Protokoll der Landratssitzung vom 3. Mai 2007
Protokoll der Landratssitzung vom 3. Mai 2007 |
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2006-211
vom 7. September 2006
Interpellation
von Andreas Helfenstein, SP: Wann kommt das Kombiticket?
-
Schriftliche Antwort des Regierungsrates
vom
6. März 2007
- Beschluss des Landrats am 3. Mai 2007 < erledigt>
Nr. 2431
Andreas Helfenstein (SP) verlangt Diskussion.
://: Dem Antrag nach Diskussion wird stattgegeben.
Andreas Helfenstein (SP) bemerkt, man könnte es kurz machen und sagen: «Ende gut, alles gut!» Wenn er dies aber nicht tut, so liegt es daran, dass er mit den Antworten des Regierungsrates nicht ganz zufrieden ist.
Positiv ist, dass es nach langen, scheinbar mühsamen Verhandlungen mit dem FC Basel und Basel United nun gelungen ist, per 1. Januar 2007 das Kombiticket endlich einzuführen. Bei Basel United tut man sich offenbar sehr, sehr schwer mit berechtigten ökologischen Anliegen wie diesen 60 Rappen pro Ticket; das grenzt schon an Obstruktion.
Die Vereinbarung mit dem FCB und Basel United dient als Basis für das Kombiticket sowohl für Fussballspiele als auch für Konzerte und andere Veranstaltungen im St. Jakob-Park.
Enttäuscht hat den Interpellanten, dass die Regierung nicht aufgezeigt hat, mit welchen Vorstellungen, Ideen, gar Visionen sie die Verkehrssituation rund ums «Joggeli» zu managen gedenkt. Das Kombiticket ist das eine, aber es muss nun auch mit dem Angebot gesteuert werden, dass die Besucher tatsächlich mit dem ÖV zum Stadion kommen.
Der St. Jakob-Park ist mit dem öffentlichen Verkehr eigentlich hervorragend erschlossen: mit Bus- und Tramhaltestellen, der S-Bahn-Haltestelle Dreispitz in Fusswegdistanz und vor allem einem Bahnanschluss direkt beim Stadion - das gibt es sonst nirgendwo in der Schweiz. Zwar gibt es eine Haltestelle Bern-Wankdorf, aber von dort bis zum Stade de Suisse sind es immer noch mehrere hundert Meter. Das «Joggeli» hingegen verfügt über eine eigene Bahnhaltestelle unmittelbar neben den Stadioneingängen. Es ist nicht nachvollziehbar, dass dieses Potenzial nicht viel intensiver genutzt wird. Irgendwie scheint der Wille zu fehlen.
Wenn die «Rolling Stones» in Dübendorf vor 80'000 Menschen spielen, schaffen es die SBB, diese Menschenmengen innert kürzester Zeit zu transportieren, und auch bei Fussballspielen und Konzerten im Wankdorf hat diese Strategie sich schon x-fach bewährt. Nur in Basel wird das Potenzial nicht genutzt. Dabei ist es bekannt: Massenveranstaltungen rufen nach Massentransportmitteln; anders sind die Verkehrsprobleme nicht in den Griff zu bekommen.
Offenbar ticke Basel auch diesbezüglich anders, werden sich nun viele sagen. Dabei ist der Beweis, dass es funktionieren würde, schon längst erbracht: Im Juni 2004 haben 40'000 Personen am Christustag im St. Jakob-Park teilgenommen. Sie sind innert kürzester Zeit von den SBB herbeigeführt worden. Am Morgen für die Hin- und am Abend für die Rückreise wurden jeweils neun Extrazüge von und bis Basel-St. Jakob eingesetzt; zusätzlich haben die BVB ein Shuttle-Angebot vom Bahnhof SBB zum St. Jakob-Park aufgezogen. Das Ergebnis war überwältigend: 30'000 Besucher/innen sind mit dem ÖV angereist, die Parkplätze rund ums Stadion sind leer geblieben, und die Polizei hat sich erstaunt die Augen gerieben. Der Tatbeweis ist also erbracht: Es funktioniert. Aber seither wurde auf diese Erfahrung nicht mehr zurückgegriffen.
Der Interpellant hat auch Postulate in dieser Sache eingereicht ( 2004/102 , Ohne Parkplatzsorgen zum St. Jakob-Park, und 2004/153 , Mit der Bahn zum St. Jakob-Park), welche der Landrat überwiesen hat. Ihm fehlt der Enthusiasmus, dieses Problem anzupacken. Dafür wird immer wieder der Ruf nach Lösungen für den Individualverkehr laut. Das braucht es selbstverständlich auch - man sollte nicht IV gegen ÖV ausspielen -; aber mit welcher Hartnäckigkeit beispielsweise die Forderung nach Parkplätzen auf dem Schänzli-Areal erhoben wird, steht in keinem Verhältnis zum geringen Engagement für die Nutzung der Bahnstation St. Jakob. Immer wieder wird, gegen den erklärten Willen der Gemeinden Birsfelden und Muttenz, die Einrichtung von tausend Parkplätzen im Schänzli gefordert. Soviel Nachdruck ist erstaunlich im Vergleich zum lauwarmen Einsatz zugunsten einer guten ÖV-Lösung.
In Vier-Augen-Gesprächen sind immer wieder die gleichen Einwände zu vernehmen, so etwa, dass die SBB nicht über die nötigen Kapazitäten verfüge. Aber die Veranstaltungen im Stadion finden meist abends oder an Wochenenden statt, also zu Zeiten, in welchen überhaupt keine Züge über die Gleise hinter dem Stadion fahren. Denn abends und an Wochenenden fällt kaum Güterverkehr an.
Ein weiterer Einwand besagt, es stünde nicht genügend Rollmaterial zur Verfügung. Auch das stimmt nicht: Die Anlässe im Stadion finden ausserhalb der Spitzenzeiten statt, also gibt es genügend Züge. Mit gutem Willen ist viel mehr machbar.
Der Interpellant wünscht sich von Regierungsrätin Elsbeth Schneider quasi als Abschiedsgeschenk an die vom Verkehrslärm bei jedem Match geplagten Anwohner in Muttenz, Birsfelden, Münchenstein und Basel, dass sie sich dafür einsetzt, die vorhandenen Möglichkeiten auszuschöpfen. Das dazu nötige Instrument - das Kombiticket - besteht inzwischen, und nun braucht es nur den guten Willen, bestehende Konzepte aus den Schubladen zu nehmen und sie umzusetzen. Das ist machbar, und zwar schon bis zum nächsten Samstag! [zustimmendes Klopfen von der Ratslinken]
://: Damit ist die Interpellation 2006/211 erledigt.
Für das Protokoll:
Alex Klee-Bölckow, Landeskanzlei
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