Protokoll der Landratssitzung vom 21. Februar 2008
| |
2007-163 vom 21. Juni 2007
Postulat von Christoph Rudin, SP: Augusta Raurica als Unesco-Kulturerbe
- Beschluss des Landrats am 21. Februar 2008: < überwiesen >
Nr. 352
Landratspräsidentin Esther Maag (Grüne) erklärt, dass der Regierungsrat bereit ist, das Postulat entgegenzunehmen. Sie fragt, ob sich Widerspruch erhebt.
Karl Willimann (SVP) und die SVP-Fraktion sind gegen die Überweisung des Postulats.
Zweifelsohne ist Augusta Raurica von hoher Bedeutung, sowohl über, wie unter dem Boden, wo noch ein grosser Schatz aus der römischen Vergangenheit liegt. Es gibt aber schon jetzt in Augst ein grosses Problem, weil die im Oberdorf wohnenden Leute, unter deren Häuser sich die Schätze verbergen, schon des längeren ein mulmiges Gefühl haben, was der Landrat wohl beschliessen mag und welche Absichten dahinter stehen. Wird dieses Postulat überwiesen, dann wird der Druck auf die Gemeinde Augst verstärkt. Letztlich fragen sich diese Leute, ob die Bestrebungen darin gipfeln werden, dass deren Häuser zugunsten einer Idee, die latent auf der Seite gewisser politischer Parteien vermutet wird, weggeschliffen würden.
Über die Kosten muss nicht gesprochen werden. Diese wären nicht bezifferbar.
Es darf aber nicht sein, dass durch dieses Vorhaben eine erneute Käseglocke - und dann auch noch eine besonders gewichtige - über Augst und Kaiseraugst verhängt wird. Aus heutiger Sicht ist der Schutz des kantonalen Archäologiegesetzes absolut ausreichend. Dieser Schutz ist aber auch schon sehr umstritten, vor allem in der betroffenen Bevölkerung. Eine Überweisung des Postulats und ein Bestreben zur Aufnahme als Weltkulturerbe wäre eine Provokation des Landrates gegenüber der Gemeinde Augst. Karl Willimann bittet darum, das Postulat nicht zu überweisen.
Regula Meschberger (SP) bittet im Namen der SP-Fraktion um Zustimmung zur Überweisung. Jeder versteht die Bedenken der Gemeinde Augst. Es wäre aber durchaus angebracht, die Sache auch aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Es geht um den Erhalt einer römischen Kernstadt in einem einzigartigen Ausmass in Mitteleuropa. Stellt der Kanton den Antrag zur Aufnahme als Unesco-Weltkulturerbe, dann unternimmt der Kanton gleichzeitig eine Imagepflege für die Gemeinde Augst und den ganzen Kanton Baselland. Die Auswirkungen auf den Tourismus mag man sich vielleicht vorstellen: Auf der ganzen Welt gibt es Menschen, die gerne reisen und sich im Internet erkundigen, wo es diese Weltkulturstätten gibt. Man würde hierdurch nicht nur dem Kanton, sondern ganz besonders der Gemeinde Augst einen Dienst erweisen.
Der Schutz des Archäologiegesetzes ist nicht das Thema, es geht vielmehr um eine Imagepflege und um den Erhalt einer einmaligen Stätte in Mitteleuropa. Aus diesen Gründen bittet Regula Meschberger um Zustimmung zu diesem Postulat.
Gemäss Petra Schmidt (FDP) ist die FDP-Fraktion gespalten. Es gibt gute Gründe dafür wie dagegen, weshalb sich die Fraktion dementsprechend in der Abstimmung verhalten wird.
Urs Berger (CVP) erklärt, dass die CVP/EVP-Fraktion im Sinne von Prüfen und Berichten einstimmig für die Überweisung ist.
Regierungsrat Urs Wüthrich (SP) zufolge erwähnte Karl Willimann richtigerweise, dass das Archäologiegesetz die Rechtsgrundlage zum Schutz des kulturellen Erbes im Kanton darstellt. An diesem Schutz ändert das Label Weltkulturerbe nichts. Weder wird der Schutz verstärkt, noch aufgeweicht. Ferner ist die Aussage, es bestünde die Absicht, bestehende Häuser abzureissen, absurd und polemisch. Das Gegenteil ist der Fall. Man befindet sich zurzeit in sehr intensiven Gesprächen mit der Gemeinde, um den bereits bebauten Teil der Gemeinde, wo die teils darunter liegenden Schätze schon zerstört sind, intensiver gegen innen zu nutzen. Der Landrat wird schon bald die Gelegenheit erhalten, zu zeigen, wie ernst es ihm um die Unterstützung der Gemeinde Augst ist. Es wird eine Vorlage zur Erschliessung von Neubereichen im bereits überbauten Siedlungsraum geben, um die Bebauung durch Privatpersonen oder die Gemeinde zu ermöglichen.
Was die Kosten betrifft, so geht der Regierungsrat davon aus, dass eine Anerkennung als Weltkulturerbe keine zusätzlichen Mittel kosten wird. Es entsteht daraus keine Verpflichtung, etwas neu bauen zu müssen. Im Gegenteil vermutet der Regierungsrat, dass die Position gegenüber dem Bund im Kampf um die immer knapperen Mittel zum Erhalt und zur Pflege der Kulturgüter verbessert wird. Aus diesem Grund würde sich der Regierungsrat über die Überweisung des Postulats freuen, damit man mit dem Rückhalt des Parlaments die Gelegenheit hätte, zu prüfen und zu berichten, wie ein solcher Antrag gestellt werden könnte.
Landratspräsidentin Esther Maag (Grüne) liegen keine weiteren Wortbegehren vor. Sie lässt über die Überweisung abstimmen.
://: Der Landrat stimmt der Überweisung des Postulats 2007/163 mit 46:23 Stimmen bei 5 Enthaltungen zu. [ Namenliste ]
Für das Protokoll:
Pascal Andres, Landeskanzlei
Mitteilungen
Landratspräsidentin Esther Maag (Grüne) erinnert an die Muba, wo die erste Öko- und Fair-Trade-Modeschau an der NATUR-Messe um 14.00 Uhr und um 16.00 Uhr stattfindet. Auch besteht dort die Möglichkeit, die Primatenforscherin Jane Goodall um 14.45 Uhr zu treffen. Um 18.30 Uhr sind alle anwesenden Landrätinnen und Landräte in das Baselbieter Stübli eingeladen, wo sie von Ueli Vischer begrüsst werden.
Für das Protokoll:
Pascal Andres, Landeskanzlei
Back to Top