Protokoll der Landratssitzung vom 30. Mai 2013
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2012-329 vom 1. November 2012 Interpellation von Michael Vollgraff, Grüne Fraktion: Entwicklung der Lehrsituation durch Quereinsteiger im Lehrerberuf - Schriftliche Antwort des Regierungsrats vom 26. März 2013 - Beschluss des Landrats vom 30. Mai 2013: < erledigt > |
Landratspräsident Jürg Degen (SP) teilt mit, dass eine schriftliche Antwort vorliege, und erkundigt sich beim Interpellanten, ob er damit einverstanden sei, eine kurze Erklärung abgeben wolle oder die Diskussion verlange.
Michael Vollgraff (Grüne) verlangt die Diskussion.
://: Der Diskussion wird stillschweigend stattgegeben.
Michael Vollgraff (Grüne) dankt dem Regierungsrat für die Beantwortung der Fragen. Sie sind allerdings summarisch und nicht sehr konkret beantwortet worden. Ausweichend wird insbesondere auf die Frage nach der Qualitätskontrolle, nach der Abschlussprüfung eingegangen. Es wird nicht einmal ganz klar, ob es bei dieser Quereinsteigerausbildung überhaupt Prüfungen gibt.
Die Bildungs-, Kultur- und Sportkommission hatte letzte Woche auf ihrer Bildungsreise Gelegenheit, das Bildungssystem im Kanton Zürich kennenzulernen. Dabei konnten die gleichen oder ähnliche Fragen ebenfalls gestellt werden, auf die einfache und klare Antworten gegeben wurden. Es sei absolut die gleiche Ausbildung wie die übliche Lehrerausbildung. Es gebe Prüfungen. Es gebe die genau gleichen Prüfungen. In Zürich werden die Quereinsteiger übrigens «Questler» genannt. Die Ausbildung in Zürich ist aber etwas länger. Dort werden 120 Europäische Kreditpunkte (ECTS) verlangt. In der Nordwestschweiz sind es 60.
Die Fragen werden vielleicht dann wieder interessant, wenn Quereinsteiger vermehrt in den Beruf wechseln. Insbesondere wird es wahrscheinlich zusammen mit der HarmoS-Umstellung, dem Schulwechsel auf sechs und drei Jahre gewisse Veränderungen geben. Dann wird es wahrscheinlich wieder viele Sekundarlehrer geben. Es wäre schön gewesen, wenn bei der Beantwortung auch etwas auf die Zahl der Sekundarlehrer - und der Quereinsteiger unter ihnen - eingegangen worden wäre.
Der wichtigste Satz der Beantwortung ist eigentlich der letzte:
«Für dieses Gelingen sind nebst dem persönlichen Einsatz der Studierenden die Bedingungen an der PH NW [Pädagogischen Hochschule FHNW] und an der Schule vor Ort entscheidend.»
Das heisst, der Landrat muss sich auch wirklich für diese Schulen einsetzen. Damit den Schulen und den Lehrern das Leben nicht zusätzlich schwer gemacht wird.
Michael Herrmann (FDP) sagt, es sei umstritten, ob der Quereinstieg in den Lehrerberuf eine gute Sache sei oder nicht. Er halte das aber für eine äusserst positive Sache. Da sind aber nicht ganz alle gleicher Meinung. Vor allem in Lehrpersonenkreisen ist dieser Quereinstieg umstritten. Etwas überspitzt ausgedrückt heisst es in diesen Kreisen, man könne nach einer Kurzausbildung auf dem Armenweg vor einer Klasse stehen.
Wie Michael Vollgraff bereits gesagt hat, ist diese Antwort in der Tat etwas dürftig und ausweichend. Auf der Bildungsreise ist in Zürich erläutert worden, dass dort ein Quereinsteiger für sein Diplom einen viel grösseren Aufwand betreiben müsse. Dort müssen sie eine Prüfung machen, die gleichwertig ist mit der aller anderen Lehrpersonen. Mit dieser Prüfung werden am Ende der Ausbildung in Zürich die gleichen fachlichen Anforderungen erfüllt. Das Fachliche und nicht unbedingt das Didaktische wird übrigens von Lehrpersonen an den Quereinsteiger in der Nordwestschweiz oft auch etwas bemängelt. Es heisst dann, die Quereinsteiger seien vielleicht fachlich noch nicht ganz soweit. Auch mit dieser Antwort wird nicht klar, ob die Quereinsteiger in der Nordwestschweiz die gleiche Prüfung wie eine «richtige» Lehrperson bestehen müssen oder nicht. Im Sinne der Sache und weil Akzeptanzprobleme bestehen, wäre es wünschenswert, wenn auch die Bildungsdirektion klarere Antworten auf die Frage, ob es eine gleichwertige Ausbildung sei, geben könnte. Das würde die Diskussion noch etwas stärker versachlichen.
Caroline Mall (SVP) sagt, sie sei auch in Zürich gewesen. Das war ein ganz toller Tag. Interessant wäre zu wissen, zumal die Befragungen offensichtlich schon stattgefunden haben, inwieweit sich das Amt für Volksschulen mit der Frage auseinandersetzt, wie gut sich die Quereinsteigenden, die im Praktikum sind, in die Schullandschaft integrieren. Gut wäre, wenn relativ schnell eine Auswertung, auch dem Landrat, vorliegen würde.
Jürg Wiedemann (Grüne) betont, er unterrichte und habe seine Ausbildung vor rund 25 Jahren gemacht. Es gibt eine Differenz. Die damalige Ausbildung hatte wahrscheinlich Defizite bei der methodisch-didaktischen Ausbildung. Es wurde vor allem Wert auf das Fachliche gelegt. Die Lehrkräfte sind auf die Schüler losgelassen worden, auch wenn sie vielleicht methodisch-didaktisch noch nicht so sattelfest gewesen sind. Mit dem Wechsel zur Ausbildung an der FHNW, der regulären Ausbildung und jetzt vor allem mit der Ausbildung von Quereinsteigern hat sich das diametral geändert. Die Lehrkräfte, die nun neu an eine Schule kommen, sind methodisch-didaktisch äusserst kompetent. Das ist zu festzuhalten. Auch die Quereinsteiger machen methodisch-didaktisch einen ganz guten Eindruck. Und sie sind vor allem auch menschlich absolut Spitze. Sie gliedern sich ein, strengen sich an und geben sich extrem Mühe. Das sind absolut positive Punkte.
Es gibt aber einen ganz wesentlichen negativen Punkt: Oft reicht das Fachliche eigentlich nicht, um beispielsweise an der SEK P zu unterrichten. Das ist festzustellen.
Der richtige Weg wäre ein Mittelweg zwischen diesen beiden Ausbildungen, derjenigen vor 20 Jahren und der heutigen an der FHNW.
Regierungsrat Urs Wüthrich (SP) bedauert, dass er in Zürich nicht habe dabei sein können. Die Frage nach der Überprüfung des Qualifikationsniveaus könne auch ein Thema für die Interparlamentarische Kommission der Fachhochschule Nordwestschweiz (IPK FHNW) sein. Darin lässt sich das Thema mit der FHNW, mit der Pädagogischen Hochschule direkt erörtern. Es stellen sich auch andere Fragen etwa zur Praxistauglichkeit, die in der IPK FHNW diskutiert werden können.
Jürg Wiedemann hat nun alle neu ausgebildeten Lehrkräfte erwähnt und nicht nur die sogenannten Quereinsteiger. Ein Aspekt darf bezüglich derjenigen, die diese Ausbildung auf dem zweiten Bildungsweg machen, nicht unterschätzt werden: Sie haben ein anspruchsvolles Assessment erfolgreich bestehen müssen. Dabei sind über die Fachkompetenz hinaus weitere Kompetenzen geprüft worden. Das ist wegen des investierten Aufwands als gute Basis für den Einstieg in diesen Beruf sicher ernst zu nehmen.
Das Bedürfnis nach deutlicheren Ja- oder Nein-Antworten gilt es aber zu respektieren. Das Thema wird wahrscheinlich noch einmal in der IPK FHNW angesprochen. Dann kann die Thematik auch wieder in die landrätliche Bildungskommission zurückgetragen werden.
://: Somit ist die Interpellation erledigt.
Für das Protokoll:
Valentin Misteli, Landeskanzlei
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