IES
Landrat / Parlament || Vorlage 1998-144 vom 18. August 1998
Bewilligung des Verpflichtungskredites für das Integrale Entsorgungs-System (IES)
Geschäfte des Landrats || Hinweise und Erklärungen
Landratsbeschluss (Entwurf) II Inhaltsübersicht
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5 Ziele
Mit dem Integralen Entsorgungs-System, also dem kombinierten Transport von Abfall auf Strasse und Schiene, sollen folgende Ziele erreicht werden:
- Ausschöpfen des Bahntransportpotentials zur Verminderung der Umweltbeeinträchtigung;
- Senkung oder mindestens keine Erhöhung der gesamten Abfalltransportkosten;
- Flexibilität bezüglich Abfallarten, -mengen und -flüsse.
Mit den in der vorliegenden Landratsvorlage aufgezeigten Massnahmen wird ein zukunftsweisendes und praxistaugliches Abfalltransportsystem vorgestellt und zur Einführung empfohlen.
6 Untersuchte Varianten des integralen Entsorgungs-Systems
Die schematische Darstellung in Abbildung 3 zeigt den Ablauf von der Sammlung des Abfalls über den Transport in die Kehrichtverbrennungsanlage bis hin zum Abtransport der Schlacke in die Deponie.
Während des Sammelns wird der Abfall von der Mannschaft (2 Mann anstelle von 2 bis 3 Mann) direkt auf einen auf dem Sammelfahrzeug liegenden, bahngängigen Container beladen und maschinell verpresst. Der mit etwa 9 Tonnen gefüllte volle Container wird auf der nächstgelegenen Container-Umladestelle (CUS), das heisst an bestehenden Freiverladegeleisen an SBB-Bahnhöfen ohne zusätzliche Einrichtungen von der Mannschaft auf den Bahnwagen umgeladen. Unmittelbar anschliessend kann der Sammeldienst mit einem neu aufgeladenen, leeren Container fortgesetzt werden. Das Integrale Entsorgungs-System macht den kombinierten Kehrichttransport Strasse/Bahn einfacher und effizienter; im Gegensatz zum da und dort noch angewendeten System mit aufwendigen Umladestationen, die von konventionellen Sammelfahrzeugen angefahren werden. Mit dem Projekt ABA Pratteln wurden entsprechende Umladestationen auch untersucht. Sie sind gegenüber dem IES unwirtschaftlicher. Für das Integrale Entsorgungs-System sind folgende Komponenten notwendig:
- Sammelfahrzeuge, welche Container aufnehmen können
- Container-Umladestellen (CUS)
- Container
- Rollmaterial der Bahn
- Fahrzeug in KVA für Ablad und Entleeren (in Kosten KVA enthalten)
6.2.1 Anlieferung in der Nähe der KVA Basel
Die Abfälle der stadtnahen Gemeinden sollen nach wie vor mit konventionellen Fahrzeugen gesammelt und direkt auf der Strasse an die KVA geliefert werden. Bahntransport aus diesen Gebieten wäre mit insgesamt längeren Transportdistanzen verbunden und daher nicht sinnvoll. Die Gebietsaufteilung Bahn-/Strassenanlieferung ist aus Anhang 6 ersichtlich.
6.2.2 Reine Strassenanlieferung an die KVA für das ganze Einzugsgebiet
Alle in den Anhängen 7 bis 9 dargestellten Varianten wurden mit einer reinen Strassenanlieferung aus dem ganzen Einzugsgebiet mit den für das Jahr 2000 angenommenen Mengen verglichen. Bei der reinen Strassenanlieferung wird von der heute durchschnittlichen Zuladung von 6.5 Tonnen pro Fahrzeug ausgegangen.
6.3
IES-Varianten
Es wurden insgesamt 6 verschiedene IES-Varianten geprüft, welche sich im wesentlichen darin unterscheiden, wie die Gewerbe- und Industrie- bzw. die Bau- und Holzabfälle gesammelt und transportiert werden und ob neben den Container-Umladestellen sogenannte Regionale Annahme-Zentren (RAZ) für Gewerbeabfälle vorgesehen sind oder nicht.
Das zusammenfassende Ergebnis des Variantenvergleichs mit den Auswirkungen auf den Bahntransportanteil, der Strassenkilometerleistung, der Strassenanlieferungen an die KVA Basel und die gesamten Logistikkosten geht aus Anhang 8 hervor.
7 Das Integrale Entsorgungs-System für unseren Kanton
7.1
Konzept
Aus den in den Anhängen aufgezeigten Variantenvergleichen geht die Variante mit 6 Container-Umladestellen/keine Regionalen Annahme-Zentren (RAZ) für Gewerbe- und Industrieabfälle aus Kostengründen als Bestvariante hervor. Sie kann auf der Basis der heutigen Gesetzgebung den
Bahntransportanteil ohne Kostensteigerung maximieren
.
Hauskehricht und Sperrgut, der für den Bahntransport in Frage kommenden Gemeinden (siehe Anhang 6) wird mit IES-Fahrzeugen in Containern gesammelt. Über die folgenden Container-Umladestellen (CUS) werden die vollen Container vom Lastwagen auf den Bahnwagen geschoben und per Bahn abtransportiert:
| - ABB-Areal Arlesheim - Bahnhof Liestal - Bahnhof Pratteln |
- Bahnhof Rheinfelden - Bahnhof Sissach - Bahnhof Zwingen |
So können problemlos auch in den Randzeiten die KVA Basel - oder bei Engpässen - aargauer KVAs angefahren werden.
Die heute für brennbare, hauskehrichtähnliche Gewerbe- und Industrieabfälle bestehende Gewerbeabfuhr soll auch mit IES-Fahrzeugen und der Bahn durchgeführt werden.
Der mit diesem Konzept resultierende Bahntransportanteil , bezogen auf alle betrachteten Abfälle und das ganze Einzugsgebiet, beträgt 42 Gewichtsprozent . Das Integrale Entsorgungs-System kann nach Etablierung weiter ausgebaut werden, womit der Bahntransportanteil auf 65 Gewichtsprozente gesteigert werden könnte. Dieser mögliche zweite Schritt ist aus heutiger Sicht allerdings mit Mehrkosten verbunden und daher nicht Gegenstand dieser Vorlage.
In Abbildung 4 sind die Transportbewegungen des Integralen Entsorgungs-Systems im Vergleich zur reinen Strassenanlieferung grafisch dargestellt.
Die Materialflüsse des IES gehen aus Anhang 7 hervor. Aus Abbildung 5 sind die Transportleistungen auf der Schiene resp. Strasse für das Integrale Entsorgungs-System im Vergleich zur reinen Strassenanlieferungen ersichtlich.
| |
reine Strassen- anlieferung |
IES |
| Bahntransport (t/a) | - | 48'200 |
| Strassentransport (t/a) | 113'600 | 65'400 |
Abb. 5: Knapp 50 000 Tonnen Abfall pro Jahr können mit der Bahn transportiert werden .
Mit dem IES kann die tägliche Anzahl Anlieferungen per Lastwagen an die KVA von 120 auf 90 reduziert werden.
Für den Betrieb des Integralen Entsorgungs-Systems im beschriebenen Einzugsgebiet sind die folgenden Logistik-Komponenten nötig:
- 19 Bahnwagen (SBB)
- 67 IES-Container, wovon 7 Reserve
- 13 IES-Sammelfahrzeuge, wovon 2 Reserve
Die Container sind komplett geschlossen und dicht. Geruchsbelästigungen sind ausgeschlossen. Sie werden erst nach Ankunft in der KVA geöffnet. Aus Gründen der Austauschbarkeit ist zwingend im ganzen Einzugsgebiet der gleiche Containertyp zu wählen.
IES-Sammelfahrzeuge gibt es hinsichtlich Art der Beladung in drei Ausführungen: Front-, Heck- und Seitenlader. Die Abbildung 6 zeigt einen Seitenlader. Welche Ausführung in unserem Kanton gewählt wird, ist noch offen. Heute sind drei bis vier Systeme praxistauglich, einige im Probebetrieb und eine grosse Anzahl Fabrikate in Entwicklung.
7.3 Koordination durch das AIB
Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wurden verschiedene Varianten von Betriebsorganisationen einander gegenübergestellt. Die Regierung kommt zum Schluss, dass das AIB (oder das Nachfolgeunternehmen IBBL AG) die gestellten Anforderungen insgesamt am besten zu erfüllen vermag. Neben der Koordination für alle Beteiligten wie Gemeinden, Transporteure, SBB/ACTS und KVAs obliegen dem AIB Kauf, Wartung und Reparaturen der Container sowie Auftragsverhandlungen mit SBB/ACTS für die Bahntransporte von den Container-Umladestationen zur KVA Basel oder zu aargauer KVAs. Im Schwarzbubenland und im unteren Fricktal sollen die Aufgaben in Zusammenarbeit mit der KELSAG und dem Gemeindeverband Kehrichtbeseitigung unteres Fricktal gelöst werden.