der Verwaltung sowieso, wo heute papierlos gearbeitet und viel Strom verbraucht wird. Die Verwaltung könnte den produzierten Strom dann verbrauchen, wenn er vor Ort entsteht. Berichte aus Fachzeitschriften sagen, dass der Strom dann nicht teurer ist als der erneuerbare Strom der Elektrizitätsversorger. Man könnte mit gutem Beispiel vorangehen und den Leuten zeigen, dass es möglich ist, den Eigenverbrauch gleich umzusetzen.


Hansruedi Wirz (SVP) empfiehlt, den Titel zu lesen. Es geht nur um Kosten-Nutzen-Abklärung, bevor eine solche Anlage installiert wird. Das kann nicht falsch sein.


://: Der Landrat stimmt mit 45:23 Stimmen für die Überweisung des Postulats 2015/055. [ Namenliste ]


Für das Protokoll:
Markus Kocher, Landeskanzlei


Back to Top