97/40; Amtsbericht 1996; Teil 79
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| Regierungsrat / Verwaltung |
| 16 Archäologie und Kantonsmuseum 16.1 Allgemeines und Personelles Am 16.9. besuchte die Subkommission 5 der landrätlichen Geschäftsprüfungskommission die Hauptabteilung und durfte feststellen, dass ihre im Oktober 1994 formulierten Empfehlungen erfüllt sind. Im Herbst mussten auf Anordnung der Bau- und Umweltschutzdirektion in einer aufwendigen Aktion die Gemälde- und die Seidenbandsammlung kurzfristig ausgelagert werden, da im bestehenden Depot (Parkstrasse 3, Frenkendorf) Umbauten vorgenommen wurden. 16.2 Publikationen Jürg Ewald, Zur Baugeschichte der Kirche St. Michael zu Buus. In: Baselbieter Heimatblätter 61, 1996, 121-136. Jürg Ewald, Muttenz, Kirche St. Arbogast, Grabstein mit Kreuz und Kreuzknoten. In: Eine Abguss-Sammlung für Hans Rudolf Sennhauser. In: Georges-Bloch-Jahrbuch 3, (Zürich) 1996, 72. Karin Gresly-Rey, Diana Fahrner, Das "Vis-a-vis" vom Ebenrain, Geschichte einer Kutsche, Heft 34 der Reihe "Archäologie und Museum". Peter Schmid-Ruosch und Karl Martin Tanner, Die Wisenberg-Panoramen von Samuel Birmann (1813) und Peter Schmid-Ruosch (1990), Quellen und Forschungen 59, Liestal 1996. Jürg Sedlmeier und Bruno Kaufmann, Die mesolithische Bestattung in der Birsmatten-Basisgrotte (Nenzlingen BL). In: Archäologie der Schweiz 19, 1996, 140-145. Jürg Tauber, Archäologische Funde und ihre Interpretation. In: Realienforschung und Historische Quellen. Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland, Beiheft 15, Oldenburg 1996, 171-187. 16.3 Kantonsmuseum Baselland Liestal Bauliches Im Museumsgebäude, dem ehemaligen alten Zeughaus, wurde unter Federführung des Hochbauamtes mit Architekt Robert Häfelfinger, Sissach, der bereits die Restaurierung 1979/81 verantwortet hatte, mit der Neugestaltung des Eingangsbereichs begonnen. Die schwere und abweisende Eingangstür aus Eichenholz wurde durch eine einladende Glastür mit Windfang ersetzt. Zudem wurde eine Glaswand mit Storen zur akustischen und optischen Dämmung eingezogen, die den Kultursaal vom Eingangsbereich abtrennt. Die Fertigstellung des Museums-Shops wurde am Jahresende noch von Einwänden der Gebäudeversicherung aufgehalten. Ausstellungen
Neben inhaltlichen und organisatorischen Vorarbeiten entstand im Zusammenhang mit der Ausstellung "Liebe auf dem Lande" (Frühling 1997) ein "Fotoromanzo", der das Kernstück des Begleitbandes sowie den roten Faden durch die Ausstellung darstellen wird. Für die Ausstellung "Regenwurm" (Herbst 1997) wurden ein Veranstaltungsprogramm erarbeitet und die Organisation der Wanderausstellung vorangetrieben. Für die Archäologie-Ausstellung (März 1998) wurde ein ausführliches Konzept ausgearbeitet. Es dient als Leitfaden sowohl für die Ausstellung als auch für den Begleitband. Mit der Ausstellungsgestaltung wurde nach sorgfältiger Auswahl unter fünf renommierten Gestaltungsbüros die Arbeitsgemeinschaft "element", Basel, beauftragt. Der die Ausstellung begleitende Bildband wird im Wiese-Verlag Basel erscheinen. Zu allen Sonderausstellungen wurden vielseitige Begleitprogramme mit Führungen, Exkursionen, Aktionen, Workshops und Demonstrationen angeboten, die zum Teil regen Zuspruch fanden. Einen Höhepunkt bildete das Fest "Sommergäste im Ebenrain", das im Zusammenhang mit der restaurierten Kutsche "Vis-a-vis" vom Ebenrain am 25.8. stattfand. Kaffee und Kuchen, szenische Lesungen aus Iwan Turgenjews "Ein Monat auf dem Lande", Kutschenfahrten, Führungen und eine ausgezeichnete Verpflegung zogen trotz regnerischen Wetters ein grosses Publikum an. Ebenso erfolgreich waren die für Kinder wie Erwachsene offenen Ziegelwerkstätten oder die museumspädagogischen Aktionen "Der Zahn der Zeit am Alltagsmaterial". Etabliert ist auch die Exkursionsreihe "Museum zu Fuss", die in die Tongruben nach Allschwil, in das Ziegeleizentrum nach Laufen oder als archäologische Rundwanderung nach Aesch/ Pfeffingen und zur Römischen Wasserleitung bei Liestal führte. Bewährt hat sich auch der am 6.2. eingeführte Museums-Apéro, jeweils am ersten Dienstag im Monat von 17.30 bis 18 Uhr, an welchem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Unterabteilungen und aller Stufen Wissenswertes und Aktuelles in Kürzestform präsentieren. Im Rahmen des Internationalen Museumstages (18.5.) interessierte sich ein grosses Publikum für das "Schau-Präparieren" - Hauptziel war die Darstellung der Arbeitsschritte vom Auffinden eines Tierkadavers bis zum Einreihen einer Dermoplastik in die Sammlung - und einen Spielnachmittag mit historischen Strassenspielen. Regelmässig zu den Sonderausstellungen fanden Einführungen für Lehrerinnen und Lehrer statt. Dabei wurden auch die museumspädagogischen Dossiers "Ein Dach über dem Kopf" und "Restaurieren heisst nicht wieder neu machen" weitergegeben. Trotzdem besuchten weit weniger Klassen als im Vorjahr die Sonderausstellungen. Gepflegt wurde auch die Zusammenarbeit mit der Museumspädagogik Basel mit der regelmässigen Herausgabe der Plakate "Schule und Museum" und "Freizeit im Museum" sowie den museumspädagogischen Bulletins. Dank eines breiten Supports aus der ganzen Schweiz kam es nicht zu der geplanten Aufhebung und Verteilung der zentralen, von Baselland mitgetragenen (LRB 1631 vom 18.11.1993) Basler Stelle für Museumspädagogik. Ein erstmaliger Adventswettbewerb, an welchem sich gegen 400 Personen beteiligten, bot Gelegenheit, die Sammlungen ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen und einen Einblick in ihre Vielfalt zu gewähren. Mit diversen Leihgaben aus den Naturkundlichen Sammlungen konnten Aktionen wie Schulstunden und Vorträge sowie mehrere Vitrinen unterstützt, illustriert und gestaltet werden. Öffentlichkeitsarbeit Die Anstrengungen für eine gezieltere und effektivere Werbung wurden verstärkt. Zum einen erscheinen ab 1996 regelmässig 4 - 6 Inserate pro Monat in den wichtigen lokalen Zeitungen, zum andern wird nun neu das "Aktuell" als reiner Veranstaltungkalender des Kantonsmuseums, der Kantonsarchäologie und der Römerstadt Augusta Raurica herausgegeben. Das neue Publikationsorgan "Profil" ist zweimal erschienen und brachte vertiefende Informationen aus allen Arbeitsbereichen des Museums, des Restaurierungslabors und der Kantonsarchäologie. Zu Jahresbeginn lag ein neu gestalteter Museumsprospekt auf, der auch in Französisch und Englisch erhältlich ist. Das Kantonsmuseum Baselland schloss sich dem Schweizerischen Museumspass an, der gegen Jahresende eingeführt wurde. Im Auftrag der Arbeitsgruppe Kultur der Deutsch-Französisch-Schweizerischen Oberrheinkonferenz sind zwei Mitarbeiter in einer Arbeitsgruppe tätig, die die Evaluierung und Projektausarbeitung für einen grenzüberschreitenden Regio-Museumspass vorbereitet. Am 29.3. wurde zusammen mit Vertretern des Vitra-Design-Museum (Alexander von Vegesack), der Museen Basel (Katharina Schmidt) und der Vereinigung "Musées sans frontieres" de Mulhouse (Jean Marie Bockel) in Weil am Rhein eine Kooperations-Vereinbarung, die die partnerschaftliche Zusammenarbeit über die Grenzen intensivieren und fördern soll, unterzeichnet. Besuch und Verkauf Das Museum war an 304,5 (305,5) Tagen geöffnet und wurde zusammen mit den museumseigenen Veranstaltungen inner- und ausserhalb des Hauses von insgesamt 14'381 (14'575) Personen besucht. Zusammen mit den Veranstaltungen Dritter verzeichnet das Kantonsmuseum eine Gesamtfrequenz von 21'367 (23'615) Personen. Der Rückgang bei den Veranstaltungen Dritter liegt z.T. in den 1995 erhöhten Mietgebühren des Kultursaals begründet. Der Verkauf von Drucksachen erbrachte Fr. 35'512.- (Fr. 35'012.-), derjenige von Bändern und Faksimilia Fr. 17'567.- (Fr. 18'850.-) und damit einen Bruttoertrag von Fr. 53'079.- (Fr. 53'862.-). Kurse Im Rahmen der Ausbildung am LehrerInnenseminar fand wiederum ein mehrteiliger Einführungskurs in die museumspädagogischen Möglichkeiten der Region statt. Einführung in die Praxis der Museumspädagogik war auch das Thema eines Workshops für Studierende im Rahmen des Nachdiplomstudiums Museologie an der Universität Basel. Anlässlich des ersten Museums-Apéros wurde die Absicht erwähnt, ähnlich wie im Kanton Jura eine Freiwilligengruppe für die Prospektion von Spuren historischer Eisenverhüttung ins Leben zu rufen. Auf einen entsprechenden Hinweis in der Basler Zeitung meldeten sich gegen 30 Personen. Volkskundliche Sammlung Das Inventarisieren der Sammlungsobjekte (Neueingänge und Altbestände) und das Beantworten von Anfragen bildete die Hauptaufgabe der Sammlungsbetreuung. Ausleihen von Seidenbändern und Dokumentationsmaterial für Sonderausstellungen gingen an das Naturmuseum Olten und an das Stadtmuseum Aarau. Die Bandsammlung diente als Übungsfeld für Studierende der Universität Basel im Rahmen einer volkskundlichen Museumsübung zum Thema "Industriekultur im Museum" und bot Anschauungsmaterial für eine Textilfachklasse der Gewerbeschule Basel. Der für die neue Aussenstelle des Schweizerischen Landesmuseums in Prangins bestimmte Webstuhl aus der Diegmatt in Ziefen wurde überholt. Werner Walther, ehemaliger Betriebsleiter der Firma Senn & Co. AG in Ziefen, konnte seine Mémoiren, die den roten Faden zur Geschichte der Seidenbandweberei im Baselbiet im 20. Jahrhundert bilden, nahezu fertigstellen. Eines der wertvollsten Sammlungsobjekte, das Wisenberg-Aquarell von Samuel Birmann aus dem Jahre 1813, wurde Gegenstand einer wichtigen Publikation. Einen Schwerpunkt bildete die Vorbereitung der Neuausstellung des bildhauerischen Nachlasses von August Suter in Eptingen, auch mittels Studien, welche im Archiv von Claude Suter, Paris, dem Sohn des Künstlers, betrieben wurden. Die umfangreiche Sammlung von Uniformen, bisher in Kartons verstaut, wurde nach neusten konservatorischen Erkenntnissen umgelagert, wo nötig gereinigt, staub- und lichtgeschützt in textile Hüllen verpackt und gut geordnet hängend aufbewahrt. Im steten Bemühen, der Raumnot Herr zu werden, wurde eine beträchtliche Anzahl von Uniform-Doubletten zur Weitergabe bereitgestellt. Naturkundliche Sammlungen Die wissenschaftliche Arbeit in den naturkundlichen Sammlungen konzentrierte sich auf das Erstellen einer Datenbank zur Sammlung einheimischer Vögel. Mit dem neuen Arbeitsinstrument ist die Übersicht über die Bestände nun garantiert. Auswertungen der gespeicherten Daten sind damit möglich. Zwei wissenschaftliche Projekte konnten mit Daten aus den naturkundlichen Sammlungen unterstützt werden: Verbreitung des Haselhuhns in der Nordwestschweiz, Dr. M. Blattner, Binningen; Verbreitung des Erdbockkäfers im Raum Basel, K. Stingelin, Basel. Dem Museum wurden 21 (5) Kadaver durch das Publikum überbracht. Sie werden bis zur Weiterverarbeitung in der Tiefkühltruhe des Konservierungslabors aufbewahrt. Je 1 Dermoplastik folgender Tierarten konnte neu in die zoologische Sammlung eingereiht werden: Dachs, Fuchs, Buchfink, Buntspecht, Grauspecht, Grünspecht, Neuntöter, Waldwasserläufer, Wintergoldhähnchen. Neu aufgenommen wurden: Sammlung Schmassmann: Geologische Belege aus einmaligen Bohrungen mit spezieller Bedeutung für den Kanton Basel-Landschaft. Geschenk von Dr. Hans-Jörg Schmassmann, Liestal. Sammlung Furrer: 89 Dermoplastiken und Schädel einheimischer Vögel und Säuger. Geschenk von W. Furrer sen., Basel. Insekten-Inventare aus den Naturschutzgebieten Chilpen/ Diegten und Reinacherheide/Reinach. Übergabe durch Paul Imbeck, Leiter Natur- und Landschaftsschutz. Unbestimmte fossile Tierknochen aus Anwil. Geschenk von F. Schmutz, Gelterkinden. Konservierungslabor Einen Schwerpunkt bildete die Ausstellung "Restaurieren heisst nicht wieder neu machen". Als Wanderausstellung (über die Geschichte, das Berufsbild und das breite Arbeitsgebiet des Restaurierens) in Deutschland konzipiert, wurde sie 1996 an drei Orten in der Schweiz (Schaffhausen, Liestal, Zürich) gezeigt. Für das Kantonsmuseum wurde ein grösserer Lokalteil erarbeitet. Anhand von vier hier restaurierten Objekten wurde die Arbeit im Konservierungslabor des Kantonsmuseums dargestellt. Im Rahmenprogramm wurden ein rege besuchter "Tag der offenen Tür" am 21.9. im Konservierungslabor sowie ein Volkshochschulkurs angeboten. An der Berufsinformationsstelle in Basel wurde für sechs Wochen ein Schaufenster über den Ablauf einer Bergung und die Restaurierung eines mittelalterlichen Keramikgefässes eingerichtet. Für das "Lapidarium Sennhauser" im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich, einer Abgusssammlung früh- und hochmittelalterlicher Steinplastik, wurde vom karolingischen Grabstein aus der Kirche St. Arbogast in Muttenz eine Kopie in Kunststoff hergestellt. Weitere Kopien in Kunststoff wurden von steinzeitlichen Werkzeugen für den neuen Urgeschichtskoffer hergestellt, der vom Kantonsmuseum an Schulen ausgeliehen wird. Im Fachbereich Archäologie wurden Metallfunde (Eisen und Bronze) aus Aesch, Liestal-Röseren, Liestal-Munzach, Lausen, Münchenstein und Reigoldswil konserviert und restauriert. Keramik aus Reinach-Schönenbachstrasse (um 800 - 650 v. Chr.) konnte zu einem Gefäss rekonstruiert werden. Mit der Konservierung-Restaurierung einer römischen Glasurne aus Reinach-Langrütiweg wurde begonnen. Für die Kantonsarchäologie Schaffhausen wurde ein frühmittelalterlicher Glasbecher (Sturzbecher) konserviert und restauriert. Eine grössere Menge quartärer Tierknochen (Hirsch, Vogel, Maulwurf) aus Dittingen-Schachleten wurde einer sorgfältigen Reinigung und kontrollierten Trocknung unterzogen. Die Reinigung und Restaurierung der Plastiken von August Suter wurde im Hinblick auf die Neueinrichtung des Museums in Eptingen begleitet. An der Konservierungs-Bedarfs- und Wartungs-Analyse, einem Projekt, das den Zustand aller Sammlungen zu dokumentieren hat, konnte weiter gearbeitet werden. 16.4 Kantonsarchäologie Die Kantonsarchäologie konnte sich auf interessierte Laien stützen, die in frisch umgepflügten Äckern und ausgehobenen Baugruben zahlreiche verdächtige Spuren entdeckten und dies meldeten. Zu den "alten Bekannten" stiessen gegen 30 Freiwillige, die an mehreren Wochenenden nach Spuren historischer Eisenverhüttung suchten. Die drei Begehungen im Raum Langenbruck-Bretzwil, Pfeffingen und Rothenfluh waren unterschiedlich ergebnisreich. Für die 1991/92 durchgeführte Grabung Liestal-Röserntal, die vom Bundesamt für Kultur nachträglich als von "nationaler Bedeutung" eingestuft worden war, ging eine Bundessubvention in Höhe von Fr. 52 834.- ein. Das vom Landrat gewünschte Archäologiegesetz, das seit Jahren in Arbeit war, wurde bereinigt und von der Kulturkonferenz zuhanden der Direktion verabschiedet. In 26 (13) Gemeinden wurden 43 (21) Grabungen durchgeführt, Fundmeldungen abgeklärt und Altfunde administrativ behandelt. Archäologisch begründete Einsprachen erfolgten 30 (65). Unzählige Begehungen offener Baugruben ergänzten die archäologische Arbeit. Die Fundstellen verteilen sich auf folgende Gemeinden: Mit je 1 Fundstelle sind vertreten Aesch, Allschwil, Bottmingen, Füllinsdorf, Gelterkinden, Giebenach, Hölstein, Langenbruck, Lausen, Maisprach, Muttenz, Nenzlingen, Nusshof, Oberdorf, Oberwil, Reigoldswil, Roggenburg, Rümlingen, Therwil und Wahlen. Je 2 Fundstellen sind zu vermelden von Dittingen und Laufen, je 3 von Bubendorf, Münchenstein und Reinach. An der Spitze steht Liestal mit 10, wobei es sich hier mehrheitlich um Bauuntersuchungen im Altstadtkern handelt. Wegen ihrer Bedeutung sind besonders zu erwähnen: Dittingen-Schachleten: Der Aufmerksamkeit eines im Steinbruch bei Dittingen arbeitenenden Bildhauers ist es zu verdanken, dass der Fund von Knochen gemeldet wurde. Eine vom Labor für Archäozoologie der Universität Basel im Auftrag der Kantonsarchäologie durchgeführte Grabung förderte zahlreiche Reste einer Tierwelt zutage, die aufgrund von Radiokarbondaten und ersten palynologischen Ergebnissen am Ende der letzten Eiszeit gelebt hat. Die rund 12’000 Jahre alten Knochen stammen u.a. von mehreren Hirschen, einem aussergewöhnlich grossen Maulwurf und zahlreichen Vögeln. Langenbruck-Dürstel: In Bachnähe waren schon im Vorjahr Spuren einer Eisenverhüttungsanlage gefunden worden, wobei aufgrund der Schlacken von der Existenz eines Hochofens ausgegangen werden musste. Eine begrenzte Grabung erbrachte mehrere gewerbliche Feuerstellen, vermutlich sogenannte "Frischherde", sowie mehrmals terrassierte Arbeitsflächen mit grossen Quantitäten von Holzkohlen. Mit Hilfe von Holzkohleproben wurden an der ETH Zürich Radiokarbonmessungen vorgenommen, die eine Datierung ins 12. oder 13. Jahrhundert nahelegen. Dies hat für eine solche Anlage als ausserordentlich früh zu gelten. Liestal-Munzach: Bei der Anlage des Trassees für die Bahn 2000 wurde römisches Gemäuer angeschnitten. Eine archäologische Abklärung ergab, dass es sich um die letzten Reste der östlichen Abschlussmauer des römischen Gutshofes handelte. Von besonderem Interesse ist ein Durchlass für den Rösernbach, der ursprünglich durch das Villenareal floss und dessen mit römischem Mauerschutt verfülltes Bachbett im Areal der Grabung ebenfalls gefunden werden konnte. Liestal-Rathausstrasse 1-3: Die Bauuntersuchungen in dieser Liegenschaft ergaben eine abwechslungsreiche Baugeschichte. Einem Bau wohl des 13. oder früheren 14. Jahrhunderts im hinteren Bereich der Parzelle (gegen den Kirchhof hin) wurden in verschiedenen Etappen weitere Räume angegliedert. Balken der Decke im Erdgeschoss sowie eines Türsturzes im 1. Obergeschoss stammen von Bäumen, die im Herbst des Jahres 1400 gefällt worden waren, jene einer Decke im 1. Obergeschoss von 1564. Es handelt sich somit um das älteste bisher in Liestal nachgewiesene Haus. Münchenstein-Schloss: Die notwendige Sanierung der dorfseitigen Mauer des Schlosses Münchenstein erforderte eine Ausgrabung des ehemaligen Zuganges. Was zunächst als kleine Routinegrabung geplant war, entwickelte sich dank der unerwartet umfangreich erhaltenen Mauerteile zu einer grösseren Aktion, bei der ein reich gegliederter Burgzugang freigelegt werden konnte. In einer nachträglich zugeschütteten "Wolfsgrube" (einem für Burgzugänge häufigen Annäherungshindernis unmittelbar vor dem Tor) fanden sich zahlreiche Fragmente der Hinterlassenschaft der BurgbewohnerInnen. Reigoldswil-Chilchli: Östlich des im Vorjahr erforschten bestehenden Gebäudes konnte das zugehörige Gräberfeld untersucht werden. Es zeigte sich eine dichte Belegung; die Funde streuen vom 8. bis ins 11. Jh. Beim neu instandgestellten Dolmengrab in Aesch und an der Kirche in Buus wurden Informationstafeln angebracht. Über die Zufahrt zur Ruine Homburg wurde unter Federführung des Amtes für Liegenschaftsverkehr mit dem Grundeigentümer eine rechtsgültige Vereinbarung abgeschlossen. Die immer weiter zerfallende und zuwachsende Ruine des Gutshofes Liestal-Munzach wurde vom Lions-Club Ergolz in zwei Wochenendaktionen aufgeräumt, vom gröbsten Bewuchs und dem im Laufe der Zeit angesammelten Unrat befreit. Um eine zukünftige und sinnvolle Nutzung des Areals zu planen, wurde Kontakt zu den Behörden der Stadt Liestal aufgenommen. Während die Kantonsarchäologie durch einige Sondierungen in der Villa abzuklären versuchte, was an Originalmauerwerk erhalten ist und an welchen Stellen in früheren Zeiten wie tief gegraben worden war, liess die Stadt Liestal auf ihre Kosten eine Vorstudie für einen auf dem Villenareal denkbaren Schutzbau ausarbeiten. Am Schloss Münchenstein wurden die bereits bekannten und die bei den Grabungen neu zum Vorschein gekommenen Mauern durch die Gemeinde konserviert. Die Kantonsarchäologie stand den Gemeindebehörden beratend zur Seite. Verschiedene Forschungsvorhaben zur Alt- , Mittel- und Jungsteinzeit (Jürg Sedlmeier et al.) konnten soweit abgeschlossen werden, dass für 1997 eine Publikation ins Auge gefasst werden kann. Die Übersetzung des (englisch abgefassten) Manuskripts (Simon Burnell) über die lange zurückliegenden Grabungen in der Kirche Sissach ins Deutsche konnte am Jahresende abgeschlossen und bereinigt werden, so dass einer Drucklegung 1997 nichts mehr im Wege steht. Die Aufnahme der frühmittelalterlichen Funde und Befunde aus dem Kanton im Rahmen einer Dissertation (Reto Marti) konnte abgeschlossen werden. Dank eines namhaften Beitrages aus dem Fonds für Lehre und Forschung der Universität Basel war es möglich, einen grossen Teil der Funde zeichnen zu lassen. Zur kulturellen Zuweisung der Keramikfunde aus Aesch-Dolmengrab wurde ein Manuskript "Endneolithische Fundstellen der Schnurkeramik- und Glockenbecherkultur" eingereicht (Paul Gutzwiller). Der Katalog zu den anthroplogischen Funden aus der Kirche Buus (Bruno Kaufmann) liegt vor. Das Nationalfonds-Projekt Lausen geht seinem Abschluss entgegen. Im Rahmen dieser schwergewichtig historischen Arbeit konnten wesentliche Erkenntnisse für die Geschichte unserer Region zwischen der karolingischen Epoche und dem Hochmittelalter gewonnen werden. Der an der Universität Lausanne tätige Bearbeiter der Schlackenfunde aus dem Röserental (Vincent Serneels) hat vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung ein Forschungsstipendium erhalten, das es ihm ermöglicht, sich für die Analyse von Eisenobjekte an den renommierten Instituten in Belfort, Bochum und Oxford weiterzubilden; als Grundlagenmaterial für seine Forschungen wurde ihm das Material von Liestal-Röserental zur Verfügung gestellt. |
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