97/113; Bericht zur Wirtschaftslage; Teil 5
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| 4 Untersuchungen zur Standortattraktivität Die Regierung hat in den vergangenen Jahren Untersuchungen über die Bedeutung der Standortattraktivität unseres Kantons in Auftrag gegeben und sich an grösseren entsprechenden Projekten mitbeteiligt.
Anfang 1994 wurde im Auftrag des Regierungsrates - auf Anregung der Konsultativkommission für das Wirtschaftsförderungsgesetz - bei den gewerblichen und industriellen Betrieben in Baselland eine Umfrage zu den wichtigsten Bedürfnissen und Problemen der Wirtschaft durchgeführt. An erster Stelle der Kritik an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen standen „Deregulierung und Dynamisierung des staatlichen Bewilligungsapparates". Die Handlungsempfehlungen im Bewilligungsverfahren wurden damals vom Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (KIGA) und vom Bauinspektorat (BIT) aufgenommen und Verbesserungen eingeleitet. Seither hat sich einiges zum Positiven verändert; so dass die Regierung neue Abklärungsaufträge nicht für nötig erachtet. Zudem besteht seit letztem Jahr ein regelmässiger Informationsaustausch mit der Wirtschaftsförderung beider Basel, die u.a. auch den Auftrag hat, die Zusammenarbeit der Behörden mit den Unternehmen zu verbessern. Ein anderes Thema der Kritik betraf den damals ungenügenden Einsatz der kantonalen Wirtschaftsförderung. Inzwischen ist die Wirtschaftsförderung aber reorganisiert worden und nimmt ihre Aufgabe umfassender und problemorientierter wahr.
Mit dem Ziel, Grundlagen für die Erhaltung und den Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit der kantonalen Wirtschaften unter den neuen internationalen und nationalen Rahmenbedingungen zu erarbeiten, wurde die BAK Konjunkurforschung Basel AG Anfang 1995 von den beiden Basler Halbkantonen mit einer Studie zur Standortattraktivität beauftragt. Diese Basler Studie ist in eine Untersuchung über die Standortattraktivität aller Schweizer Kantone integriert worden. Darin wollte man nicht nur Aufschluss über die Bestimmungsfaktoren des Ist-Zustandes sondern auch Anhaltspunkte über Chancen und Risiken bezüglich der künftigen Wettbewerbsfähigkeit bzw. der Wachstumsperspektiven gewinnen. Für den Kanton Basel-Landschaft stehen folgende Ergebnisse im Vordergrund: Unter den vier erstplatzierten Standortfaktoren sprachen die Baselbieter Unternehmungen dem Faktor Ausbildung die grösste Bedeutung zu. Darunter verstehen die Unternehmen das Preis/Leistungsverhältnis von hochqualfizierten und gut ausgebildeten Arbeitskräften. Als ebenso wichtig erachtet die Baselbieter Wirtschaft deren Verfügbarkeit. Die Qualität dieser Standortfaktoren wurde im Zeitpunkt der Befragung von den Firmen des Kantons Basel-Landschaft mit wenigen Ausnahmen als gut bis befriedigend beurteilt. Die Maschinenindustrie beurteilte damals die „Verfügbarkeit von Arbeitskräften mit guter Ausbildung" als schlecht. Die KIGA-Statistiken bestätigen diese Aussage rückblickend insofern, als die Statistik über ausländische Arbeitskräfte per Dezember 1995 im Sektor Metall und Maschinenbau auffallend viele (6’513) Grenzgängerinnen und Grenzgänger sowie Niedergelassene ausweist. Diese Erkenntnis muss in der künftigen Ausbildungspolitik berücksichtigt werden. Was die Verbesserung im Bereich „Verfügbarkeit von gutausgebildeten Arbeitskräften" betrifft, kann aus heutiger Sicht bemerkt werden, dass in den letzten Jahren die Behandlung von Aufenthaltsgesuchen durch Ausschöpfung des Ermessensspielraums sowie durch EDV-Einsatz vereinfacht und beschleunigt wurde. Die bilateralen Verhandlungen mit der EU (freier Personenverkehr) können hier noch wesentliche Fortschritte bringen. Als fünftwichtigsten Standortfaktor haben die Baselbieter Unternehmungen die „Wirtschaftsfreundlichkeit und Akzeptanz neuer Technologien" bewertet. Das Urteil dazu fiel von schlecht bis befriedigend aus, was in der Analyse zur Empfehlung führte, dass für diesen zentralen Standortfaktor wirtschaftspolitischer Handlungsbedarf besteht. Was die Erwartungen bezüglich der zukünftigen Entwicklung der Qualität der Standortfaktoren betrifft, so rechnen die Unternehmungen in Baselland mit einer höheren Qualität für die Faktoren "Nähe zu Forschungsinstituten, Ausbildungsstätten, Technopark" sowie zu "Qualität des regionalen öffentlichen Verkehrs" und zu den "Kosten von Arbeitsflächen". Für den Faktor "Aufwand für die Einhaltung von Umweltvorschriften " gehen sie von einem tieferen Niveau aus. Um als Region neben innovationsintensiven Branchen wie der Chemie künftig auch in anderen Gebieten bestehen zu können, wurde in der BAK-Analyse empfohlen, mit wirtschaftspolitischen Massnahmen in erster Linie bei der Verbesserung jener Standortfaktoren anzusetzen, welche den Innovationswettbewerb beeinflussen. Im Zentrum sollte folglich der Ausbildungsbereich stehen, besonders die Universtität und die Ingenieurschule sowie die Zusammenarbeit dieser Institutionen mit der Wirtschaft. Im Bereich Zusammenarbeit sind seither viele Anstrengungen unternommen worden. So wurden z.B. von Exponenten der regionalen Wirtschaft und Politik zahlreiche Initiativen zur Förderung der wirtschaftlichen Innovation und der KMU gestartet. Darunter sind zu nennen: - die Schaffung der Wissens- und Technologietransferstelle (WTT) der Uni Basel - die Gründung der EVA Erfindungs-Verwertungs AG (finanzielle Unterstützung und fachkundige Begleitung junger Firmen) - die Bestrebungen zur Einrichtung eines Biovalleys in der Regio - die Reorganisation und Zusammenarbeit der Wirtschaftsförderungen BS und BL - die Arbeit der Technolgietransferstelle des Schweizerischen Nationalfonds (Biotectra) - die Einrichtung einer Risikokapitalbörse (Swiss Venture Capital Center, SVCC) sowie der vom Schweiz. Bankverein lancierte Venture Capital Fonds - Zu erwähnen ist auch das neulich lancierte Projekt „Virtuelle Unternehmen in der Region Basel", das vom CIM-Zentrum der IBB Muttenz zur Steigerung der Wettbewerbschancen für die Maschinenbranche realisiert wird. Jedes dieser Projekte leistet einen Beitrag zur Dynamisierung der regionalen Wirtschaft. Es wird aber relativ lange dauern, bis substantielle Effekte auf dem Arbeitsmarkt spürbar sein werden. Zum Thema Risikokapital ist im übrigen speziell hervorzuheben, dass der Kanton die Initiativen privater Organisationen und von Unternehmen, vermehrt Risikokapital zugänglich zu machen, begrüsst. Zur besonderen steuerlichen Begünstigung von Risikokapital wird der Regierungsrat bei der Beantwortung eines landrätlichen Postulats Stellung nehmen. Über das Wirtschaftsförderungsgesetz kann sich der Kanton heute schon an Startkapital beteiligen. Die Übernahme von Bankaufgaben durch den Staat verdient aber Zurückhaltung. Gute Initiativen - verbunden mit entsprechenden Fähigkeiten und Engagement - müssen auch in Zukunft Zugang zu professionellen Kapitalvermittlern finden können. Die Tatsache, dass von den befragten Firmen das an einem Standort vorhandene Humankapital als der entscheidende Standortfaktor eingeschätzt wird, stellt wirtschaftspolitisch eine Chance dar. Dies insbesondere auch deshalb, weil der entsprechende Standortfaktor (Humankapital) in der empirischen Untersuchung eine relativ schlechte Qualitätsnote erhielt. Das Resultat der Untersuchung gibt einen Hinweis darauf, wie bedeutend die Ausbildungs- und Immigrationspolitik in der künftigen Wirtschaftspolitik sein dürfte. Aus der Analyse lässt sich einmal mehr die Folgerung ableiten, dass die seit Jahrzehnten verzerrte Immigrationspolitik zugunsten unqualifizierter Arbeitskräfte zum Schutz strukturschwacher Branchen geändert werden sollte. Des weiteren muss dieses Ergebnis aber auch in der Ausbildungspolitik ernst genommen werden. Angesprochen ist hier die Qualitätssicherung und Qualitätsverbesserung auf allen Stufen von der Lehrlings- bis zur Universitätsausbildung inklusive Forschung.
Unser Kanton erwartet im Herbst 1997 aus dem neuen Benchmarking-Bericht aktuelle und erweiterte Informationen zur Qualität der bedeutendsten Standortfaktoren für die Schlüsselbranchen unserer Region. Die neue Studie stellt eine Fortsetzung und eine Erweiterung der vorgängig beschriebenen BAK-Untersuchung dar. Zielsetzung des Benchmarking-Berichts Aufbauend auf der gesamtschweizerischen Umfrage zur Standortattraktivität hat die BAK im Jahre 1996 eine weiterführende Studie, nämlich einen internationalen Benchmarking-Report für ausgewählte Schlüsselbranchen und Regionen in Europa aufgenommen. Daran beteiligt sich der Kanton Basel-Landschaft mit 50'000 Franken. In der Studie sollen die wichtigsten Standortfaktoren mittels objektiver Statistiken, im Zeitablauf und neu auch im Vergleich mit ausländischen Indikatoren, näher umschrieben werden. Es ist beabsichtigt, diese Daten jährlich aufzuarbeiten, um so Erfolge resp. Mängel bei der Verbesserung der Standortbedingungen im Zeitablauf aufzeigen zu können. Inhalt des Projekts Beim Benchmarking wird die Leistungsfähigkeit bestimmter Branchen mit ihren wichtigsten ausländischen Konkurrenzregionen verglichen. Damit erhält man Informationen zu den unterschiedlichen Wettbewerbsbedingungen an den einzelnen Standorten. Gewichtige nachteilige Voraussetungen können so mittels Anpassung der Rahmenbedingungen verbessert werden. Folgende Schlüsselbranchen werden erfasst: Maschinenindustrie, chemische und pharmazeutische Industrie sowie Biotechnologie, Banken, Tourismus (Gastgewerbe), Textilindustrie und übrige Dienstleistungen. Im Herbst 1997 wird der erste Benchmarking-Bericht vorliegen. Die Regierung verspricht sich von diesem Bericht zusätzliche Klarheit zum Thema Standortattraktivität. |
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