Subventionierung Kunstverein BL/Kunsthalle Palazzo
Landrat / Parlament || Inhalt der Vorlage 1997-257 vom 9. Dezember 1997
Verpflichtungskredite zur Subventionierung des Kunstvereins Baselland und der Kunsthalle Palazzo für die Jahre 1998-2001
Geschäfte des Landrats || Hinweise und Erklärungen
1. Kurzdarstellung
1. Die Fortsetzung der Unterstützung der beiden bedeutendsten Ausstellungsveranstalter des Kantons - Kunstverein Baselland (Muttenz) und Kunsthalle Palazzo (Liestal) - ermöglicht und sichert die kontinuierliche Vermittlung des zeitgenössischen, professionellen Kunstschaffens des Baselbiets und der Region.
2. Die beiden privaten Veranstalter verstehen ihre Arbeit als kulturpolitischen Auftrag im Rahmen der vom Landrat genehmigten "Perspektiven der zeitgenössischen Kunst- und Kulturförderung 1995-2000". Beide Veranstalter leisten wichtige öffentliche, einander ergänzende Angebote, die andernorts durch den Kanton selbst realisiert werden.
3. Für die Kunstszene der Region Basel und insbesondere für den Kanton Basel-Landschaft ist es bedeutend, dass es sowohl im Unter- als auch im Oberbaselbiet öffentliche Kunsträume gibt. Das neue Kunsthaus Baselland des Kunstvereins ist in Muttenz domiziliert. Die Kunsthalle Palazzo erfüllt ihren Auftrag in Liestal.
4. Das Engagement des Kunstvereins Baselland und der Kunsthalle Palazzo werden in der Fachwelt und vom Publikum sehr geschätzt.
5. Der Kunstverein Baselland soll für die Jahre 1998-2001 eine neue Subvention von je Fr. 370'000.-- p.a. erhalten. Der entsprechende Verpflichtungskredit für 4 Jahre lautet auf Fr. 1'630'000.-- (inklusive eines Investitionsbeitrags von Fr. 150'000.-- für Umbau und Einrichtung des neuen Kunsthausesin Muttenz).
6. Die Kunsthalle Palazzo (Liestal) soll für die Jahre 1998-2001 weiterhin eine Subvention von je Fr. 150'000.-- p.a. erhalten. Der entsprechende Verpflichtungskredit für 4 Jahre lautet auf Fr. 600'000.--.
Am 18. Mai 1995 hat der Landrat zum zweiten Mal der Subventionierung der beiden wichtigen Kunstveranstalter - Kunstverein Baselland und Kunsthalle Palazzo für drei Jahre zugestimmt. Für die Jahre 1995-1997 wurden Verpflichtungskredite von total Fr. 930'000.-- bewilligt. Diese Kredite resp. Verträge laufen per Ende 1997 aus.
Der Beschluss des Landrates basierte zum einen auf der Erkenntnis, dass die beiden Veranstalter sowohl im Baselbiet als auch über die Grenzen der Region Basel hinaus breite Anerkennung für ihre Arbeit geniessen; zum anderen wird ihnen im "Bericht und den Perspektiven zur zeitgenössischen Kunst- und Kulturförderung 1990-1994 / 1995-2000" eine hoher kulturpolitischer Stellenwert zugemessen.
3. öffentliche Kunstvermittlung und -förderung im Baselbiet (Stand 1997)
- Kunstverein Baselland (Muttenz
- Kunsthalle Palazzo (Liestal)
Die generelle Situation in Bezug auf die kantonale Kunstvermittlung und -förderung hat sich seit drei Jahren nicht grundlegend verändert. Die wichtigen Aktionsfelder sind nach wie vor der Kunstkredit, die von der Erziehungs- und Kulturdirektion zusammen mit öffentlichen Bauherrschaften veranstalteten Wettbewerbe "Kunst am Bau" und Austauschprojekte mit dem Ausland für Kunstschaffende der Region (CitŽ Paris, IAAB). Zusammen mit Basel-Stadt werden subsidiär Kunstkataloge von Kunstschaffenden der Region unterstützt, um die Promotion des regionalen Kunstschaffens zu stärken.
In der Stadt Basel sind neben den neuen und alten Museen nach wie vor drei Veranstalter im zeitgenössischen Bereich aktiv: Das Museum für Gegenwartskunst, die Kunsthalle Basel (Kunstverein) und der Ausstellungsraum Klingental. Ersteres ist Teil des staatlichen Kunstmuseums, die anderen zwei sind subventionierte Privatträger.
Im Baselbiet gibt es neben dem Kunstverein Baselland und der Kunsthalle Palazzo zwar einige kommunale Kunstvereine resp. -veranstalter, die mehr oder weniger regional in Erscheinung treten. Nur gerade in Reinach, Allschwil, Binningen und Liestal gibt es kontinuierlich Projekte, die im engeren Sinne als zeitgenössische Kunstvermittlungsprojekte bezeichnet werden können.
Im Ausstellungsbereich hat demzufolge das Angebot der beiden Ausstellungsveranstalter Kunstverein Baselland und Kunsthalle Palazzo (Liestal) eine zentrale Bedeutung. Ohne die bisherige kontinuierliche Unterstützung durch den Kanton Basel-Landschaft hätten die beiden Veranstalter ihre Aufgabe und ihre Programme allerdings nicht realisieren können. Andererseits darf sich der Kanton Basel-Landschaft auf die Arbeit des Kunstvereins Baselland und der Kunsthalle Palazzo abstützen und sicher sein, dass das Grundangebot an öffentlichen Kunstausstellungen sichergestellt ist.
Aktive und attraktive Kunstvermittlung ist - wie in anderen Bereichen auch - stark vom öffentlichen Raumangebot abhängig. Der Regierungsrat weiss dies, wenn er in seinen "Perspektiven zur zeitgenössischen Kunst- und Kulturförderung 1995-2000" schreibt, dass
"Die Suche nach dezentralen und trotzdem repräsentativen Ausstellungsräumen, die dem Kunstverein Baselland und anderen Ausstellungsproduzenten im Kanton zur Verfügung stehen könnten, muss vorangetrieben werden. Unabhängig von einem Betriebskonzept spielen Standorte, Zugänglichkeit, Polyvalenz und Betriebskosten eine wichtige Rolle. Angesichts des momentanen Raumangebots in der Region stehen die Chancen nicht schlecht, je einen geeigneten Raum im Unter- resp. Oberbaselbiet zu finden. Neubauprojekte mit aufwendigen Investitions- und Baukosten sowie unprofiliertem Betriebskonzept sind unwahrscheinlich. Die Chancen zur Realisation liegen eher bei der Umnutzung und Erschliessung von bestehenden Gebäuden, wie dies zum Beispiel bei der Unteren Fabrik in Sissach der Fall ist. (...) In jedem Fall ist die Erziehungs- und Kulturdirektion für alle Optionen und Projekte offen, vor allem dann, wenn private Initianten Hand und Möglichkeiten zur Kooperation bieten. "
Umso glücklicher darf man sich heute schätzen, dass sich bei der bisher prekären Raumsituation des Kunstvereins Baselland eine mehr als nur erfreuliche Klärung ergeben hat, die diesem nach Jahren eine neue künstlerische und andererseits dem Kanton Basel-Landschaft eine neue kulturpolitische Perspektive in Aussicht stellt.
Im Mai 1997 hat der Kunstverein Baselland in Muttenz aus eigenen Mitteln und mit Hilfe privater Kunstkreise eine ehemalige aber intakte Fabrik gekauft, die das regionale Ausstellungsangebot ideal ergänzen wird. Folgende Eckdaten sind wichtig:
| - Standort: Muttenz, St. Jakobsstrasse 170, direkt an der Birs (Tramhaltestelle und ca. 50 Parkplätze) |
| - Raumangebot:
ca. 1'500 m
2
, mehrere Räume, gute Lichtverhältnisse für Kunstbetrieb ca. 3'000m 2 , mehrere Räume auf verschiedenen Stockwerken, zur gewerblichen Nutzung (vermietet) |
| - Kaufpreis: Fr. 5,1 Mio. |
| - Umbau: ca. 530'000.-- |
Das zukünftige Betriebskonzept des Kunsthauses Baselland wird von den regionalen Veranstaltern ausserordentlich positiv beurteilt, weil durch das geplante Raum- und Programmangebot des Kunstvereins eine Entlastung aber auch eine echte Akzentuierung des Kunstveranstaltungsbetriebs in der Region Basel erwartet wird. Der attraktive Standort, die sehr guten Raum- und Lichtverhältnisse sowie der intakte Zustand der Liegenschaft sind Teil einer vielversprechenden Perspektive.
Allerdings ist der Betrieb des Kunstvereins Baselland mit erheblichen Mehrkosten verbunden, die sowohl zusätzliche Mittel des Kantons Basel-Landschaft als auch von Sponsoren und Privaten erfordern. Veranschlagt ist ein Betriebsbudget von Fr. 520'000.-- (bisher ca. Fr. 230'000.--) zur Deckung der Kosten für das Kuratorium, die Ausstellungskosten und die Administration. Das Verhältnis zwischen privaten und öffentlichen Mitteln soll weiterhin - analog zu anderen vergleichbaren kantonalen Kunstzentren - im Verhältnis 30:70 liegen.
Der Kunstverein ist überzeugt, dass er sein Projekt Kunsthaus Baselland in Muttenz auf eine tragfähige Basis stellen kann. Denn es braucht zur Sicherung des Kunstbetriebs nicht nur öffentliche Subventionen und Sponsoren sondern auch genügend solvente Mieter, die die Liegenschaftskosten decken helfen. Die entsprechenden Vorarbeiten inklusive Umbau sind im Gang.
Unter Berücksichtigung der in den "Perspektiven zur zeitgenössischen Kunst- und Kulturförderung 1995-2000" definierten Kriterien für die Förderung von Kunstvermittlung und Raum macht es Sinn, wenn der Kanton Basel-Landschaft sein Engagement gegenüber und seine Partnerschaft mit dem Kunstverein Baselland (Muttenz) sowie der Kunsthalle Palazzo (Liestal) fortsetzt. Kontinuität, Qualität und Know how stimmen, die Zusammenarbeit hat sich eingespielt. Die beiden Veranstalter/innen haben - jede/r auf seine/ihre Art - in der Kunst- und Kulturszene der Region Basel ihre spezifische Bedeutung, die von der Oeffentlichkeit akzeptiert ist. Kunsthalle Palazzo und Kunstverein Baselland unterscheiden sich in ihrer Organisation, Struktur und in ihren Programmen, aber diese ergänzen das regionale Angebot im Bereich der Bildenden Kunst auf optimale Art und Weise.
4. Subventionen und Leistungsaufträge 1998-2001
Beide Veranstalter sollen ihre Arbeit auf der Basis einer Subventionsvereinbarung vier Jahre fortführen. Dabei sichert der Kanton Basel-Landschaft beiden Veranstaltern völlige Programm- und Gestaltungsfreiheit zu.
In den "Perspektiven zur zeitgenössischen Kunst- und Kulturförderung 1995-2000" wird explizit und mit Priorität in Aussicht gestellt, dass der Kunstverein Baselland mit der verstärkten Unterstützung des Kantons Basel-Landschaft rechnen darf, wenn er ein eigenes Haus besitzt. Um den neuen Ausstellungsbetrieb in Muttenz nach den kulturpolitischen Erfordernissen zu gewährleisten, muss die bisherige Subvention von Fr. 160'000.-- (1995-97) auf neu Fr. 370'000.-- p.a. erhöht werden. Diese Subvention deckt ca. 70% der Kosten, was in etwa der bisherigen anteilsmässigen Leistung des Kantons entspricht.
Zusätzlich soll ein einmaliger Investitionsbeitrag von Fr. 150'000.-- an die Umbau- und Einrichtungskosten des neuen Kunsthauses Baselland ausgerichtet werden. Die veranschlagten Kosten betragen ca. Fr. 530'000.-- ; der kantonale Anteil soll somit knapp 30% betragen. Der vorgesehene Investitionsbeitrag entspricht der Summe, die der Kanton für die Einrichtung der Kunsthalle Palazzo im Jahre 1992 bewilligt hat.
Die Kunsthalle Palazzo hat sich in den letzten Jahren ebenfalls weiter sehr gut entwickelt. Auch unter der neuen künstlerischen Leitung seit 1997 geniesst die Kunsthalle für ihre engagierte zeitgenössische Ausrichtung einen hervorragenden Ruf, was z. B. in der kontinuierlichen aber im Vegleich zu anderen schweizerischen Institutionen exklusiven Subventionierung durch das Bundesamt für Kultur (EDI) zum Ausdruck kommt. Die bisherige Subvention (1995-97) soll für weitere 4 Jahre Fr. 150'000.-- p.a. betragen. Der Leistungsauftrag hat die gleichen Eckwerte wie bisher.
Die Beiträge sind als Grunddeckung zur Sicherstellung des Ausstellungsbetriebs gedacht. Ohne diese Grunddeckung ist die Fortsetzung der Ausstellungstätigkeit angesichts der Kosten und Ansprüche der Kunstschaffenden und des Publikums nicht gesichert. Die Gestaltungs-, Produktions- (Transporte und Vesicherung!) und Werbekosten im Kunstbereich sind längst nicht mehr durch Verkäufe zu decken, zumal allfällige Erlöse zu einem grossen Teil der Künstlerschaft zukommen sollen. Die Arbeit der beiden Veranstalter soll sich in einem nichtkommerziellen Rahmen abwickeln und sich damit deutlich von den Aktivitäten von Galerien unterscheiden.
Beide Veranstalter erfüllen mit den kantonalen Subventionen quantitative und qualitative Leistungsaufträge, die in den entsprechenden Vereinbarungen festgeschrieben sind (siehe 5. Eckwerte).
5. Eckwerte der Vereinbarungen mit dem Kunstverein Baselland und der Kunsthalle Palazzo
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Kunstverein Baselland | Kunsthalle Palazzo |
| Laufzeit | 1998-2001 | 1998-2001 |
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Im Hinblick auf die Fortsetzung des Subventionsverhältnisses sind ab Januar 2001 Verhandlungen aufzunehmen. | |
| Zweckbestimmungen | Ausstellungstätigkeit des Kunstvereins im Sinne seiner Statuten und des Leitbildes 1997. Die Beiträge gehen an die Betriebsrechnung. |
Produktion und Vermittlung von Ausstellungen zeitgenössischer Kunst im Sinne des Konzepts. Die Beiträge gehen an die Betriebsrechnung. |
| Leistungsauftrag Auflagen |
Ausstellungen im Kunsthaus Baselland in Muttenz; allenfalls im Oberbaselbiet | Ausstellungen im Kulturhaus Palazzo in Liestal |
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4-6 öffentliche Ausstellungen p.a. | wenigstens 4 öffentliche Ausstellungen p.a. |
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Dokumentation des zeitgenössischen Kunstschaffens | Dokumentation des zeitgenössischen Kunstschaffens |
| Prioritäten | Regionale und Kantonale PlattformAusstellungen, auch in Zusammenarbeit mit regionalen Kunstvereinen (D,F,CH); Retrospektiven, thematische Ausstellungen; Sammlungen und Leihgaben aus der Region Basel. | Künstlerporträts in Gegenüberstellungen; Plattformausstellungen, Auftragswerke; Kontrast zu den kommerziellen Galerien. |
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Beide Veranstalter erklären sich bereit, nach vorhergehender Uebereinkunft auch öffentliche Ausstellungen oder Kunstveranstaltungen im Auftrag der Erziehungs- und Kulturdirektion durchzufahren. | |
| Beiträge | Fr. 370'000.-- p.a. Fr. 150'000.-- lnvestitionsbeitrag 1998 |
Fr. 150'000.-- p.a. |
| Deckung | 70% des Budgets | 50 - 60% des Budgets |