Protokoll der Landratssitzung vom 9. September 2010
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Liebe Kolleginnen und Kollegen, geschätzte Anwesende
Wie haben wir sie doch genossen, die politikfreie Zeit in der Sommerpause! Aber nein, politikfrei war diese Zeit nicht wirklich, vielleicht einfach landratsfrei. Und genossen? Sicher tat es gut, die Sommerzeit ohne lange Sitzungen, Traktanden und Akten zu verbringen. Aber wie verhielt sich die Situation bezüglich täglicher Lektüre von Zeitungen, e-Mails und SMS? Immerhin war es aber möglich, vom Landratsbetrieb etwas Distanz zu gewinnen. Mit etwas Distanz und einem Blick von aussen kommt unserem eifrigen Treiben im Landrat jeweils weniger Bedeutung zu, als man diesem sonst zuschreiben würde. Wenn wir selbst mitten im Betrieb stecken, wollen wir möglichst vieles einbringen, einreichen oder in den Vordergrund stellen, mit einem Vorstoss womöglich sogar uns selbst. Vielleicht täte es daher gut, auch während eines Landratsjahres zwischendurch einen Schritt vom Betrieb weg zu machen und sich zu fragen, ob als das Aufheben wirklich nötig sei. Wäre manchmal nicht weniger sogar mehr? Dies betrifft nicht nur, aber auch, die Zahl der Vorstösse. Ein derartiges Hinterfragen wäre bestimmt wirkungsvoller, als irgendwelche gut gemeinten neuen Vorschriften zur Eindämmung unseres Pendenzenberges. Auch wenn dies fromme Wünsche sind, möchte ich diese trotzdem aussprechen, sogar während eines Wahljahres.
Als frischgebackene Landratspräsidentin erhielt ich diesen Sommer die Gelegenheit zu erfahren, wie der Landrat von aussen wahrgenommen wird. Über die Anerkennung und teilweise gar Hochachtung gegenüber der Arbeit des Landrates war ich erstaunt. Dieses immer wieder spürbare Wohlwollen will jedoch gar nicht recht zum verbreiteten Bild der Politikverdrossenheit und zum oftmals schlechten Ruf der Politikerinnen und Politiker passen. Es stimmt gewiss beides, denn Respektverlust und Politikverdrossenheit könnten das Ergebnis enttäuschter, hoher Erwartungen an die Politik darstellen. Solche Enttäuschungen stellen sich ein, wenn Politikerinnen und Politiker den respektvollen Umgang miteinander vermissen lassen, wenn in unserer Arbeit weniger das ernsthafte Bemühen um Lösungen als die Suche nach Scheinwerferlicht und Mikrofon im Vordergrund stehen.
Ich habe mir vorgenommen, als Landratspräsidentin das Parlament gut zu führen, sowohl administrativ als auch im Bezug auf die Stimmung und das Klima im Landratssaal. Damit dies möglich wird, tun wir gut daran, unsere eigene Wahrnehmung und diejenige der Bevölkerung miteinander zu kombinieren. Wir sollten den Blick auf das Wesentliche wenden. Nicht jede Idee muss sofort in einem Vorstoss oder Votum enden. Die hohen Erwartungen an uns alle sollen uns dazu auffordern, ihnen gerecht zu werden. Das Vertrauen in die Politikerinnen und Politiker sind eine wesentliche Grundlage unserer Demokratie. Mit unserem Engagement im Landrat können wir zu einem guten Vertrauen in die Politik beitragen und somit dem immer wieder heraufbeschworene Bild einer Classe politique etwas entgegenstellen.
Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit und freue mich auf die Arbeit mit Ihnen zusammen in diesem Saal.
Für das Protokoll:
Andrea Maurer, Landeskanzlei
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